Berlin - Wenn es um die Aufstiegsfrage geht, führt in dieser Saison auf den ersten Blick kein Weg an der VSG Altglienicke vorbei. Der Klub aus dem Berliner Bezirk Treptow-Köpenick hat seine Elf um den letztjährigen Torschützenkönig Jonas Nietfeld (32) mit John Anthony Brooks (33), Tolga Cigerci (34) oder Lennart Czyborra (27) hochkarätig verstärkt.
Langt das, um sich am Ende zum Staffelsieger zu küren und damit auch oder gerade dem FC Erzgebirge ein Schnippchen zu schlagen? TAG24 hakte beim Sportlichen Leiter der Berliner, Torsten Mattuschka (45), nach.
TAG24: Herr Mattuschka, Sie haben in der Sommerpause mit mehreren namhaften Transfers aufhorchen lassen und gelten als einer der Top-Favoriten für den direkten Aufstieg. Wie nehmen Sie das Echo wahr?
Torsten Mattuschka: "Es wird gesagt, was wir alles verpflichtet haben. Am Ende hast du die Namen, aber entscheidend ist, dass wir als Gruppe funktionieren, wie wir hineinkommen, und dann ist es ganz wichtig, die Jungs fit über die komplette Saison zu bekommen. Ich gehe davon aus, dass sechs, sieben Mannschaften um den Aufstieg mitspielen werden."
TAG24: Dass Ihr Klub dazu gezählt wird, schmeckt anscheinend nicht jedem ...
Mattuschka: "Ich höre, wie viel Geld wir ausgeben sollen. Als ob andere Vereine nicht ebenfalls Geld für ihren Kader ausgeben. Halle, Chemnitz, Jena, Aue - die investieren auch in ihren Kader. Weil wir nicht das Stadion und die Fanbase haben, müssen wir zusätzliche Alternativen bieten wie Perspektiven nach der Karriere, Jobs für die Spielerfrau oder Wohnungen."
VSG-Sportchef Mattuschka über Zukunftspläne: "Wir wollen auch nicht auf Gedeih und Verderb aufsteigen"
TAG24: Aber Ihr Verein scheint zu polarisieren.
Mattuschka: "Wir tun ja keinem etwas. Wir wollen auch nicht auf Gedeih und Verderb aufsteigen, sondern unseren Weg, den wir vorhaben, fortführen. Und der besteht darin, in den nächsten Jahren in die 3. Liga aufzusteigen. Wir wissen, dass wir kritisch beäugt werden, weil wir eine kleine Fanbase und kein Stadion haben.
Bei Aufstieg würden wir wahrscheinlich ins Mommsenstadion ausweichen. Aber dafür können wir doch nichts, dass man in Berlin nicht in der Lage ist, die Stadionthematik adäquat zu lösen. Und uns als Verein nur darauf zu reduzieren, finde ich nicht in Ordnung."
TAG24: Zumal an anderen Standorten Kommune oder Landkreis das Stadion gebaut haben ...
Mattuschka: "Das ist ja auch geil, was für Stadien in der Regionalliga Nordost stehen, wenn du vor teils 10.000 Zuschauern spielst. Wir werden vielleicht viele Pfiffe erfahren, aber das müssen wir als unseren Applaus ansehen."
TAG24: Am Sonnabend geht's nach Aue, wo Sie selbst als Spieler mit Cottbus und Union Berlin aufgelaufen sind.
Mattuschka: "Sich vor der Kulisse zu beweisen, wird ein richtiges Brett. Ich habe Hochachtung vor Aue, was gerade zu Zweitligazeiten für eine Arbeit geleistet wurde. Überlegen Sie sich das mal, die Stadt hat 18.000 Einwohner und spielt viele Jahre 2. Bundesliga und hat ein Stadion für über 15.000 Zuschauer. Ich freue mich auf den Auftakt - und den Nudeltopf. Davon habe ich schon viel gehört. Zwei haue ich mir auf jeden Fall in den Ranzen."