Union-Paukenschlag: Wann Baumgart von seiner Entlassung erfuhr
Berlin - Diese Trainerentlassung ist jetzt schon einzigartig. Kurz vor Mitternacht gab Union Berlin Samstagabend die Trennung von Steffen Baumgart (54) bekannt - nur wenige Stunden nach dem 1:3 in Heidenheim. Als hätten es die Eisernen kaum erwarten können.
Schon direkt nach Schlusspfiff herrschte Redebedarf. Baumgart beorderte seine Mannschaft nach der desolaten Leistung in die Kabine. Auch die Union-Verantwortlichen um Präsident Dirk Zingler (61), Manager Horst Heldt (56) und Kommunikationschef Christian Arbeit (52) berieten sich noch im Stadion.
Vom Aus aber erfuhr Baumgart, der auf der Pressekonferenz noch davon sprach für die schlechte Rückrunde verantwortlich zu sein, erst in Berlin - nach der Landung. Laut Bild sollte der Übungsleiter noch einmal zur Geschäftsstelle gebeten worden sein, während die Union-Stars von der Alten Försterei aus nach Hause fuhren.
Er soll Bild zufolge die Trennung gefasst aufgenommen haben. Knapp eine Viertelstunde vor Mitternacht ging Union dann auch schon an die Öffentlichkeit.
Dabei stand der Kultklub aus der Hauptstadt in dieser Saison nicht ein einziges Mal auf einem Abstiegsplatz, hat als Zehnter komfortable sieben Punkte Vorsprung auf den Relegationsrang. Für das ausgerufene und oft betonte Saisonziel Klassenerhalt dürfte bei noch fünf Spielen nur noch ein Sieg fehlen. Durchaus machbar.
Union Berlin ließ sich nicht vom Tabellenstand blenden
Zur Wahrheit gehört aber auch: Union lebt sowohl von der schwachen Konkurrenz, als auch vom Punktepolster aus der Hinrunde. Im neuen Jahr konnten die Eisernen erst zweimal gewinnen und sind die drittschlechteste Mannschaft der Rückserie.
"Wir spielen bisher eine absolut enttäuschende Rückrunde und lassen uns vom Tabellenstand nicht blenden: Unsere Lage ist nach wie vor bedrohlich und wir benötigen dringend Punkte, um den Ligaverbleib zu sichern", erklärte Heldt laut Mitteilung.
Kurios: Im Januar hatte Union den Vertrag mit Baumgart noch verlängert. Der ehemalige Union-Spieler hatte seinen Herzensverein erst im Januar 2025 übernommen und anschließend souverän zum Klassenerhalt geführt. Das wird ihm nun aber offenbar nicht mehr zugetraut. Jetzt soll Marie-Louise Eta (34) als erste Cheftrainerin in der Bundesliga die restlichen Punkte holen.
Sie ist nach dem Aus von Urs Fischer (60) in Köpenick nun schon der fünfte Trainer in zweieinhalb Jahren. Selbst Stadtrivale Hertha BSC kam in dieser Zeit mit "nur" drei Cheftrainern aus.
Titelfoto: Silas Stein/dpa

