Union-Berlin-Blog: Es wird noch spannender!

Berlin - Eisern: In einer Personal-Union aus drei waschechten Berliner Fußball-Fan-Originalen gibt es ab sofort bei TAG24 einen Union-Berlin-Blog.

V.l.n.r.: Christian Beeck (49), Jürgen Heinemann (57) und Tobias Saalfeld (53).
V.l.n.r.: Christian Beeck (49), Jürgen Heinemann (57) und Tobias Saalfeld (53).  © Archiv
Die Autoren:

Beecke (Christian Beeck, 49) Ex-Bundesliga-Spieler, Ex-Union-Manager, lebt an der Küste, 2 Kinder.

Icke (Jürgen Heinemann, 57) geht seit 44 Jahren zu Union, als Betriebswirt seit 30 Jahren im Vertrieb, verheiratet, ein erwachsenes Kind.

Unionfux (Tobias Saalfeld, 53) schon seit über 40 Jahren Unioner, arbeitet als Autor für Bühne, Funk und Fernsehen, war aber auch schon Journalist, Comedian, Veranstalter, Sänger. Verheiratet, drei erwachsene Ziehkinder.

4. Dezember 2021: Es wird noch spannender in diesem Jahr

Freude nach dem Abpfiff um Spieler Timo Baumgartl (r).
Freude nach dem Abpfiff um Spieler Timo Baumgartl (r).  © Andreas Gora/dpa

Icke: Alter Schwede, wie schön ist das denn! Ein Spiel zum mitfiebern, nicht unbedingt hochklassig, aber spannend und emotional ohne Ende. Ein Spiel, wo Du Deine Augen nicht eine Sekunde vom Spiel nimmst.

Und was für Chancen hatten wir denn noch? Unzählige, aber wir wollten den Deckel mit einem 3:1 nicht drauf machen, es sollte ja spannend bleiben 😉…

Das dickste Ding hatte gleich am Anfang Kruse, 5 Meter frei vor dem Tor und ohne Keeper, der in der anderen Ecke lag. Kann man da vorbeischießen? Ja, auch Max wollte Spannung…

Union Berlin gegen Leipzig: Nehmen die Eisernen die Champions League ins Visier?
1. FC Union Berlin Union Berlin gegen Leipzig: Nehmen die Eisernen die Champions League ins Visier?

Genauso wie Luthe, der sich sagte, einen lass ich mal rein…

Spaß beiseite, wir waren das bessere Team und verdient wäre ein 3:1 gewesen, aber wir nehmen auch den 2:1-Sieg und den – für heute – 4. Platz in der Tabelle, der eine Champions-League-Teilnahme bedeuten würde.

Und es wird noch spannender in diesem Jahr. Vier Spiele stehen noch an. Am Donnerstag, wo ein Sieg gegen Slavia gelingen muss, um in Europa eine Runde weiter zu kommen. Und noch 3 Bundesligaspiele … ein Heimspiel gegen Freiburg und je einmal auswärts in Fürth und Bochum. Wer verbietet uns eigentlich hier 4 Mal zu gewinnen? Keiner! Vom Papier her alles machbare Aufgaben. Natürlich sind wir nicht so blauäugig und nehmen das wirklich an, aber zwei Siege und zwei Unentschieden sind schon realistisch. Schon das wäre eine unglaubliche „Bombe“ und würde Herthas Angst vor uns im kommenden DFB-Pokalspiel (Januar) nur noch verstärken 😉 (ups der war gemein).

Vorige Saison waren sich alle Unioner (und auch alle anderen) einig, mehr als Platz 7, wie voriges Jahr erreicht - geht nicht. Ich wäre mir da jetzt nicht mehr sooo sicher. Lasst uns diese Saison so solide weiterspielen und wir klopfen automatisch ganz vorn an. Da können wir dann nix für 😉…

Eins kann ich Euch sagen, Unioner sein macht gerade Spaß ohne Ende 😊! EISERN!

4. Dezember 2021: Mentalität schlägt Geld

Timo Baumgartl (2.v.l) erzielt das Tor zum 2:1.
Timo Baumgartl (2.v.l) erzielt das Tor zum 2:1.  © Andreas Gora/dpa

Unionfux: Jaaaa! Na bitte!! Wer sagt’s denn!!! Das sind die Geschichten, die der Fußball (zum Glück noch und immer wieder) schreibt: Mentalität schlägt Geld, der 1. FC Union gewinnt gegen das Werbekonstrukt aus Leipzig, bei dem allein Nkunku und Silva zusammen einen höheren Marktwert aufweisen als unser gesamter Kader, auch wenn solche Zahlen ja mit Vorsicht zu genießen sind.

