Leistungsträger versagen, Stadionsprecher kommen die Tränen: Aue am Abgrund

Aue - "Was in 79 Jahren aufgebaut wurde, wird in einem Jahr eingerissen", sagte ein enttäuschter Fan auf der Haupttribüne, als Erzgebirge Aue gerade im Begriff war gegen Alemannia Aachen 1:3 (0:2) zu verlieren. Er sprach damit vielen aus der Seele. Im Erzgebirgsstadion waren sie konsterniert, ob der gerade in der ersten Halbzeit und in den letzten Minuten abgelieferten Vorstellung.

Zum Jubeln ist auch Aue-Stadionsprecher Mario Dörfler in dieser Rückrunde nicht. Nach der erneuten Heimniederlage standen auch ihm die Tränen in den Augen. (Archivbild)  © Picture Point/Gabor Krieg

Die Fanszene zeigte vor der Pause zunächst die kalte Schulter und packte Minuten vor Abpfiff die Trommeln ein. Wenn es noch eines weiteren Sinnbildes brauchte, wie sich die eingefleischten Fans derzeit fühlen, musste man nur Stadionsprecher Mario Dörfler ins Gesicht schauen.

Ihm standen die Tränen in den Augen, als er in die Mixed-Zone kam. Das geht einem als Reporter nahe, wenn man an die vielen Jahre denkt, die Dörfler mit seinem "Wer ist Wismut Aue?" die Massen einpeitscht und alles für den Kumpelverein heraushaut.

Zieht man dann den Quervergleich zu dem, was derzeit für 90 Minuten plus x auf dem Rasen von Marvin Stefaniak (31) & Co. angeboten wird, kommt man aus dem Kopfschütteln nicht heraus. Jeder hatte eigentlich vor der englischen Woche gewusst, was die Stunde geschlagen hat.

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"Ich bin mega enttäuscht von der ersten Halbzeit", konstatierte Cheftrainer Christoph Dabrowski (47), der auch im sechsten Spiel unter seiner Leitung keinen Sieg sah. Nach zwei Remis zu Beginn gegen Saarbrücken und in Köln sah er jetzt schon die vierte Niederlage in Serie.

Mit zwei von 27 (!) möglichen Zählern ist Aue zudem das schlechteste Rückrunden-Team. Aachen, das auf einem Abstiegsplatz und einen Punkt hinter dem FCE überwintert hatte, hat im gleichen Zeitraum 17 Zähler eingefahren und jetzt entsprechend 14 Punkte Vorsprung auf die Abstiegsplätze.

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Aue-Coach Christoph Dabrowski: "Ich gehe nicht in die Einzelkritik"

Auch den Spielern ist klar: Mit der erneuten Niederlage rückt der Klassenerhalt weiter in die Ferne.  © Frank Kruczynski

Dabrowski hat den Karren aus dem Dreck ziehen wollen - auch am Sonnabend. Er änderte jüngst die Viererkette, indem er Eric Uhlmann (23) für Tristan Zobel (22) nach hinten zog, was die Kette erstmal etwas stabiler wirken lässt.

Dazu korrigierte er gegen Aachen zur Pause heftig, indem er den Dreifachwechsel vollzog und neben Vincent Ocansey (25) den seit Wochen weit hinter seiner Form herlaufenden Marvin Stefaniak, sowie den ebenfalls blassen Julian Guttau herunternahm.

Dabrowski wurde hinterher von TAG24 gefragt, wie enttäuscht er von seinen Leistungsträgern Stefaniak und Guttau sei. In so einem entscheidenden Spiel wie gegen Aachen waren beide mehr oder minder Totalausfälle.

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"Ich gehe nicht in die Einzelkritik, aber sie haben gesehen, dass ich in der Halbzeit auf den Spielverlauf reagiert habe. Diese Wechsel haben einen guten Impuls gegeben, sodass die Mannschaft in der zweiten Halbzeit eine richtig gute Reaktion gezeigt hat und in der Lage gewesen wäre, das Spiel komplett zu drehen - doch dafür hätten wir das zweite Tor gebraucht", antwortete der FCE-Coach.

Der letzte Satz ist ein weiteres Sinnbild: Die Hypothek (nicht nur im Aachen-Spiel) ist am Ende zu groß, die Fehler, die bei der Kaderzusammenstellung und dem Trainer-Hickhack seit Pavel Dotchev (60) gemacht worden, zu gravierend. Der Klassenerhalt würde an ein Wunder grenzen.

Dabrowski: "Man muss realistisch sein. Es wird ein ganz harter Weg, aber es geht darum, in jedem Spiel Haltung zu zeigen und nichts herzuschenken. Das sind wir den Leuten schuldig."

Tabelle 3. Liga

POS VEREIN Sp. +/- Pkt.
1 VfL Osnabrück 28 45:25 55
2 FC Energie Cottbus 28 53:39 53
3 Rot-Weiss Essen 28 55:46 49
4 MSV Duisburg 27 47:33 48
5 TSV 1860 München 28 45:37 48
6 FC Hansa Rostock 28 47:31 47
7 SV Wehen Wiesbaden 28 42:32 47
8 SC Verl 27 61:40 45
9 SV Waldhof Mannheim 27 43:48 39
10 Viktoria Köln 28 38:36 38
11 Alemannia Aachen 28 47:49 38
12 FC Ingolstadt 04 27 45:36 37
13 TSG 1899 Hoffenheim II 28 53:52 35
14 SSV Jahn Regensburg 28 36:42 35
15 VfB Stuttgart II 28 34:46 35
16 1. FC Saarbrücken 27 37:38 32
17 FC Erzgebirge Aue 28 31:48 24
18 SSV Ulm 1846 28 37:58 24
19 TSV Havelse 27 37:59 20
20 1. FC Schweinfurt 05 28 26:64 14

Die Tabelle der 3. Liga hat folgende Bedeutung: Wer am Ende der Saison auf Platz 1 steht, ist Drittliga-Meister und steigt in die 2. Liga auf. Auch der Zweite steigt direkt auf. Platz 3 spielt mit dem drittletzten Platz der 2. Bundesliga um Aufstieg oder Verbleib in der Liga.

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