FC St. Pauli übersteht im Pokal seinen "Gary-Lineker-Moment": "Kein Drama"

Hamburg - Dieses Weiterkommen hat Kraft gekostet! Der FC St. Pauli ist am Dienstagabend nach 120 Minuten gegen den FC Schalke 04 ins Achtelfinale des DFB-Pokals eingezogen. Am Freitag sind die Kiezkicker schon wieder in der zweiten Liga gefordert.

Der FC St. Pauli jubelt mit den Fans über den Einzug ins DFB-Pokal-Achtelfinale.
Der FC St. Pauli jubelt mit den Fans über den Einzug ins DFB-Pokal-Achtelfinale.  © Marcus Brandt/dpa

Die Bilder wiederholten sich. Wie schon der SC Paderborn und der Karlsruher SC versuchten auch die Schalker das Zentrum zu verdichten und so das Aufbauspiel von St. Pauli zu zerstören. "Wir sind behäbig reingekommen, unsere Positionierungen waren schlecht, beim Passspiel waren die Ballannahmen und Mitnahmen nicht präzise genug", zählte Trainer Fabian Hürzeler (30) die Mängel auf.

Zu allem Überfluss gingen die Gäste nach 16 Minuten durch Marcin Kaminski auch noch in Führung. Egal wie sehr sich der Zweitliga-Tabellenführer auch anschließend mühte, so richtig kam er offensiv nicht in die Gänge. Ein Kopfball von Simon Zoller (32) war vor kurz der Pause die einzige richtige Chance.

In der Halbzeit waren Hürzeler und sein Team erneut gefordert, die richtigen Schlüsse zu ziehen - und sie taten es. Mit zwei Wechseln und einigen kleineren Veränderungen nahm das Spiel der Kiezkicker sofort Tempo auf. St. Pauli trat nun noch dominanter auf und kam durch einen verwandelten Foulelfmeter von Marcel Hartel (27) zum hochverdienten Ausgleich (57.).

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Auch wenn sich bei Königsblau in der Folge immer mehr Räume auftaten, mussten die Kiezkicker trotz klarer Überlegenheit in die Verlängerung. In der war es schließlich Johannes Eggestein (25), der einen Hartel-Freistoß ins lange Eck köpfte und das Millerntor zum Kochen brachte (102.).

"Beim Freistoß von Marcel Hartel habe ich nur gesagt, dass die anderen Jungs die Gegenspieler wegblocken sollen und ich mich dann auf den zweiten Pfosten schleiche. Das war tatsächlich so geplant und es hat super funktioniert", beschrieb der Torschütze vom Dienst den Treffer.

St. Paulis Irvine: "Es ging alles gut, es gab kein Drama"

Kapitän Jackson Irvine (30, r.) hatte am Dienstag nicht nur mit den Spielern des FC Schalke 04 zu kämpfen.
Kapitän Jackson Irvine (30, r.) hatte am Dienstag nicht nur mit den Spielern des FC Schalke 04 zu kämpfen.  © Marcus Brandt/dpa

Als beide Teams die Seiten tauschten, kam es zu einer kuriosen Szene. St. Paulis Kapitän Jackson Irvine (30) sprintete plötzlich vom Platz und verschwand für einen Augenblick. "Ich hatte meinen Gary-Lineker-Moment", gab der Australier nach der Partie mit einem Grinsen zu.

Wer damit nichts anfangen kann, hier die Aufklärung: Bei der WM 1990 klagte Englands Stürmer-Legende im Spiel gegen Irland über Magenprobleme, hatte darüber aber nie gesprochen. Nach einem Zweikampf blieb Lineker am Boden liegen, erleichterte sich unfreiwillig und rutschte mit der Hose über den Rasen. Jahre später verriet er: "Ich habe mich angeschissen." Ganz so schlimm war es am Dienstag zum Glück nicht. "Es ging alles gut, es gab kein Drama", versicherte Irvine.

Auf dem Rasen blieb es ebenfalls aus. St. Pauli verteidigte souveräne und verpasste mehrmals die Vorentscheidung. Am Ende war es egal, der Treffer von Eggestein in der Verlängerung reichte.

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"In Pokalspielen geht es nur ums Gewinnen. Es geht darum, einen Weg zu finden, um zu gewinnen", gestand Irvine. Allerdings müssen die Kiezkicker aufpassen. Zum dritten Mal in Folge gerieten sie in Rückstand. "Natürlich hätten wir lieber noch konsequenter verteidigt, dass wir nicht immer einem Rückstand hinterherlaufen, aber das ist im Fußball nun mal so", klagte Hürzeler.

Der Gary-Lineker-Moment bei der WM 1990 im Video

FC St. Pauli: Droht Eric Smith gegen den SV Elversberg auszufallen?

Bereits am Freitag (18.30 Uhr) geht es in der zweiten Liga mit der Partie beim SV Elversberg weiter. "Wir haben einen starken Kader, ich mache mir keine Sorgen, dass wir nicht regeneriert antreten", versicherte Irvine.

Bange Blicke richteten sich auf Eric Smith (26). "Ich habe meine Adduktoren wieder gespürt und wir werden sehen, wie es in den kommenden Tagen aussieht", erklärte er. Ein Ausfall würde St. Pauli treffen.

Der Schwede richtete den Blick am Dienstagabend aber sogar schon auf Anfang Dezember, wenn das Achtelfinale steigt. "Wir schauen mal, wer in der nächsten Runde wartet, schön wäre natürlich kein Auswärtsspiel zu haben", sagte Smith. Ausgelost wird die nächste Runde am 5. November in der Halbzeitpause des Frauen-Bundesliga-Topspiels zwischen dem FC Bayern München und dem VfL Wolfsburg.

Titelfoto: Marcus Brandt/dpa

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