Zugegeben: Die Chancen standen im Vorfeld nicht schlecht, Leipzig steckt so ein bisschen in der Krise, aber das muss ja so ein Spiel nicht unbedingt leichter machen: angeschlagene Boxer und so weiter…

Doch unsere Mannschaft hat offensichtlich das schwache Spiel und die noch unglücklichere Niederlage in Frankfurt bestens verdaut - von der ersten Minute an sind wir da, bestens eingestellt, sowohl taktisch als auch mental, von Urs Fischer und nicht etwa übertrieben defensiv - so spielt Becker neben Awoniyi und Kruse. Und gleich die erste Chance bringt die Führung, kurze Ecke des starken Gießelmann auf Kruse, der auf Ryerson, dessen Flanke köpft Baumgartl in Richtung rechter Pfosten und Awoniyi setzt sich stark gegen seinen Gegenspieler durch und tritt den Ball über die Linie.

Kurz danach das eigentlich sichere 2:0: Knoche schickt Becker, dessen Hereingabe verpasst Awoniyi und Kruse setzt den Ball am langen Pfosten neben das Tor. Und während sich alle Unioner noch ärgern, kann Luthe einen Weitschuss von Nkunku nicht abwehren, über seine Hände geht der aufsetzende Ball etwas unglücklich ins Tor und jetzt haben wir erst recht den Ärger. Leipzig ist ab da etwas besser im Spiel, aber unsere Abwehr ist aufmerksam und unser Angriff macht zu wenig aus einigen Kontern, so geht es mit dem Unentschieden in die Pause.

In der zweiten Hälfte gelingt es uns ziemlich gut, den Gegner nicht ins Spiel kommen zu lassen - noch besser: wir gehen nach einer weiteren Gießelmann-Ecke wieder in Führung. Ecke flach auf Kruse, der feuert aufs Tor, sein Schuss wird abgefälscht, Gulasci ist dadurch aus dem Spiel, Baumgartl schaltet am schnellsten und schiebt den Ball ins leere Tor - ein Assist, ein Tor, so ein bisschen ist der Jungschauspieler (am vergangenen Donnerstag bei GZSZ) Timo Baumgartl der Matchwinner. Denn auch wenn Leipzig mehr Ballbesitz hat, viel fällt ihnen nicht ein, wirklich energisch sind sie nicht und unsere Abwehr ist wieder gewohnt konzentriert, die Ordnung geht zu keiner Zeit verloren - andererseits ist bei den Brausepauls auch so viel individuelle Klasse vorhanden, sodass praktisch jederzeit, auch aus dem Beinahe-Nichts, etwas passieren kann und wir haben zuletzt mehrfach schmerzlich erfahren müssen, dass ein Spiel noch in den letzten Minuten, ja, Sekunden noch aus der Hand rutschen kann, gerecht oder ungerecht.

Nur: was wir in den letzten gut zehn Minuten für ein Offensivfeuerwerk abbrennen (Fischer wechselt auch nicht defensiv ein, sondern positionsgetreu), das ist wirklich erstaunlich, ebenso erstaunlich ist allerdings, dass wir nicht das dritte Tor machen, sondern eher Gulasci berühmt schießen: Haraguchi, Behrens und Prömel haben gut rausgespielte Riesenchancen, aber der Deckel will einfach nicht drauf. Großartigerweise wird das jedoch nicht bestraft, obwohl auch Leipzig kurz vor Schluss noch eine erstklassige Tormöglichkeit durch den eingewechselten Brobbey haben, aber Gießelmann grätscht ihm geradezu genial im letzten Moment dazwischen. Und so gewinnen wir hochverdient mit einer großartigen kämpferischen, taktischen und auch spielerischen, aber vor allem geschlossenen Leistung gegen den absoluten Antagonisten, den Gegenentwurf aus Leipzig (und das um mindestens ein Tor zu niedrig!) - dieser Sieg bringt mehr als nur drei Punkte, denn gegen diesen Gegner gewinnen wir besonders gern. Wenn man sich noch an das erste Bundesligaspiel gegen Rasenballsport (sic!) erinnern, wie chancenlos wir da waren und wenn man das Spiel heute sieht - dann ist das, in jeder Hinsicht, ein gewaltiger Sprung nach vorn - und das ohne die schier endlosen Mittel, die der ziemlich ungenießbaren Limonade entspringen.

