Vier Saisons begleitete er jedes Hansa-Spiel: Warum bekommt Vlogger "Realmx" jetzt Filmverbot?

Rostock - Wer ist verantwortlich für den Ausschluss dieses Sympathieträgers? Nach mehr als vier Saisons geht die Ära der Stadion-Vlogs von "Realmx" (86.400 Abos) zu Ende. YouTuber Max hat in der Zeit kein Heim- und Auswärtsspiel der Kogge verpasst, bis es ein Filmverbot für das Ostseestadion von Hansa Rostock hagelt.

Das Ostseestadion war über vier Saisons Schauplatz für den beliebten Hansa-Vlogger "Realmx".
Das Ostseestadion war über vier Saisons Schauplatz für den beliebten Hansa-Vlogger "Realmx".  © Bernd Wüstneck/dpa

Dies verkündete der bei Hansa-Anhängern und Fußballfans in ganz Deutschland beliebte Vlogger in einem gut 20-minütigen Statement-Video.

Zuletzt herrschte fast vier Wochen Funkstelle. Statt der wöchentlichen Spieltags-Reportagen aus den Stadien, die jeweils mehrere zehntausende Aufrufe erzielen (und damit vielfach so viele wie Hansas YouTube-Videos selbst), warteten Fans vergeblich auf den nächsten Vlog. Ein Gerücht jagte das nächste.

In seinem Statement verweist Max viele Behauptungen in das Reich der Fabeln. Doch eine Sache stimmt: Er darf nicht mehr filmen, dies gilt vor allem für das Ostseestadion.

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"Bis vor Kurzem stand ich noch in Kontakt mit Hansa-Mitarbeitern", erklärt er. Bis ihn ein offizielles Schreiben erreicht. Die Kogge spricht gegenüber dem Vlogger von einer "Grundsatzentscheidung [...], welche selbstverständlich für alle gilt."

Mit anderen Worten: Filmen ist bei Hansa nicht (mehr) gewollt.

Realmx bekommt früh Morgens "Besuch" im Zug zum Auswärtsspiel und bricht die Reise ab

In einem ICE bekommt Realmx eines Morgens unschönen "Besuch".
In einem ICE bekommt Realmx eines Morgens unschönen "Besuch".  © Martin Schutt/dpa

Viele Fans, auch van anderen Vereinen aus der ganzen Republik sprechen dem Rostock-Fan in den Kommentaren ihre Solidarität aus, verstehen nicht, warum der Vlogger nicht mehr seiner Leidenschaft nachgehen darf. Auch Max kann oder will den Zwist nicht auflösen, liefert aber Indizien.

Anfang November gab es im ICE zum Auswärtsspiel in Ulm einen Vorfall: Eine Person hatte ihn "ausfindig" gemacht und "bedrohliche Sachen an den Kopf" geworfen.

Um die "Eskalation" zu vermeiden, stiegen er und seine Begleiter mitten auf der Strecke in aller Tagesfrüh aus. Kein Spiel, kein Vlog, keine Sicherheit?

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Max betont: "Wir sind nicht zusammengeschlagen worden, das muss ich hier ganz klar sagen. Trotzdem hatten wir ein ungutes Gefühl."

Es war die zweite einschneidende Begegnung in Folge, bereits im Heimspiel der Vorwoche waren Max und sein Bruder Alwin einer "unschöne Konfrontation" ausgesetzt gewesen.

Realmx lässt sich bei MagentaSport interviewen und würde es angesichts der Konsequenzen nicht wiederholen

Die Hansa-Fanszene störte sich offenkundig an der Videopräsenz.
Die Hansa-Fanszene störte sich offenkundig an der Videopräsenz.  © Christian Charisius/dpa

Möglicherweise war dem ein oder anderen aus der Fanszene seinem Auftritt bei MagentaSport am 26. Oktober übel aufgestoßen: Max ließ sich stellvertretend als einer von Hansas "Allesfahrern" vor dem Spiel bei Viktoria Köln (4:2) interviewen.

Max im Nachgang selbstkritisch: "Hätte ich gewusst, welche Folgen dieses Interview nach sich zieht, hätte ich es vermutlich nicht gegeben."

Dies war nicht alles: Dem Vernehmen nach, gab es Beschwerden von Teilen der harten Hansa-Fans, was seine Videopräsenz in den Blöcken anbelangte. Dem hält der Vlogger entgegen: "Ich habe nie negative Energie gespürt."

Ein Screenshot einer Mail an Hansa zeigt seine Kompromissbereitschaft, aber auch, dass die von ihm durch die Videos erzielten Einnahmen ein Streitpunkt waren.

Fakt ist auch: Die Bildrechte an Spielszenen, die Max ebenfalls in seinen Videos unbearbeitet zeigte, liegen bei MagentaSport und stellen eine Verletzung des TV-Rechte-Vertrags dar. Allein deswegen musste Hansa als Veranstalter der Heimspiele handeln.

Wie geht es weiter? Max diskutiert offen mögliche Szenarien, um sein Herzensprojekt fortzusetzen. Doch ohne Aufnahmen aus den Stadien gehe ein wesentlicher Teil der Vlogs verloren.

Er "akzeptiere die Entscheidung", wirkt dennoch innerlich zerrissen, während im Netz die wildesten Theorien umhergeistern und wichtige Fragen offen bleiben. Zum Beispiel: Von wem und aus welchem Grund bekamen Max und sein Bruder gegen Verl und im Zug nach Ulm morgens um 4 Uhr unangenehmen Besuch?

Titelfoto: Bernd Wüstneck/dpa

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