Aues Horror-Bilanz setzt neue Maßstäbe: Folgen im Schacht Konsequenzen?
Aue-Bad Schlema - Erleben wir gegenwärtig den schlechtesten FC Erzgebirge Aue aller Zeiten? Zugegeben, eine polemische Frage, direkt im Anschluss an den katastrophalen Auftritt beim 3:5 gegen die Zweite der TSG Hoffenheim, aber eine, die sich gegenwärtig vor allem viele Fans stellen. Zumal die Zahlen für sich sprechen und die sind mittlerweile historisch schlecht. Sieben verlorene Spiele in Serie hatte der Schacht nach der Wende im Profifußball noch nicht hingelegt!
Selbst in der 2. Bundesliga nicht, wo man noch mehr der kleine Fisch im Haifischbecken war, als es in der 3. Liga der Fall ist. Der Trainerwechsel von Jens Härtel (56) zu Christoph Dabrowski (47) erwies sich als völliger Flop - wenngleich dieser keine Winter-Verstärkungen erhielt.
Waren die Veilchen unter Härtel noch in Schlagdistanz zu den Nichtabstiegsplätzen, hat sich dies aufgrund Dabrowskis desaströser Bilanz von zwei Zählern aus neun Spielen (Punkteschnitt pro Spiel: 0,22) grundlegend geändert.
Ein Blick in die Statistiken bei Transfermarkt.de offenbart, dass nur einmal in der 3. Liga der Trainereffekt gleich mies war, und zwar in Jena unter Kenny Verhoene der mit Carl Zeiss in der Rückrunde 2020 in seinen ersten neun Spielen ebenfalls nur magere zwei Punkte holte.
Muss sich Dabrowski allein daran abrechnen lassen? "Ich habe keine Erklärung für die Entstehung der Gegentore. Was da in den Köpfen der Spieler vorgeht, kann ich mir aktuell nicht erklären. Da müssen sie die Spieler selbst fragen", erklärte der 47-Jährige nach dem 3:5.
Intern muss er diese Frage einem Tristan Zobel (22) oder Eric Uhlmann (23) natürlich selbst stellen.
Vorstand hat sich angreifbar gemacht
Der Zug "Klassenerhalt" ist fast abgefahren, doch mit dem Sachsenpokal hat Aue noch ein ganz großes Ziel vor Augen. Da kann der Schacht nur diejenigen gebrauchen, die willens und in der Lage sind, alles auf den Platz zu bringen und sich nicht vorführen und abschlachten lassen, wie Karsamstag in der ersten Halbzeit. Wer ständig mit haarsträubenden Fehlern glänzt, ist da fehl am Platz, sonst hagelt es im Halbfinale beim Chemnitzer FC eine Niederlage.
"Das hat nichts mit Verteidigen zu tun und auch nicht mit Drittligafußball", hatte Torjäger Marcel Bär moniert. Beim 33-Jährigen kann sich ein jeder Mitspieler eine Scheibe abschneiden.
Wie sich der Rest verhält, muss Sportchef Michael Tarnat (56) genau im Blick haben und gleichzeitig hinterfragen, ob der von ihm im Februar verpflichtete Dabrowski der Richtige ist. Das ist das Geschäft. Denn setzt sich dessen Bilanz fort, wächst auch der Druck auf Tarnat.
All das zusammen kommt wie ein Bumerang auf den Vorstand zurück. Der hat sich, Stand jetzt, mit seinen Personalentscheidungen und der Entwicklung, die der Kumpelverein nimmt, angreifbar gemacht. Dazu die, wie sich herausstellt, völlig verfehlte Kaderplanung von Ex-Sportchef Matthias Heidrich, die von den Gremien anstandslos durchgewunken wurde.
Dazu haben sich die Klubbosse mit ihrem forsch formulierten Etatziel von zehn Millionen Euro (gilt für den Gesamtverein) ohne Not ein Ei gelegt. Nach TAG24-Infos kam dieses Vorpreschen bei einigen Sponsoren nicht gut an und auch in den Gremien wurde dies vereinzelt als zu forsches Vorgehen gewertet.
Obwohl gegenwärtig nichts auf eine außerordentliche Mitgliederversammlung hindeutet, täte der Vorstand gut daran, sich vor weiteren Entscheidungen von Tragweite ein Stimmungsbild bei den Mitgliedern abzuholen - spätestens allerdings bei feststehendem Abstieg. Die Stimmen in den sozialen Medien werden unüberhörbar lauter.
Einfach weiter so führt den Schacht nur noch tiefer in die Versenkung. Und an der Ansage vor dreieinhalb Jahren, alles besser zu machen als die Vorgänger, muss man sich messen lassen.
Titelfoto: Picture Point/Gabor Krieg