Das macht zu Recht stolz und ist eine großartige Genugtuung, für uns und ein wenig auch für den größten Rest der Liga. 13500 Zuschauer konnten in der Festung Alte Försterei dabei sein - es ist zu vermuten, dass es bis zum Frühjahr nicht mehr werden, sondern erheblich weniger, hoffentlich bleiben wir zumindest von Geisterspielen verschont, es wäre aus mehreren Blickwinkeln sehr zu hoffen...Doch jetzt sollten wir uns erstmal freuen über diesen hochverdienten Sieg in diesem speziellen Spiel! Und ab Montag konzentrieren wir uns auf das Endspiel am Donnerstag gegen Slavia Prag und auf das Spiel am Sonntag in Fürth: eisern Union!

3. Dezember 2021: Missbrauch unseres geliebten Fußballs

Präsident Dirk Zingler bei der gestrigen Mitgliederversammlung.
Präsident Dirk Zingler bei der gestrigen Mitgliederversammlung.  © Andreas Gora/dpa

Icke: Heute Abend ab 20.30 Uhr wollen wir die Brausefußballer verputzen. Neben dem Derby, eins der wichtigsten Spiele. Warum? Keine zweite Fußballmannschaft auf der Welt verkörpert den Missbrauch unseres geliebten Fußballs so wie der Ex-SSV Markranstädt. Man muss sich immer wieder mal ins Gedächtnis rufen, warum es diesen Verein überhaupt gibt? Um klebrige, ungesunde Brause zu verkaufen!

Gestern Abend war die digitale Jahres-Mitgliederversammlung bei Union. Fazit: WOW-Zahlen und kleinere Nebenkriegsschauplätze. Wirkliche Probleme haben wir mitnichten. Aber es wäre ja langweilig, hätte der eine oder andere nichts zu kritisieren. Aber ich darf berichten, nichts Wichtiges 😉! Wichtig hingegen waren die offerierten Zahlen. Union startet – trotz Corona – in das Jahr seiner ersten dreistelligen Millionenzahl. Das Budget liegt knapp über 96 Mio., könnte also, je nach Platzierungen (Bundesliga) und Weiterkommen (DFB-Pokal, Europa-Pokal) die 100 Millionen-€-Marke erreichen.

Corona hat uns 10 Mio. Verluste beschert. Der mehr als rasante Aufstieg von Union beeindruckt jetzt auch – hinterlegt mit Zahlen. Auf der Habenseite stehen Werte i.H.v. 250 Mio. Vereinsvermögen, realisiert oder als Option. Im Gegensatz dazu lesen sich Verbindlichkeiten von 30 Mio. sehr sauber. Bis 2025 sind weitere Investitionen – mit einem Gesamtvolumen von 100 Millionen geplant. Dazu gehören das neue Nachwuchs-Zentrum, der Stadionausbau und ein neues Trainings-Zentrum hinter der Alten Försterei. Und Zingler wäre nicht Zingler, würde er keinen Seitenhieb raushauen. Als er die neue Mitgliederzahl von 40.500 verlas, vergaß er nicht anzumerken, dass die freiwillig kamen, sprich völlig ohne Werbung 😉 …

Aber Schluss mit dem – wenn auch schönen – Zahlensalat. Ins berlinerische übersetzt, heißt das alte Preißler-Zitat: „Wichtich is heute uffn Platz“ … EISERN!

2. Dezember 2021: Ein Bundesligaduell wie kein anderes

Max Kruse (2.v.l.) köpfte den 1. FC Union Berlin im Mai 2021 gegen RB Leipzig in die Europa Conference League.
Max Kruse (2.v.l.) köpfte den 1. FC Union Berlin im Mai 2021 gegen RB Leipzig in die Europa Conference League.  © John Macdougall/AFP-Pool/dpa

Unionfux: Es gibt zwei Bundesligaduelle mit gewissen Untertönen - das Stadtduell gegen Hertha und eigentlich noch mehr das Spiel gegen das Konstrukt, diese Werbeaktion für österreichische Limonade aus Leipzig, diesem Verein, der wie ein beinahe kompletter Gegenentwurf zum 1. FC Union ist. Und „beinahe" nur, weil hier wie da Fussball gespielt wird, in derselben Spielklasse - Ende der Gemeinsamkeiten.

Gegen Rasenballsport, auch der Begriff ist ein albernes Konstrukt, dieses Wort hat es zuvor in der deutschen Sprache nicht gegeben, zu siegen, ist Ehrensache, da geht es nicht nur um drei Punkte, da geht es ums Prinzip. Dass wir in der letzten Minute der vergangenen Spielzeit ausgerechnet gegen den ehemaligen SSV Markranstädt gewannen und uns so für Europa qualifizierten, das war eine der größten Kirschen auf der Torte der Vereinsgeschichte - sowohl das Was als eben auch das Wie.

