Hertha BSC: Hat Krise bei Investor 777 Partners Auswirkungen auf die Alte Dame?

Berlin - Mit 777 Partners wollte Hertha BSC nach dem Windhorst-Desaster in ruhigeres finanzielles Fahrwasser steuern, doch der neue Investor steht zurzeit massiv unter Druck.

Der mittlerweile verstorbene Hertha-Präsident Kay Bernstein (†43, l.) und Geschäftsführer Thomas E. Herrich (60, r.) posieren zum Einstieg des neuen Investors 777 Partners mit CEO Josh Wander.
Der mittlerweile verstorbene Hertha-Präsident Kay Bernstein (†43, l.) und Geschäftsführer Thomas E. Herrich (60, r.) posieren zum Einstieg des neuen Investors 777 Partners mit CEO Josh Wander.  © Andreas Gora/dpa

Eigentlich wollte sich die Gruppe mit dem FC Everton ein weiteres Sahnestück für das Portfolio sichern, doch dieses Vorhaben droht nun krachend zu scheitern, denn nach Recherchen des norwegischen Investigativ-Portals Josimarfootball scheint die US-Investmentgesellschaft in ernsten finanziellen Nöten zu stecken.

Demnach sollen die Gründer Josh Wander und Steve Pasko aus dem Vorstand der Fußballabteilung von 777 Partners ausgeschlossen worden sein. Obendrein seien mehrere Finanzexperten angeheuert worden, deren Spezialgebiet die Konkursverwaltung sei.

Auf Hertha BSC hat dieser Vorgang erst einmal keine direkten Auswirkungen. Man habe die aktuellen Entwicklungen bei dem Investor zur Kenntnis genommen, hieß es am Samstagmittag auf der vereinseigenen Homepage.

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"An dieser Stelle gilt es festzustellen, dass die 777 Football Group sämtliche vertraglichen Verpflichtungen gegenüber uns nicht nur erfüllt, sondern sogar vereinbarte Zahlungen frühzeitig geleistet hat", teilten die Berliner mit.

Hütchenspiel oder Schnellballsystem? Hertha-Investor 777 Partners gehörig unter Druck

Gründer Josh Wander soll nicht mehr im Vorstand der Fußballabteilung von 777 Partners sitzen.
Gründer Josh Wander soll nicht mehr im Vorstand der Fußballabteilung von 777 Partners sitzen.  © Andreas Gora/dpa

Zudem dürfe die 777 Group oder etwaige Insolvenzverwalter die Hertha-Aktien nicht ohne "die Zustimmung von Hertha BSC" veräußern. Inwieweit die drohende Insolvenz sich bei den Blau-Weißen auf die Erteilung der Lizenz auswirken könnte, bleibt abzuwarten. Schließlich muss der Hauptstadtklub hier noch bis Ende Mai nachbessern.

Dass es für die Alte Dame auch schlimmer hätte kommen können, zeigt das Beispiel Standard Lüttich. Neben Hertha, dem FC Sevilla, CFC Genua, Vasco da Gama, Melbourne Victory und dem frischgebackenen französischen Zweitligisten Red Star Paris gehören die Belgier zum 777-Fußballportfolio.

Allerdings befindet sich der belgische Traditionsverein in einer gehörigen finanziellen Notlage. Hier sollen sogar unter anderem Gehälter nicht gezahlt worden sein. Als Reaktion hatten Lüttich-Ultras am gestrigen Freitag die Abfahrt ihrer Mannschaft zum Maurice Dufrasne Stadion verhindert, wo am Abend ein Ligaspiel gegen den KVC Westerlo stattfinden sollte.

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Der ehemalige Klub-Eigentümer Bruno Venanzi (53) und auch die Aktionäre der Stadion-Gesellschaft haben 777 Partners verklagt und fordern eine Beschlagnahmung des belgischen Vermögens der Gruppe.

Auch am Bundesgericht von New York sitzt die Investorengruppe auf der Anklagebank. Ihr Londoner Kreditgeber Leadenhall Capital Partners wirft 777 Partners vor, im besten Falle ein riesiges Hütchenspiel und im schlimmsten ein Schneeballsystem zu betreiben.

Titelfoto: Andreas Gora/dpa

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