Dynamo stabil, Aue im Negativstrudel, Herthas goldener Jahrgang stolpert erstmals!

Deutschland - Die SGD ist wieder obenauf! Trotz mäßiger Leistungen gewann Dynamo Dresden beim 3:0 gegen Borussia Dortmund II das zweite Spiel in Folge und blieb dabei wieder ohne Gegentor.

Akaki Gogia (30, r.) feierte kurz nach seiner Verpflichtung direkt sein Comeback für Dynamo Dresden.
Akaki Gogia (30, r.) feierte kurz nach seiner Verpflichtung direkt sein Comeback für Dynamo Dresden.  © Lutz Hentschel

Die Defensive hat sich gefunden und agiert gefestigt, was bei dem Personal um Tim Knipping (29), Kevin Ehlers (21) und Claudio Kammerknecht (23) nicht verwundert. Wer es sich leisten kann, einen Jakob Lewald (23) auf der Bank sitzen zu lassen, um den kann es im Abwehrzentrum nicht allzu schlecht bestellt sein.

Doch vor allem dürfte nach den vielen Negativerlebnissen der jüngeren Vergangenheit so langsam wieder das Selbstvertrauen zurückkehren. Nun steht am kommenden Sonntag (13 Uhr) das brisante Auswärtsspiel beim MSV Duisburg an, bei dem ein gewisser Sebastian Mai (28) die Defensive organisiert.

Die Zebras wurden am Wochenende von den Löwen "gefressen" und kassierten beim exzellent auftretenden Spitzenreiter TSV 1860 München eine deutliche 1:4-Pleite, für die sie sich gegen Dynamo sicher rehabilitieren wollen.

Dynamo Dresden testet gegen italienischen Erstligisten
Dynamo Dresden Dynamo Dresden testet gegen italienischen Erstligisten

Die individuelle Klasse dafür hat das Team von Trainer Torsten Ziegner (44), dem mit Marvin Knoll (31) und Leroy Kwadwo (26) sogar noch zwei weitere ehemalige Schwarz-Gelbe verletzt fehlen.

Dresden selbst kann hingegen mit Schwung und Mut in die Begegnung starten, hat mit Spielern wie Ahmet Arslan (28), Stefan Kutschke (33), Manuel Schäffler (33), Dennis Borkowski (20), Christian Conteh (23) sowie den Rückkehrern Niklas Hauptmann (26) und Akaki Gogia (30) doch genügend Akteure, die den Unterschied ausmachen können.

TAG24-Fußballredakteur Stefan Bröhl befasst sich in seiner wöchentlichen Kolumne dieses Mal unter anderem mit Dynamo Dresden, dem FC Erzgebirge Aue und den unterschiedlichen Gefühlslagen bei den beiden sächsischen Drittligisten.
TAG24-Fußballredakteur Stefan Bröhl befasst sich in seiner wöchentlichen Kolumne dieses Mal unter anderem mit Dynamo Dresden, dem FC Erzgebirge Aue und den unterschiedlichen Gefühlslagen bei den beiden sächsischen Drittligisten.  © Picture Point/Gabor Krieg/Sven Sonntag

FC Erzgebirge Aue tief im sportlichen Negativstrudel gefangen

Der FC Erzgebirge Aue steht nach der 1:2-Niederlage im Kellerduell bei Rot-Weiss Essen sportlich mit dem Rücken zur Wand.
Der FC Erzgebirge Aue steht nach der 1:2-Niederlage im Kellerduell bei Rot-Weiss Essen sportlich mit dem Rücken zur Wand.  © picture point/Sven Sonntag

Die Lage beim FC Erzgebirge Aue hat sich weiter zugespitzt. Das richtungsweisende Spiel bei Rot-Weiss Essen wurde mit 1:2 verloren, weshalb die Veilchen nun Tabellenletzter der 3. Liga sind.

Wenn sich an den Ergebnissen und Auftritten nicht bald etwas ändert, drohen die Lila-Weißen in die Regionalliga Nordost durchgereicht zu werden. Von dort ist der Weg nach oben sehr steinig. Das wissen Traditionsvereine wie der BFC Dynamo, 1. FC Lokomotive Leipzig, FC Carl Zeiss Jena, Chemnitzer FC, FC Energie Cottbus oder der SV Babelsberg 03 nur zu gut.