Es ist nun mal ein Bundesligaduell wie kein anderes, andererseits sollten wir nicht vergessen, dass es auch nur ein Punktspiel der Fussball-Bundesliga ist und uns, bei aller Abneigung, die Hysterie weitgehend ersparen, das lenkt nur vom Wesentlichen ab und misst dem Gebilde RB auch zu viel Bedeutung zu...

Hoffentlich können noch die 13.500 Zuschauer dabei sein, in absehbarer Zeit sind wohl nur 5000 bzw. 6600 Zuschauer gestattet, 2G hin oder her - wenn nicht gar Geisterspiele angeordnet werden, wenigstens kennen wir uns damit aus…

Dass das Weihnachtssingen abermals abgesagt werden musste, hat wohl keinen ernsthaft verwundert, es hatte sich mehr als angedeutet, frustrierend ist es natürlich trotzdem. Ich bin mir sicher, dass wir so einen Auftritt wie in Frankfurt, der der fehlenden Kraft geschuldet war, die Reise nach Haifa war wohl, auch aufgrund der unterschiedlichen klimatischen Bedingungen, anstrengender als erhofft, nicht mehr sehen werden.

Unser Spiel ist eben sehr kräftezehrend, sehr physisch, mit hohem Laufaufwand, da muss man eigentlich 110% fit sein und bei der Eintracht waren wir höchstens bei 85% - beinahe wär’s ja sogar gut gegangen. Am Freitag dürfte der Akku wieder voll sein, gut so.

Die Brausetruppe ist momentan nicht gerade in bester Verfassung, zuletzt hat man zweimal am Stück verloren, es gibt Unruhe wegen mehrerer Coronafälle und auswärts sind sie in dieser Saison noch ohne Sieg. Trifft sich bestens, denn zu Hause sind wir nach wie vor eine Macht und die Mannschaft wird sich die ärgerliche Last-Minute-Niederlage von der Seele spielen wollen, dazu sind alle Spieler an Deck, auch Kevin Behrens ist wieder dabei.

Es wird nichtsdestotrotz kein einfaches Spiel, die individuelle Klasse von RB ist unbestritten hoch - Urs Fischer wird alles tun, um die Geschwindigkeit des Gegners rauszunehmen, mit Fünferkette und auf Konter lauernd. Gießelmann dürfte Oczipka wieder ersetzen, allzu viele Überraschungen dürfte es in unserer Aufstellung eher nicht geben. Die drei Punkte müssen und werden in der Alten Försterei bleiben, der Klassenkampf - besser gesagt. der Konzeptekampf wird für uns entschieden.

Genießen wir nochmal ein zwei-Drittel-volles Stadion, das so laut sein wird wie ein knallvolles und freuen wir uns auf dieses spezielle Duell am Freitagabend unter Flutlicht - die Spannung steigt stündlich: eisern Union!

30. November 2021: Schlechtes Essen und miese Betreuung?

Frankfurts Goncalo Paciencia (o) und Unions Marvin Friedrich kämpfen um den Ball.
Frankfurts Goncalo Paciencia (o) und Unions Marvin Friedrich kämpfen um den Ball.  © Arne Dedert/dpa

Icke: So wie die Hessen sich in der 95. Minute vorn reinstellten, war das Kopfballtor nicht mehr zu verhindern. Also lag der Fehler Sekunden davor. Da müssen sich unsere „Latten“ in das Zentrum stellen und mit allen Mitteln (und dass meine ich wörtlich) verhindern, dass da einer hochspringt.

Wer selber mal gekickt hat, weiß um die vielen Möglichkeiten, das zu verhindern. Und wenn es dann einen Elfer gibt, kann man den zur Not noch halten. So aber war das Tor nicht mehr zu verteidigen. Und natürlich auch gut gemacht, selbstredend hat Frankfurt über 90 Minuten auch verdient gewonnen. Das ist aber auch gar nicht schlimm, keiner rechnet damit, ab sofort alle Spiele zu gewinnen. Nur der Zeitpunkt, sprich 5 Minuten nach dem regulären Spielende, der ärgert mich …

Ansonsten war es unverkennbar, dass wir weder körperlich, noch geistig bei 100% waren, die erste kleine Rache der Dreifachbelastung.

