Euphorieschub mit Folgen: Bayern-Ultras trampeln Fotograf bewusstlos

München - Für den FC Bayern München wurde das Rückspiel in der Champions League gegen Real Madrid am Mittwochabend sportlich zum vollen Erfolg. Abseits des Rampenlichts spielten sich jedoch heftige Szenen ab: Zwei Fotografen wurden im Umfeld der Partie von Ultras verletzt.

Die Fans FC Bayern waren bei den Treffern kaum zu halten.  © Karl-Josef Hildenbrand/AFP

Schon kurz vor dem Abpfiff kam es in der Allianz Arena zu ersten unschönen Szenen: Zahlreiche Fans aus der Südkurve verschafften sich unerlaubt Zugang zum Innenraum, berichtet "Bild".

Als der FC Bayern in der Nachspielzeit den umjubelten Siegtreffer erzielte, brachen alle Dämme. Hunderte Anhänger stürmten an die LED-Werbebanden, um gemeinsam mit den Spielern zu feiern.

Die Euphorie geriet jedoch außer Kontrolle: Mehrere Fotografen, die direkt am Spielfeldrand positioniert waren, wurden von der Menge erfasst und teils zu Boden gedrückt. Aus dem ausgelassenen Jubel wurde so binnen Sekunden ein gefährliches Gedränge mit Verletzten.

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Mitten im Chaos traf es auch Star-Fotograf Kai Oliver Pfaffenbach von Reuters besonders schwer: Der Journalist geriet ungewollt in den Tumult und verlor dabei sogar das Bewusstsein.

Er musste anschließend von Einsatzkräften des Bayerischen Roten Kreuz medizinisch versorgt werden. Neben Pfaffenbach wurde auch eine weitere Fotografin verletzt – sie erlitt eine Platzwunde am Kopf.

Auf seinem Instagram-Account machte er den Vorfall später selbst publik. Dort veröffentlichte er sein Patientenprotokoll, in dem festgehalten ist: "Überrannt von Fans an der Südkurve, bewusstlos am Boden liegend."

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Auf Instagram sprach der Journalist über den Moment in der Allianz Arena.  © Screenshot/Instagram/Kai_pfaffenbach

Kollege musste alles mit ansehen: "Situation hätte verhindert werden müssen"

Auf Nachfrage von "Bild" äußerte sich Pfaffenbach zu dem Vorfall: "Nach dem vierten Tor brachen alle Dämme. Dann war ich bewusstlos und habe nichts mehr mitbekommen. Erst als alles vorbei und der Platz leer war, bin ich wieder zu mir gekommen. Ich habe Prellungen und Schmerzen. Den Zustand meiner Foto-Ausrüstung konnte ich auf Schäden noch nicht überprüfen."

Kollege Ulrich Wagner musste den unschönen Vorfall aus wenigen Metern Entfernung beobachten: "Diese Situation hätte verhindert werden müssen. Die Fans saßen schon mehrere Minuten auf dem Zaun, bevor sie in den Innenraum gestürmt sind. Trotzdem wurde nichts dagegen unternommen. Wir können von Glück reden, dass nicht mehr passiert ist."

Klar ist: Der Innenraum eines Stadions ist für Unbefugte tabu, die Verantwortung tragen Veranstalter und Betreiber. Am Mittwochabend konnte das Sicherheitspersonal in der Allianz Arena die Ultras jedoch nicht am Eindringen hindern. Nach Informationen gab es bereits einen Austausch zwischen dem FC Bayern und den Ultras. Diese sollen die versehentlichen Verletzungen der Fotografen bedauert und sich entschuldigt haben.

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