Aue für Klassenerhalt zu fehlerhaft in allen Teilen: "Es reicht einfach nicht"

Essen - "Ich bin total überzeugt, dass die Qualität besser als der Tabellenplatz ist", hatte Sportchef Michael Tarnat bei seiner Vorstellung Anfang Januar gesagt. Zehn sieglose Spiele später muss er sich eingestehen, dass diese Einschätzung viel zu optimistisch war. Er lag damit genauso daneben, wie sein Vorgänger Matthias Heidrich, der dies ebenfalls gebetsmühlenartig predigte. Das 2:4 (1:3) bei Rot-Weiss Essen hat gezeigt: Erzgebirge Aue will, kann aber nicht.

Aue hat Typen wie Ryan Malone (Mitte vorn) oder Pascal Fallmann (rechts)  © picture point/Sven Sonntag

Es langt in dieser Saison einfach vorne und hinten nicht. Bricht man den Kumpelverein auf vier Wörter herunter, landet man bei: Fehlerhaft in allen Teilen (scherzhaft Fiat).

"Wir kassieren drei Gegentore, die wir dem Gegner zu einfach herschenken", sah Veilchen-Coach Christoph Dabrowski, wie sich seine Mannschaft binnen neun Minuten schon drei Wochen vor Ostern drei - zugegeben wunderschön erzielte - Eier ins Nest legen ließ.

Die Entscheidung sich nach Ende Januar infolge dreier Pleiten in Serie von Cheftrainer Jens Härtel zu trennen, brachte keinerlei Effekt mit sich. Unter seinem Nachfolger holte Aue in sieben Spielen zwei von 21 (!) möglichen Zählern.

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Selbst unter Timo Rost (3. Liga 2022/23) und Aleksey Shpilevski (2. Bundesliga 2021/22) schnitt man im selben Zeitraum mit jeweils drei Punkten besser ab.

Allerdings hatten beide ihre Mannschaften im Sommer übernommen und maßgeblichen Einfluss auf die Kaderplanung. Dabrowski dagegen bekam eine nach außen hin fertige, aber in sich komplett unfertige Mannschaft hingestellt.

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Aue kassiert gegen Essen wieder einmal zwei oder mehr Gegentore

Christoph Dabrowski dirigierte sein Team an alter Wirkungsstätte, doch es gelingt ihm mit der vorhandenen Qualität nicht, den Abwärtstrend zu stoppen.  © picture point/Sven Sonntag

Der 47-Jährige muss seine zu Amtsantritt Anfang Februar noch in voller Optimismus getätigte Einschätzung, das Potenzial sei vorhanden, eigentlich komplett revidieren.

Wahrscheinlich tut er das innerlich schon, denn beim Auftritt an der Hafenstraße kam sich Dabrowski nicht zum ersten Mal wie im falschen Film vor: "Ich komm' mir vor wie bei 'Und täglich grüßt das Murmeltier', weil es bei uns in einer Häufigkeit passiert. Und diese Hypothek von drei Toren ist riesig."

Zum 18. Mal bekam Aue nun schon zwei oder mehr Gegentore eingeschenkt. Das schmälert jede Siegchance, ist aber eine Entwicklung mit Ansage. Was fehlt, ist die defensive Achse Tor, Abwehr, defensives Mittelfeld.

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Dort gibt es zuerst mal außer Ryan Malone und mit Abstrichen Pascal Fallmann keine Leadertypen. Dazu fehlt komplett die Konstanz, sowohl in der Besetzung der Positionen, als auch der Leistung über die bisherige Saison.

Verzichtet wurde im Sommer auf Spieler, die Mentalität hineinbringen sowie Abstiegskampf kennen und können. Beim Transfer von Julian Günther-Schmidt hieß es, er sei gut für das, was sich in der Kabine abspielt. Auf dem Platz haut jedoch niemand auf den Tisch.

Zweifelsohne besitzen Marvin Stefaniak oder Julian Guttau individuelle Klasse, aber ohne eine defensive Achse, die ihnen den Rücken freihält und Anführer auf dem Feld, die sie anleiten, agieren diese im luftleeren Raum und sind mehr mit sich beschäftigt.

Einzig Marcel Bär, der aus seiner Achillessehnenverletzung zurückkam, als hätte es die nie gegeben, performt. "Den Willen kann man den Jungs nicht absprechen. Es reicht aber leider nicht", sagte dieser nach Essen. Mehr seiner Sorte und man müsste nicht über eine BSG Fiat Aue sinnieren.

Tabelle 3. Liga

POS VEREIN Sp. +/- Pkt.
1 VfL Osnabrück 29 49:26 58
2 FC Energie Cottbus 29 54:43 53
3 Rot-Weiss Essen 29 59:48 52
4 SC Verl 29 67:41 51
5 MSV Duisburg 29 52:40 51
6 FC Hansa Rostock 29 52:32 50
7 TSV 1860 München 29 45:37 49
8 SV Wehen Wiesbaden 29 42:32 48
9 SV Waldhof Mannheim 29 47:53 42
10 Alemannia Aachen 29 51:50 41
11 FC Ingolstadt 04 29 49:39 40
12 Viktoria Köln 29 40:39 38
13 VfB Stuttgart II 29 35:46 38
14 SSV Jahn Regensburg 29 37:43 36
15 TSG 1899 Hoffenheim II 29 53:53 35
16 1. FC Saarbrücken 29 40:43 33
17 FC Erzgebirge Aue 29 33:52 24
18 SSV Ulm 1846 29 38:61 24
19 TSV Havelse 29 41:64 23
20 1. FC Schweinfurt 05 29 26:68 14

Die Tabelle der 3. Liga hat folgende Bedeutung: Wer am Ende der Saison auf Platz 1 steht, ist Drittliga-Meister und steigt in die 2. Liga auf. Auch der Zweite steigt direkt auf. Platz 3 spielt mit dem drittletzten Platz der 2. Bundesliga um Aufstieg oder Verbleib in der Liga.

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