Und das nächste Heimspiel wird nicht leichter. Die BSG Rasenballsport darf unser heiliges Wohnzimmer ausnahmsweise betreten. Die sind derzeit eine Wundertüte. Mal Welt- mal Kreisklasse. Insgesamt muss man aber zugeben, sie haben den um Längen besseren Kader, als auch Einzelspieler. Viel hängt wieder von unserer Doppelspitze ab. Sind Kruse + Awoniyi gut drauf, können wir jeden Gegner schlagen!

Meinhard Uentz, eine Legende bei uns, ist mit 83 Jahren gestorben. Ein richtiger Unioner, Pokalsieger, Leader, Vorbild und ein verdammt torgefährlicher Spieler. Ich sah ihn ein paar Mal spielen, als er zwischen 76 und 80 in der 2. Liga seine Karriere ausklingen ließ. War Uentz gut drauf, gewann KWO meistens!

Bei Union herrscht nun schon jahrelang Ruhe im Verein. Auch sportlich liegen wir seit langer Zeit über allen Erwartungen. Neue Mitglieder belagern uns wie verrückt. Wer hätte gedacht, dass wir mal 40.000 werden. Am meisten ärgert aber unsere Gegner wohl, dass wir auch finanziell jedes Jahr eine kleine Treppe hochsteigen. Oskars Regel Nr. 1 … seit vielen Jahren … ist die Profi-Lizenz ohne Auflagen zu bekommen. Das macht er stoisch und routiniert, Jahr für Jahr.

Und so viele Vereine, die diese Bilanz vorweisen können, gibt’s da mal gar nicht! Umso schlimmer sind die Neider und Hasser zu ertragen. Und leider reihen sich hier auch Verlage und Journalisten mit ein, die wieder besseren Wissen – miese Verleumdungsspiele – zumindest mittragen. Wie anders ist es zu erklären, dass sich vor Monaten angebliche Eltern von Nachwuchs-Kickern (teils anonym) bei halbseidenen Journalisten melden und behaupten, bei Union werden Talente - nach Herkunft und Rasse behandelt. Welch ein grober Unfug, zumal Union gerade die größte Summe der Vereinsgeschichte für Taiwo bezahlte, den wir unbedingt haben wollten!

Leider Gottes schreiben dann immer zehn weitere Faule vom Denunzianten ab. Wie gerade wieder geschehen. Das mit der Rassentrennung ist natürlich ohne jegliche Beweise ins Leere gelaufen, jetzt starten wahrscheinlich die gleichen Leute - eine in Nuancen geänderte Aktion. Diesmal sind Betreuung und Essen für die Nachwuchsfußballer bei Union schlecht. Natürlich werden den Behauptungen wieder keine Beweise beigelegt. Getreu der Maxime, irgendetwas bleibt schon hängen. Zumal das in unserer heutigen Zeit sowieso keiner glaubt.

Und wer die Leute bei Union kennt, so wie ich es teilweise behaupten darf, der glaubt das erst recht nicht. Meine Hand dafür ins Feuer! Dieses (teilweise auch von Journalisten und Verlagen unterstützte) Denunziantentum, gepaart mit Neid, Hass und Dummheit … ist eine Plage unserer Zeit …

Auf einen Sieg gegen die Rasenballer! Eisern!

28. November 2021: Der Albtraum eines Fans

Jubel nach dem 2:1 für Frankfurt. Cheftrainer Oliver Glasner (2.v.l.) läuft nach dem Tor zum 2:1 zu seinen Spielern.
Jubel nach dem 2:1 für Frankfurt. Cheftrainer Oliver Glasner (2.v.l.) läuft nach dem Tor zum 2:1 zu seinen Spielern.  © Arne Dedert/dpa

Unionfux: Ja, das ist natürlich der Albtraum eines Fans, wenn die eigene Mannschaft den Punkt buchstäblich in den Schlusssekunden noch aus der Hand gibt…

Meinetwegen ist der Sieg für Frankfurt auch verdient, das war sicherlich die schwächste Saisonleistung Unions, müde, uninspiriert, für unsere Verhältnisse relativ unordentlich, die erste Halbzeit war der Gegner drückend überlegen, wir waren mit dem 0:1 zur Pause insgesamt gut bedient.

