Bundesliga-Stürmer kritisiert öffentlich seinen Trainer: "Für mich nicht verständlich"
Hamburg - Vom Aufstiegshelden aufs Abstellgleis! Robert Glatzel (32) durchlebt beim Hamburger SV derzeit wohl eine der schwierigsten Phasen seiner Karriere. Nun hat der Angreifer seinem Frust freien Lauf gelassen.
Im Interview mit der "Mopo" erklärte Glatzel, dass seine aktuelle Situation "maximal frustrierend" sei.
Kein Wunder, in der laufenden Saison kam der 32-Jährige bislang nur auf 14 Bundesliga-Einsätze, dreimal stand er dabei in der Startelf. Insgesamt beläuft sich seine Spielzeit auf überschaubare 290 Minuten, in denen ihm immerhin ein Tor und eine Vorlage gelangen.
Das ist kein Vergleich zu den zurückliegen Spielzeiten, in denen er sich 2024 mit 22 Treffern noch die Torjägerkanone der zweiten Liga geholt hat. In der Aufstiegssaison, die er zu großen Teilen verletzungsbedingt verpasste, überzeugte er noch mit zehn Toren in 15 Partien.
Davon ist Glatzel derzeit aber weit entfernt. In den vergangenen vier Begegnungen schmorte er 90 Minuten lang auf der Bank.
"Das ist maximal frustrierend. Auch mit dem Hintergrund, dass ich zuvor zweimal in der Startelf stand und es sich dann wieder komplett gedreht hat", gab er zu. "So eine Situation hatte ich bislang noch nicht. Wenn man bis zum Heidenheim-Spiel zurückgeht, sind es jetzt sogar fünf von sieben Spielen, in denen ich komplett auf der Bank saß, obwohl ich zu 100 Prozent wieder fit bin."
Selbst die Verletzung von Yussuf Poulsen (32) verbesserte seine Situation nicht. "Wenn ich mir die Spiele davor angucke, dann ehrlicherweise nicht", hatte Glatzel bereits erahnt und wusste, dass sich nicht viel ändern würde. "Das Köln-Spiel hat das bestätigt."
Robert Glatzel sucht das direkte Gespräch mit HSV-Trainer Merlin Polzin
Zwischen dem 32-Jährigen und seinem Trainer Merlin Polzin (35) habe es durchaus einen Austausch gegeben.
"Natürlich haben wir auch schon mal darüber geredet", erklärte Glatzel. "Er hat auch seine Begründung, die er mit klar gesagt hat. Dass ich jetzt gar nicht mehr gespielt habe, ist für mich allerdings nicht verständlich."
Nach dem Leverkusen-Spiel Ende Januar suchte der Stürmer schließlich das direkte Gespräch, denn er konnte nicht verstehen, warum er in dieser und auch in den darauffolgenden Partien nicht zum Einsatz kam. "Er hat mir seine Gründe genannt. Darüber möchte ich in der Öffentlichkeit gar nicht sprechen. Das sind interne Themen."
Immer wieder ist allerdings zu hören, dass Glatzel mit seiner Spielweise nicht ins System des HSV passe. "Nein, komplett nachvollziehen kann ich das nicht", gab er zu. "Natürlich hat jeder Trainer eine Spielidee und es hat ja auch schon oft ohne mich gut geklappt." Dennoch könne er einschätzen, wenn es Spiele gebe, in denen andere Tugenden gefragt seien.
War dies der Fall, wusste der Angreifer durchaus zu überzeugen. "Ich glaube, so ein Spielerprofil tut jeder Mannschaft gut. Ob 90 Minuten, 70 Minuten oder auch mal von der Bank, ist nicht entscheidend. Klar ist, dass ich der Mannschaft helfen kann und das auch schon bewiesen habe", sagte er, wissend, dass er bei seinen Einsätzen nicht schlecht gespielt habe.
Robert Glatzel spricht offen über HSV-Abschied
Auch wenn der Frust groß ist, stellt sich Glatzel weiterhin in den Dienst der Mannschaft. "Ich würde niemals etwas abschenken, ob es ein Spiel ist oder ein Training. Dafür liebe ich den Fußball und auch den Verein zu sehr." Er machte deutlich, dass er sich nicht hängen lasse und topfit sei.
Und das aus einem guten Grund. Im Sommer wird er den HSV nach fünf Jahren verlassen und eine neue Herausforderung suchen.
"Ich habe noch ein Jahr Vertrag. Klar ist aber auch, dass ich so eine Situation, wie ich sie in den letzten neun Monaten hatte, auf keinen Fall noch mal erleben will. Das steht für mich fest", sagte er.
Zuvor will er mit dem HSV aber noch den Klassenerhalt feiern. "Das ist das Wichtigste, und das möchte ich auch noch mal ganz klar betonen." Allerdings wisse er auch, dass sich an seiner persönlichen Situation wohl nichts ändern werde.
Titelfoto: WITTERS

