Ist Aue-Coach Härtel nach der 3. Pleite in Serie noch zu halten, Herr Tarnat?
Aue-Bad Schlema - Über dem Lößnitztal braut sich eine Superzelle zusammen! Erzgebirge Aue enttäuscht mit 1:3 (1:0) beim TSV Havelse und bezieht im dritten Spiel der Rückrunde die dritte Pleite.
Teile der Fans stürmten auf den Rasen und stellten die Spieler zur Rede. Jens Härtel (56) fand harte Worte gegenüber seiner Mannschaft, Sportchef Michael Tarnat (56) hielt sich zur Zukunft des Trainers bedeckt und als wäre das nicht genug, verletzte sich der nächste Leistungsträger.
Mika Clausen (23), einer der auffälligsten in der ersten Halbzeit und an Jonah Fabischs (24) Führungstreffer beteiligt, knickte auf dem Acker im Eilenriedestadion um, musste zur Pause raus und humpelte nach Spielende durch die Gegend. Das sah nicht gut aus!
Noch schlimmer sah das Abwehrverhalten aus, als Nassim Boujellab (74.) und Lorenzo Paldino (80.) die Partie drehten.
Havelse suchte trotz tiefem Geläuf immer die spielerische Lösung und fand, trotz jeweils acht (!) Auer Feldspielern im Strafraum, die Lücke, weil alle nur alibimäßig verteidigten. Härtel entsprechend sauer: "Wie wir die Box verteidigen, ist in den Aktionen Kinderfußball gewesen."
Wie reagiert also Sportchef Tarnat?
Als er vor 13 Monaten übernahm, hatte dies die Mehrzahl als Glücksfall für den Kumpelverein gelobt. Manche, die später interne Scharfmacher wurden, sprachen vom Gerd Schädlich 2.0, pressten Härtel damit in ein Bild, was sie sich selbst gemalt hatten.
Wenn man den Freitagabend sah, dann muss man ganz ehrlich sagen: Mit dem Auftritt ab rund der 60. Minute kann der Trainer X, Y oder Z heißen und es ändert sich Nullkommanull.
Solange die Spieler auf dem Feld nicht beweisen, wieso sie Drittligaprofis sind (oder eine sportliche Leitung sie als dafür tauglich erachtete), ist der Abstiegskampf zum Scheitern verurteilt und die restlichen 16 Spiele sind Stationen einer Abschiedstournee.
Am Ende greifen allerdings unweigerlich die Automatismen. Wer lange genug im Geschäft dabei ist, weiß das. Videoanalyst Adam Susac (36), der bei den Presseplätzen saß, sodass man im spärlich besetzten Stadion gut hörte, wie er mit Co-Trainer Lars Fuchs (43) in ständigem Austausch eigenes und Gegnerverhalten sezierte, entfuhr es nach Spielende: "Wir machen so einfache Fehler und am Ende ist dann der Trainer schuld?" Da hatte er einen Punkt. Das ist zu billig!
Allmählich gehen den Verantwortlichen dennoch die Argumente pro Härtel aus. Rein die Saison 2025/26 betrachtet, ist der Punkteschnitt auf 1,0 gefallen, was bis zum 38. Spieltag hochgerechnet den nahezu sicheren Abstieg bedeuten dürfte.
Wie reagiert also Sportchef Tarnat? "Wir werden zurückfahren, uns unterhalten und dann werden wir schauen, was passiert. Nach wie vor kann ich sagen, dass Jens Härtel hervorragende Arbeit macht, akribisch ist mit seinem Trainerteam. Wir feiern aber keine Erfolge und das ist das größte Problem. Leider ist Fußball schwarz und weiß", sagte der 56-Jährige auf TAG24-Nachfrage.
Den Test gegen Lok Leipzig am Sonnabend hat man kurzfristig abgesagt. Die Zeichen im Erzgebirge stehen auf Sturm.
Titelfoto: picture point/Sven Sonntag