In der zweiten Hälfte war der Druck nicht mehr ganz so hoch, uns gelingt der Ausgleich durch Kruse per Elfmeter, nach Foul an Awoniyi, die Mannschaft kämpferisch fraglos gut, aber zu oft einen Schritt zu spät, zu ungenau, zu fahrig. Nach vorne geht das ganze Spiel über ohnehin sehr wenig, so verteidigt man im Dauermodus und lässt ziemlich wenig zu, aber es ist gewiss kein Zufall, dass ausgerechnet Kostic kurz vor Ultimo nochmal unbedrängt flanken und der Frankfurter Verteidiger ebenfalls ziemlich unbedrängt und unhaltbar einköpfen kann, da war die Ordnung ziemlich zum Teufel und das wurde, wie in Stuttgart, bestraft - das war der dritte Punkt, der in der Nachspielzeit verschwindet, verdammt schade drum. Gut, das war die beste Saisonleistung der Eintracht (ausgerechnet) und schon der x-te Eintracht-Treffer in jüngster Zeit in der Nachspielzeit, aber das kann wohl kaum trösten.

Nun hat sie uns wohl doch erwischt, die Europacup-Müdigkeit, da fehlen die paar entscheidenden Prozente Konzentration und Entschlossenheit. Und unser Spiel braucht eben genau das, schon mit etwas zu wenig Kraft funktioniert der Motor offensichtlich nicht mehr ausreichend und die Aussetzer häufen sich.

Dem wollte Urs Fischer durch Rotation entgegenwirken, so kam Oczipka zu seinem ersten Startelfeinsatz in der Bundesliga - allein, es half wenig. Sicherlich ist das verständlich, sicherlich kann nicht jedes Spiel optimal sein, aber hoffentlich fängt sich die Mannschaft rechtzeitig, noch sind vier (mit Europacup fünf) Spiele zu absolvieren - durchschnaufen bis Freitag, Kräfte sammeln, regenerieren und dann wieder da sein, in bewährter Frische - damit uns, wenigstens bis Weihnachten, der Albtraum eines Fans erspart bleibt…

27. November 2021: Frankfurt, wir kommen!

Jubel nach dem Sieg gegen Maccabi Haifa.
Jubel nach dem Sieg gegen Maccabi Haifa.  © Matthias Koch/dpa

Unionfux: So, die ersten beiden Aufgaben sind geschafft, die vorläufige Stadtmeisterschaft und das ebenfalls vorläufige Europacup-Endspiel, von souverän bis naja, aber ohne Gegentreffer immerhin und weitgehend ungefährdet. Sonntag spielen wir bei der Eintracht in Frankfurt, wohin man ja gleich aus Haifa hingeflogen ist, kein unnötiges Hin und Her - Union is busy…

Und da sollten wir den Rückenwind des Erfolges mitnehmen, allerdings könnte die Leistung vom Donnerstag da eher nicht ausreichen, aber wir hatten ja in dieser Saison ohnehin immer eine gewisse Diskrepanz zwischen der Bundesliga und der Conference League - zugunsten der Meisterschaft und das ist auch gut so, umgekehrt wäre wesentlich problematischer.

Bis auf Behrens werden alle Spieler zur Verfügung stehen, keine schlechte Voraussetzung. Wir sind schon ein wenig der Favorit, das ist man nun mal auf Platz fünf, außerdem gab es erst eine Auswärtsniederlage (in Dortmund) - und die Frankfurter sind zu Hause noch sieglos. Unsere Bundesligabilanz in Frankfurt ist bis jetzt gemischt: ein Sieg, eine Niederlage.

Natürlich ist das alles ein bisschen lesen im Kaffeesatz, ganz so einfach lässt sich Fußball, Gottseidank, nicht ausrechnen. Es ist wie immer: Es wird um Kleinigkeiten gehen, um Tagesform, etwas Matchglück…

Ich finde ja, Kruse hinkt noch immer ein wenig seiner Vorjahresform hinterher, da wäre doch Sonntag ein hervorragender Zeitpunkt, zwei Tore zu machen, das hat er ja dort auch schon mal hingekriegt. Awoniyi ist immer für ein Tor gut, langsam könnte unsere Innenverteidigung mal treffen, das Mittelfeld sowieso.

Hinten sollte ohnehin die Null stehen - und schon sind drei weitere Auswärtspunkte im Sack. Ist das zu viel verlangt? Vielleicht. Nur, egal, wie sehr man auf dem Boden der vermeintlichen Tatsachen bleiben will, die Anspruchshaltung ist nun mal gestiegen, und zwar in atemberaubender Geschwindigkeit. Nach so vielen Jahren der Übersichtlichkeit haben wir uns das aber auch verdient, oder?

Also, ich werde morgen gespannt, aber durchaus selbstbewusst vorm Fernseher sitzen: wir halten doch schon ein paar Trümpfe in der Hand. Mal sehen, wie wir sie ausspielen...

