Abstiegsknaller am Millerntor! Darum ist der 1. FC Köln für Ex-Profi Scherz der Favorit

Hamburg - Er spielte nur für zwei Vereine - den FC St. Pauli und den 1. FC Köln. Am Freitagabend (20.30 Uhr) treffen beide Klubs nun im Abstiegsduell direkt aufeinander, Matthias Scherz (54) wird den Krimi vor Ort am Millerntor verfolgen. Was er über die Partie denkt und welchen Ex-Klub er die Daumen drückt, verriet er im TAG24-Interview.

Ex-Profi Matthias Scherz (54) erwartet am Freitagabend Abstiegskampf pur zwischen dem FC St. Pauli und dem 1. FC Köln.  © IMAGO / Nordphoto

TAG24: Moin Matthias, was machst du eigentlich aktuell?

Matthias Scherz: Ich habe einen gemeinnützigen Verein und setze mich für Kinder im Grundschulter ein. Da geht es um Ernährung und Bewegung, aber auch um die Kostenübernahme von Familien im offenen Ganztag, dass der Mittagstisch bezahlt wird.

Letztes Jahr haben wir ein neues Projekt mit einem digitalen Sportgerät gestartet, war wir den Grundschulen spenden, um Sport ein bisschen anders zu machen.

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TAG24: Am Freitagabend treffen mit dem FC St. Pauli und dem 1. FC Köln deine beiden Ex-Klubs aufeinander. Was erwartest Du für eine Partie?

Scherz: Durch die drei Punkte gegen Bremen hat sich der Effzeh ein bisschen Luft verschafft und die große Möglichkeit, gegen St. Pauli den nächsten Dreier einzufahren und die Saison positiv zu schließen.

Für St. Pauli geht es umso mehr darum, Köln im Abstiegskampf zu halten und die Lücke nach unten zu Wolfsburg zu vergrößern. Es wäre gut, wenn es am letzten Spieltag im direkten Duell nicht mehr darauf angehen würde. Ansonsten erwarte ich keinen Fußballleckerbissen, sondern Fußballarbeit, wo beide Mannschaften viel über den Kampf kommen werden, es wird viele Ballverluste geben, aber auch ein offenes Spiel mit vielen Torchancen.

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Matthias Scherz verrät: Auf diese Spieler kommt es am Freitagabend an

Scherz begann seine Karriere beim FC St. Pauli und absolvierte 96 Pflichtspiele für die Kiezkicker.  © IMAGO / Claus Bergmann

TAG24: Ist Köln nach dem Sieg vom Wochenende sogar ein bisschen der Favorit und welche Rolle spielt der Trainerwechsel?

Scherz: Nicht nur deswegen, sondern auch aufgrund der Vergangenheit. Köln hat einen höheren Etat und ganz andere Möglichkeiten. Nach dem Trainerwechsel hat sich das Spiel schon verändert. In Frankfurt sind sie mehr auf Ballbesitz gegangen, um Ruhe ins Spiel zu bringen.

Gegen Bremen ist es aufgrund der frühen Roten Karte schwer einzuschätzen. Sie operieren weiter noch sehr viel mit langen Bällen und versuchen darüber ins Spiel und zu Torchancen zu kommen.

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Trotz der Überzahl haben sie sich schwergetan. Man hat gemerkt, dass der Abstiegskampf nicht spurlos an ihnen vorbeigegangen ist. Der Druck war hoch.

TAG24: St. Pauli braucht jetzt dringend die drei Punkte. Was muss sich ändern, damit es in die richtige Richtung geht?

Scherz: Auf alle Fälle müssen sie Tore schießen. Sie müssen Köln am Freitag unter Druck setzen und zu Fehlern zwingen. Am Ende des Tages brauchen beide Mannschaften mehr Tore, sie erarbeiten sich zwar Chancen, vergeben sie aber zu leichtfertig. Viele Spieler haben gar keine Idee vor dem Tor, den Ball da unterzubringen. Das ist auf dem Niveau einfach zu wenig.

TAG24: Auf welche Spieler wird es am Freitagabend besonders ankommen?

Scherz: Bei St. Pauli auf alle Fälle Jackson Irvine, der mit Laufstärke die Mannschaft trägt. Sie müssen aber auch über die Flügel kommen und in die Eins-gegen-Eins-Situationen gehen, um in die Box zu kommen. Das wird das A und O sein.

Der Effzeh wird versuchen, über eine geschlossene Mannschaftsleistung zu kommen. Im Konter wird es vor allem auf Said El Mala, Jakub Kamiński und Jan Thielmann ankommen. Wenn man ihnen die Räume gibt, sind sie stark. Dazu kommt mit Ragnar Ache ein Stürmer, der den Ball auch absichern kann und sehr kopfballstark ist.

Ex-Köln-Profi Matthias Scherz erlebt gegen St. Pauli besondere Momente

Ausgerechnet gegen den FC St. Pauli erzielte Scherz (2.v.r.) seinen einzigen Dreierpack in der Bundesliga.  © WITTERS

TAG24: Du bist am Freitagabend ja auch im Stadion und wirst das Spiel live verfolgen. Wie lautet denn dein Tipp?

Scherz: Ich wäre mit einem Unentschieden zufrieden, obwohl ich aufgrund meiner Vergangenheit eher zu Köln tendiere, weil ich da ein paar Jahre mehr gespielt habe. Aber ich sage 1:1.

TAG24: Welche Erinnerungen hast Du eigentlich noch an deine Zeit bei den Vereinen?

Scherz: In diesem Millerntor habe ich gar nicht mehr gespielt, ich denke mehr noch an dieses alte gelbe Backsteingebäude, wo wir uns unten im Keller umgezogen haben und der Kneipe. Das waren unfassbar schöne Momente. Auch die 92 Spiele (86 in der ersten und zweiten Liga, vier im DFB-Pokal), die ich für St. Pauli gemacht habe.

Ich habe mal eine Stadiontour gemacht und da hat man die alten Mannschaftsfotos in der Kabine hängen sehen, das finde ich eine sehr coole Aktion, finde es schön.

Jetzt hat man ein festes Trainingsgelände, zu meiner Zeit wurden wir morgens angerufen, wo wir zum Training hinkommen müssen. Ich freue mich auf jeden Fall einige von ihnen hoffentlich am Freitag zu sehen.

TAG24: Und der Effzeh?

Scherz: Da sind natürlich meine drei Tore in einem Spiel vorprogrammiert. Im einzigen Bundesliga-Spiel, wo ich drei Tore geschossen habe, geht es ausgerechnet gegen St. Pauli. Wie immer hatte ich das Glück, dass auch mein 250. Spiel für Köln gegen St. Pauli war. Und auch ein Aufstieg haben wir zu Hause gegen St. Pauli gefeiert. Das ist alles in Erinnerung geblieben.

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