Erst Mannheim und dann Meuselwitz? Aue hilft mal wieder nur ein Sieg
Aue - Heute noch(mal) Mannheim und morgen Meuselwitz? Der FC Erzgebirge muss am Sonnabend bei Waldhof Mannheim gewinnen, sonst war es die vorerst letzte Auswärtsfahrt in die Kurpfalz und nächste Saison heißen die Gegner ZFC Meuselwitz oder FSV Luckenwalde.
"Mensch Lars, weiße Jacke!", staunte Christoph Dabrowski (47) nicht schlecht, als Pressesprecher Lars Töffling zur Spieltags-Pressekonferenz in das Mediencenter kam. Der Veilchen-Coach selbst hatte schon ein paar Minuten zuvor den Raum betreten und plauschte mit den beiden anwesenden Pressevertretern.
"Ist für unsere weiße Weste am Sonnabend", antwortete Töffling auf Dabrowskis erstaunten Einwurf, worauf dieser flachste: "Soll ich meine auch noch holen?" Er beließ es dann doch bei der staubgrauen Trainingsjacke, die er bereits anhatte.
Was der kurze Smalltalk zeigt: Trotz Abstiegskampf geht nicht die Lockerheit flöten. Man darf auch nicht ein permanentes Gesicht wie drei Tage Regen aufsetzen.
Als während der PK laut Musik aus der Mannschaftskabine wummerte, meinte Dabrowski: "Da ist jetzt keine Totenstimmung. Die Jungs können ruhig Musik hören, solange sie auf dem Platz vernünftig arbeiten. Und das machen die Jungs!"
Aber am Ende gehe es um die Themen, die in dieser Saison Aues ständiger Begleiter seien: permanente individuelle Fehler - vor allem im Spiel gegen den Ball. Da kann der Trainer Härtel, Dabrowski, X, Y oder Z heißen.
Dabrowski hatte bei seinem Amtsantritt Anfang Februar noch viel Feuereifer gezeigt. Davon ist zwar noch viel geblieben, aber auch der 47-Jährige muss feststellen: "Ich habe mir viel mehr erhofft und versprochen."
Aue-Coach Christoph Dabrowski: "So eine Situation habe ich selten bis gar nicht erlebt"
Auf zweimalige TAG24-Nachfrage, ob er als Spieler (273 Erst- und 103 Zweitliga-Spiele u.a für Hannover 96 und VfL Bochum) oder Trainer (Hannover, Rot-Weiss Essen) eine ähnlich prekäre Situation wie die jetzige schon einmal erlebt habe, arbeitete es in Dabrowski: "So eine Situation habe ich selten bis gar nicht erlebt. Klar habe ich als Spieler oder Trainer Wochen erlebt, wo der Funke nicht überspringt, in Form eines Ergebnisses. Da habe ich immer wieder gleiche Prinzipien: Klarheit in der Analyse, Geschlossenheit und Trainingsarbeit. Das hat mich und meine Mannschaften immer zum Ziel geführt. So weit ich rechnen kann, sind wir noch nicht abgestiegen."
Auf die Frage, ob er sich bei Abstieg einen Verbleib an der Seitenlinie vorstellen kann, gab es bislang keine offizielle Antwort. Immerhin bietet das die Möglichkeit, den Betriebsunfall zu reparieren, was an und für sich auch eine Chance bietet.
Hört man dem 47-Jährigen im Gespräch aufmerksam zu und liest zwischen den Zeilen, bekommt man den Eindruck, dass sich Dabrowski ein dahingehendes Angebot seitens des Kumpelvereins anhören würde und einen Gang in die 4. Liga nicht kategorisch ausschließt. Am Ende ist sicherlich die Perspektive entscheidend.
Titelfoto: Bildmontage: Picture Point/Sven Sonntag, IMAGO/Fotostand
