Enochs kommt nach Aue: "Das Letzte, was sie brauchen, ist das Mitleid anderer"
Aue/Osnabrück - Wer die lila-weiße Brille aufsetzt, sieht entweder eine Mannschaft, die den Klassenerhalt packt oder eine, die am Saisonende in die 2. Bundesliga aufsteigt. Ersteres betrifft die Fans von Erzgebirge Aue, zweiteres die des VfL Osnabrück. Einer, der beide Gefühlswelten nur allzu gut nachvollziehen kann, ist Osnabrücks Sportchef Joe Enochs (54). Er ist Abstiegskampf-Spezialist und Aufstiegsmacher. Am Samstag kommt er mit den Niedersachsen ins Erzgebirge.
Den FSV Zwickau hielt er trotz einem der geringsten Drittligaetats viermal in Folge in der 3. Liga. Jahn Regensburg führte er 2023/24 zum direkten Wiederaufstieg in die 2. Liga. Selbiges Ziel hat jüngst VfL-Coach Timo Schultz (48) ausgerufen.
"Du kennst mich, ich gehe mit solchen Themen eher defensiver um. Aber ich fand die Aussage erfrischend", sagte Enochs im TAG24-Gespräch. Der Autor des Textes und der 54-jährige US-Amerikaner kennen sich seit vielen Jahren.
Enochs ist einer, der die Region auch nach seiner Zeit bei Aues größtem Rivalen, FSV Zwickau (2018–2023), stets verfolgt hat und mit großem Respekt auf den Kumpelverein schaut.
"Ich schaue immer, was in der Region passiert, verfolge dadurch auch, was in Aue abläuft. Dazu habe ich vor zwei Wochen auf der Manager-Tagung mit Matthias Heidrich (48, bis Anfang Dezember Aues Sportchef, Anm. d. Red.) gesprochen. Ich weiß, dass sich der Verein in keiner einfachen Situation befindet und wie die Leute leiden. Allerdings das Letzte, was sie brauchen, ist das Mitleid anderer. Abstiegskampf ist einfach brutal. Da zählen nur Ergebnisse", sagte Enochs.
VfL-Sportchef Joe Enochs: "Wir wissen, was für eine Qualität Aue hat"
Das sind Sätze, die sie im Lößnitztal aber zu 100 Prozent unterschreiben werden. Von Mitleid allein hält niemand die Klasse, sondern nur, wenn er seine Leistung auf den Rasen bringt. Enochs: "Wir wissen, was für eine Qualität Aue hat und sind aus dem Hinspiel gewarnt. Das 3:1 war am Ende deutlicher, als es das Spiel hergab. Es war über die komplette Zeit verdammt eng. Julian Günther-Schmidt kann das 2:2 machen, muss er vielleicht sogar. Wir hatten vielleicht das glücklichere Ende für uns, was uns wiederum zeigt, dass wir keine Übermannschaft sind und uns jeden Sieg hart erarbeiten müssen", sagte Enochs.
Während in Aue nach dem 1:2 gegen Cottbus bei vielen Fans die Köpfe runtergingen, sind in Osnabrück die Antennen noch etwas weiter ausgefahren worden.
"Sie haben gegen den Tabellenführer mitgehalten, verlieren letztlich unglücklich durch einen späten Standard. Ich rechne damit, dass sie auch gegen uns alles in die Waagschale werfen. Wir werden gut stehen und müssen geduldig sein, sonst wird es gegen Aue schwer!", ist der drittligaerfahrene VfL-Sportchef gewarnt.
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