25. November 2021: Da ist das Endspiel gegen Prag!

Jubel vor den mitgereisten Fans.
Jubel vor den mitgereisten Fans.  © Ariel Schalit/AP/dpa

Unionfux: Das war ein Spiel der Sorte: Gewonnen! Wie, interessiert hinterher keinen mehr… Und das zu Recht.

Allzuviel gibt es über das Spiel nicht zu sagen. Der immerhin schöne Kopfballtreffer von Ryerson war der erste Schuss auf das Tor von Haifa - und das nach 65 Minuten. Mindestens die Hälfte des goldenen Tors gehören Sheraldo Becker, der konsequent nachsetzte und seine butterweiche Flanke von der Grundlinie nutzte unser Norweger mit einem prima Standkopfball, unhaltbar und genau ins Eck.

Bis zum Schluss kommt noch ein guter Schuss von Becker dazu, bei dem sich der Schlussmann der Israelis strecken muss, das war’s. Ansonsten gab es viel Kampf, aber auch viel Krampf, denn viel gelang, wie gesagt, nicht - glücklicherweise auf beiden Seiten. Fehlpässe in und am Unionstrafraum konnte Haifa nicht nutzen, eigentlich konnte sich Rönnow nur einmal auszeichnen: in der Nachspielzeit lenkte er einen direkten Freistoß vom rechten Strafraumeck über den Kasten. Und Puchacz konnte zwar ein einige Male von außen flanken, aber gefährlich wurde es dabei kaum.

Gut neunzig Minuten zwei weitgehend ungefährlichen Mannschaften mit jeder Menge Stockfehlern zuzusehen war eigentlich nur wegen des Sieges erträglich - und on top schaffte das dezimierte Feyenoord noch in letzter Sekunde den Ausgleich in Prag. Wenigstens dazu waren die unsympathischen Holländer gut... Denn das ist im Grunde optimal, so reicht ein „einfacher" Sieg am 9. Dezember im Olympiastadion gegen Slavia - und das erhöht unsere Chancen doch beträchtlich. Andererseits hätten wir nämlich mindestens mit zwei Toren Unterschied gewinnen müssen, unbestritten wäre das schon eine Stufe schwieriger.

So gibt es das Endspiel ohne Wenn und Aber, ohne Rumrechnerei, und das ist machbar. Keine Frage, wenn wir Slavia Prag in zwei Wochen nicht schlagen können, dann hätten wir das Weiterkommen eben nicht verdient.

Wie soll man das Spiel heute sehen? Es war schon ein wenig ernüchternd, wie übersichtlich gegen einen ebenfalls übersichtlichen Gegner auftraten - andererseits reichte es doch aus und das ist letztlich entscheidend. Weder Rotterdam noch Prag konnten in Haifa ein Tor erzielen, wir schon - und das gnadenlos effektiv. Und man hatte zu keiner Zeit das Gefühl, dass wir das Spiel verlieren könnten.

Last but not least war der Sieg eine halbe Million wert. Gegen Prag werden wir jedoch eine andere Leistung abrufen müssen, aber ich bin da ganz optimistisch. Also: Haken dran, Auftrag erfüllt, Blick nach vorn. Jetzt geht erstmal in der Bundesliga weiter, am Sonntag in Frankfurt, die zum Glück heute auch spielen mussten und in letzter Sekunde ein Unentschieden gegen Royal Antwerpen retten konnten. Da geht was!

25. November 2021: „Siegen oder fliegen“

Icke: „Siegen oder fliegen“ ist die Devise heute um 18.45 Uhr in Israel. Ein weiteres Stück zum Abenteuer der neuen Euro-Liga. Gewinnen wir heute, so haben wir im letzten Spiel zu Hause gegen Slavia Prag noch die Chance auf ein Weiterkommen. Aber wohl auch nur, wenn Awoniyi heute aufhört gelbe Kartons zu sammeln. Noch eine Gelbe und er muss gegen Prag zuschauen. Ihn und Kruse können wir nicht gleichwertig ersetzen.

Strenge Sitten haben die Israelis, keine Kippen und kein Bier, das würde in Deutschland zur Halbierung der Zuschauerzahlen führen. Man darf aber vermuten, dass der mitgereiste Union-Mob das Spiel in Israel zu einem Heimspiel für Union macht. In Sachen Fußball-Stimmung ist Köpenick den Israelis um einiges voraus. Aber Vorsicht, Rotterdam und Slavia hatten beide große Schwierigkeiten in Haifa. Sollten die Berliner aber so wie zuletzt gegen Hertha auftrumpfen, haben sie gute Chancen die 3 Punkte mit zu nehmen.

