St. Pauli gegen den HSV: Der Head-to-Head-Vergleich zum Stadtderby
Hamburg - Das 113. Stadtderby wirft seine Schatten voraus: Am Freitag (20.30 Uhr) treffen der FC St. Pauli und der HSV am Millerntor aufeinander. TAG24 wagt den Head-to-Head-Vergleich.
Tor
Auf diese Position wird es am Freitag speziell ankommen. Während Nikola Vasilj (30) in der vergangenen Saison die zweitwenigsten Gegentreffer schlucken musste, musste er in der jetzigen Spielzeit schon 31-mal hinter sich greifen. Das liegt freilich nicht an ihm allein, sondern an der gesamten Defensive der Kiezkicker, aber der 30-Jährige leistete sich im Verlauf mehrere Patzer, die zu Gegentoren führten.
Dennoch war er bislang ein sicherer Rückhalt, der Status bröckelt aber ein wenig. Mit knapp 66 Prozent gehaltener Bälle liegt er im Mittelfeld der Liga und damit noch vor Daniel Heuer Fernandes (33).
Der HSV-Schlussmann liegt mit 64,9 Prozent genau einen Punkt hinter seinem Gegenüber. Der 33-Jährige, dessen Bundesliga-Tauglichkeit zunächst infrage gestellt worden war, hat sich stark entwickelt und erneut einen Konkurrenten in die Schranken gewiesen. An seinen letzten Auftritt am Millerntor hat er keine guten Erinnerungen, als ihm ein kurioses Eigentor gelang.
Im Normalfall wäre das Duell an Vasilj gegangen, doch aktuell befinden sich beide Keeper auf Augenhöhe.
St. Pauli setzt hinten auf Erfahrung, der HSV hat sich defensiv gefunden
Abwehr
Letzte Saison war die noch das Prunkstück der Kiezkicker, aktuell ist sie davon weit entfernt. Die Frage wird sein, ob Trainer Alexander Blessin (52) demselben Trio vertraut wie in den ersten beiden Spielen des Jahres. An Erfahrung mangelt es Hauke Wahl (31), Adam Dzwigala (30) und Karol Mets (32) nicht, dafür aber ein wenig an Tempo.
Beim HSV hat sich mittlerweile auch eine Dreierkette gefunden. Nicolás Capaldo (27), Luka Vuskovic (18) und Jordan Torunarigha (28), der sich im Hinspiel nicht gerade mit Ruhm bekleckerte, wirken relativ gefestigt. Es kann aber auch gut sein, dass Daniel Elfadli (28) für Torunarigha startet.
Spielerisch ist St. Pauli einen Tick besser einzuschätzen, dafür schaltet sich bei den Rothosen immer wieder Capaldo mit ins Offensivspiel ein und sorgt für Gefahr.
Die beiden Defensivreihen dürften sich, bis auf die Derby-Erfahrung, die klar aufseiten St. Paulis liegt, wenig nehmen.
St. Pauli gegen den HSV: Wer zieht das Spiel im Mittelfeld auf seine Seite?
Mittelfeld
Durch die erneute Verletzung von Kapitän Jackson Irvine (33) hat Eric Smith (29) nun das Zepter eine Reihe weiter vorne übernommen. Das Zusammenspiel mit James Sands (25) und Joel Chima Fujita (23) wird von Spiel zu Spiel besser, zudem sind seine Standards eine Waffe. Einziges Manko: Gegen Ende der Partie geht ihm ein wenig die Puste aus.
Auf der Außenbahn hat Arkadiusz Pyrka (23) auf rechts eine rasante Entwicklung genommen, auf links stand zuletzt Lars Ritzka (27) in der Startelf. Ein solider Zweikämpfer, dem es aber ein wenig an Tempo fehlt.
Das könnte dem HSV zugutekommen, wenn sein Pendant auf HSV-Seite Bakery Jatta (27) heißt. Auf der gegenüberliegenden Seite ist Miro Muheim (27) gesetzt, auch wenn ihm die Souveränität ein wenig abhandengekommen ist.
Im Zentrum sind die Rollen klar verteilt. Während Albert Sambi Lokonga (26) - sofern fit - für spielerische Glanzpunkte sorgt, räumt Nicolai Remberg (25) alles ab, was sich ihm in den Weg stellt.
Im Mittelfeld könnte sich das Derby entscheiden, offensichtliche Vorteile hat hier aber keine der beiden Mannschaften.
Hamburger Derby ist auch das Duell der beiden schwächsten Offensiven
Sturm
In diesem Derby treffen die beiden schwächsten Offensivreihen aufeinander. St. Pauli hat 16 Tore erzielt, der HSV 17. Torlos dürfte es am Freitagabend nicht bleiben.
Bei den Kiezkickern ist Mathias Pereira Lage (29) zwar bemüht, aber ihm fehlt noch das Quäntchen Glück. Das hatte zuletzt Ricky-Jade Jones (23), der die HSV-Abwehr mit seinem Tempo vor große Probleme stellen könnte.
Gleiches gilt auf der Gegenseite aber auch für Jean-Luc Dompé (30), wenn er sich denn aufs Wesentliche konzentrieren kann. Damian Downs (21) muss erst noch zeigen, dass er die erhoffte Verstärkung ist. Fábio Vieira (25) dürfte bei einem Lokonga-Einsatz rechtsaußen starten, von ihm sollen die kreativen Momente ausgehen.
Am Ende wird sich zeigen, welche Offensivreihe und welche Formation sich vielleicht ein Ticken mehr das Spielglück erarbeitet hat und das Spiel damit entscheiden konnte.
Titelfoto: IMAGO / KBS-Picture

