Logische Konsequenz oder großer Fehler? Pro und Contra zum Schmitt-Aus beim FSV
Zwickau - Nach zwei 0:3-Niederlagen in Serie musste Cheftrainer Rico Schmitt (58) am Sonntag seinen Hut beim FSV Zwickau nehmen. Die Vereinsführung beendete die gemeinsame Zusammenarbeit nach fast dreieinhalb Jahren, auch um die sportliche Entwicklung wieder in die richtige Richtung zu lenken. Logische Konsequenz des bisherigen Saisonverlaufs oder großer Fehler? TAG24 erörtert Pro und Contra.
Pro
Die Schwäne hat in den letzten drei Saisons stark gemacht, dass man als Einheit auftrat und im Vergleich zur Konkurrenz aus wenig Mitteln viel herausgeholt hat. Die Plätze vier und drei in der Liga, sowie ein Sachsenpokal-Halbfinaleinzug und ein Finaleinzug sprechen für sich.
In dieser Saison sind Spieler, die dies in Zwickau oder anderswo schon unter Beweis gestellt hatten, wie Ben-Luca Moritz (26), der aus Erfurt kam, viel zu oft von ihrem mittleren Leistungsschnitt entfernt - vom Leistungslimit ganz zu schweigen.
Außerdem mussten sich Schmitt und Sportdirektor Robin Lenk (42) oft eingestehen, dass zu viele Ich-AGs auf dem Rasen stehen. Eine Einheit zu formen, ist Aufgabe des Trainers. Schmitt ist das diese Saison vermeintlich nicht gelungen.
Hinzu kommt die enorme Anfälligkeit nach Ballverlusten im eigenen Spielaufbau. Das zieht sich seit der Sommervorbereitung (z. B. Testspiele gegen Fürth II. und Sparta Prag U23), über den Saisonstart (zwischenzeitliches 0:1 in Jena) bis zuletzt (zwischenzeitliches 0:1 beim BFC Preussen) wie ein roter Faden durch. Hier Lösungen zu finden und der Mannschaft an die Hand zu geben, ist Aufgabe des Trainerteams.
Auf die Gegentorflut in Vorbereitung (15 in sieben Partien) und Liga (25 in 15) fanden Schmitt und Co. keine zufriedenstellende Antwort.
Rico Schmitt war authentisch und nahm sich Zeit für die Dinge abseits seiner eigentlichen Arbeit
Contra
Man will den Spielern mit dem Trainerwechsel das Alibi nehmen. Allerdings lieferte die bewusste - und richtige - Festlegung, sich nicht am Wettrüsten in der Liga zu beteiligen ein viel größeres Alibi.
Der FSV hat nicht die finanziellen Möglichkeiten wie Aue oder Altglienicke und kann nur oben mitspielen, wenn alles passt. Mit Max Somnitz (23) oder Andrey Startsev (32) fehlten Leistungsträger wochen- und monatelang verletzungsbedingt. Ob ein Veron Dobruna (26) unter einem neuen Trainer plötzlich weniger Leistungsschwankungen hat, steht in den Sternen.
Schmitt ist ein akribischer Arbeiter. Dass Zwickau nach dem Drittligaabstieg die Talsohle durchschritt und die beschriebenen Erfolge feierte, hat man auch Schmitt zu verdanken. Er hat No-Names zu einer Regionalliga-Spitzenmannschaft geformt und Spieler für höhere Aufgaben attraktiv gemacht. Und er jammerte nie, als die Top-Scorer Jahn Herrmann (25) oder Lukas Eixler (22) wegen besserer Perspektiven ablösefrei gingen.
Schmitt war authentisch und nahm sich auch die Zeit für die Dinge abseits seiner eigentlichen Arbeit. Bei den Feierlichkeiten zum Meisterjubiläum marschierte er natürlich im Fanmarsch mit, zuletzt beim Croy-Jubiläum saß er im Kino. Eine solche Identifikationsfigur und fleißigen Arbeiter müssen Lenk und Co. erst mal finden.
Titelfoto: PICTURE POINT / S. Sonntag