Wer das Spiel anschauen möchte, muss 5 € für ein 4-Wochen-Abo bei RTL+ investieren. Eisernes Daumendrücken!

23. November 2021: Demütig ausflippen - geht das?

Das Hinspiel gegen Maccabi Haifa ging 3:0 für Union Berlin aus.
Das Hinspiel gegen Maccabi Haifa ging 3:0 für Union Berlin aus.  © dpa/Andreas Gora

Unionfux: Weiter geht die wilde Fahrt: kurz mal nach Haifa, 4000 km hin, 4000 km zurück, dann nach Frankfurt zur Eintracht. Das Europacupspiel in Israel ist die allerletzte Chance, im internationalen Geschäft noch was zu reißen, ein Sieg bei Maccabi nicht unmöglich, man sollte sich aber nicht vom klaren Hinspielergebnis täuschen lassen.

Weder Feyenoord noch Slavia konnten dort einen Treffer erzielen: Rotterdam spielte Unentschieden, Prag verlor. Das wird ein harter Brocken, ganz abgesehen von den Reisestrapazen. Mal sehen, inwieweit Urs Fischer rotieren lässt, der Käpt’n hat jedenfalls aufgrund der Gelb-Roten aus dem letzten Heimspiel Pause, das ist in Ordnung, die kann er brauchen und Cedric Teuchert muss auch passen aufgrund seines Platzverweises gegen die Holländer.

Dazu kommt höchstwahrscheinlich noch Kevin Behrens, der frühestens für Sonntag ein Thema sein dürfte. Ich finde, Frederik Rönnow hätte ein Spiel verdient (ich sehe ihn, bei aller Sympathie für Luthe, gleichauf), Puchacz ebenso und auch Sheraldo Becker sollte in der Startelf stehen.

Nichtsdestotrotz bin ich relativ gelassen, denn eigentlich haben wir nichts zu verlieren: drei Punkte sind Pflicht, ansonsten wird das letzte Spiel gegen Slavia im Olympiastadion nur noch ein Spiel um ne halbe Million Euro Siegprämie. Ich tippe, natürlich, auf Sieg - was auch sonst? Aber für eine echte Prognose fehlt mir, immer noch, der Einblick in den israelischen Fußball.

Maccabi hat zuletzt zu Hause 4:0 gewonnen, gegen, wer kennt sie nicht, Hapoel Ironi Kiryat Shmona, derzeit Tabellenletzter, während Haifa Zweiter ist. Was sagt uns das, außer Schulterzucken? Also, lassen wir uns überraschen, Teil 2: auf nach Haifa, weit weit weg, wenigstens herrschen mit 21 Grad angenehme Temperaturen, ein Abenteuer ist es, zumal in diesen verrückten Zeiten, allemal…

Ja, und Frankfurt? Die kommen leider so langsam aus dem Knick, haben zu Hause aber noch nicht gewonnen. Kurzerhand: da nehmen wir was mit, auch mit unserer Reise in den Nahen Osten in den Knochen, wir sind stabil, gut drauf, wir müssen eigentlich niemanden in der Liga fürchten, mal abgesehen von den Bayern in guter Form (denn in der Augsburg-Verfassung hätten wir die wohl auch geschlagen…), und die haben wir fürs Erste hinter uns. Selbstbewusst und eingespielt, jeder Spieler hat die Urs-Fischer-Taktiken verinnerlicht, an Gegentore durch grobe bzw. nicht nachvollziehbare Abwehrfehler kann ich mich kaum erinnern. Wir schießen zwar selten mehr als zwei Tore (in Punktspielen bisher noch gar nicht), aber die reichen zumeist. Und trotzdem könnten sich ja noch so einige Spieler steigern, da ist noch Luft nach oben und da gebe ich die Hoffnung nicht auf.

Bestes Beispiel ist da ja der unglaubliche Niko Gießelmann: letzte Spielzeit eigentlich bedeutungslos, diese Saison in den ersten zwölf Punktspielen drei Tore und vier Assists - wer das hat kommen sehen, Hand hoch! Ja, und dass wir aus der derzeitigen Sicht noch besser werden können: was für ein Gefühl!! Also was nun: Demut oder ausflippen, fordernd oder dankbar? Demütig ausflippen, geht das? Ich weiß (noch) nicht, aber eins weiß ich: Urs Fischer jedenfalls würde das gefallen.

Titelfoto: Andreas Gora/dpa

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