Deshalb muss in Aue nun so langsam mal etwas passieren. Die offensive Harmlosigkeit ist bei der Besetzung im Angriff eigentlich nicht zu erklären. Schließlich haben Dimitrij Nazarov (32), Elias Huth (25) und Boris Tashchy (29) in der Vergangenheit nachgewiesen, dass sie in dieser Spielklasse mehr als nur mithalten können.

Dynamos sind nicht allein in New York: SGD-Trio sendet sportliche Urlaubs-Grüße
Dynamo Dresden Dynamos sind nicht allein in New York: SGD-Trio sendet sportliche Urlaubs-Grüße

Ein wirklich funktionierendes Gebilde ist der FC Erzgebirge aktuell allerdings nicht. Die Stürmer sind nahezu alle außer Form bzw. haben kein Selbstvertrauen, in der Abwehr erlaubt sich die Mannschaft von Trainer Timo Rost (44) zu viele Schnitzer und im Mittelfeld fehlt die klare Struktur.

Bekommt der Coach diese gravierenden Probleme mit seinem Team nicht zeitnah in den Griff, wird es für ihn langsam eng. Denn drei Punkte aus sieben Partien bei 4:11 Toren sind in jederlei Hinsicht zu wenig und leider auch die Bilanz eines Absteigers. Dabei steckt (für Drittliga-Verhältnisse) eigentlich so viel Qualität im Kader ...

U19 von Hertha BSC unterschätzt den Berliner Athletik Klub 07, wird bestraft und spielt nur 3:3!

Der BAK um Innenverteidiger Raphael Dorra (18, r.) warf gegen Hertha um Sturmtank Oliver Rölke (17, v.-l.) alles in die Waagschale und verdiente sich den ersten U19-Bundesliga-Punkt der Vereinsgeschichte redlich.
Der BAK um Innenverteidiger Raphael Dorra (18, r.) warf gegen Hertha um Sturmtank Oliver Rölke (17, v.-l.) alles in die Waagschale und verdiente sich den ersten U19-Bundesliga-Punkt der Vereinsgeschichte redlich.  © Stefan Bröhl

Ein Duell von David gegen Goliath gab es am Samstag im Poststadion. In der A-Junioren Bundesliga trafen in der Staffel Nord/Nordost der Berliner Athletik Klub 07 und Hertha BSC aufeinander. Am Ende hieß es 3:3 (1:1).

Der Aufsteiger war vor der Partie Schlusslicht mit 1:7 Toren und null Punkten aus drei Begegnungen. Hertha führte das Feld nach dem 4:0 gegen RB Leipzig, dem 5:0 bei Hannover 96 und dem 5:1 gegen den FC Hansa Rostock hingegen als überlegener Spitzenreiter an.

So konnte man im Vorhinein durchaus darüber spekulieren, ob die jungen Wilden der "Alten Dame" hier zweistellig gewinnen würden. Pustekuchen!

Denn die Athleten waren zwar individuell unterlegen, agierten aber mutig, wuselig, setzten immer wieder Nadelstiche nach vorn, ließen sich von Fehlern und Rückschlägen nicht aus dem Tritt bringen und glaubten bis zur letzten Sekunde an sich selbst. All das unterschätzte Hertha. Die Mannschaft von Trainer Oliver Reiß (39) sowie Assistent Andreas Thom (56) kostete sich selbst zwei fest eingeplante Zähler, weil sie sich zu sehr auf die deutlich höhere individuelle Klasse verlassen hatte.

Man dominierte den BAK, agierte jedoch fahrig, spielte zu viele Fehlpässe, war defensiv zu sorglos, brachte den Ball nicht oft sowie vor allem entschlossen genug ins letzte Drittel, vergab dort außerdem zu viele Chancen und hatte trotz Größenvorteilen immer wieder Probleme mit den Hausherren, die sich mit vollem Einsatz in die Zweikämpfe warfen und sich gegenseitig anfeuerten.

Klasse Ballannahme von Bence Dardai (16, M.) ...
Klasse Ballannahme von Bence Dardai (16, M.) ...  © Stefan Bröhl
... der sich das Leder perfekt in den Lauf legt ...
... der sich das Leder perfekt in den Lauf legt ...  © Stefan Bröhl
... mit dem rechten Vollspann abschließt ...
... mit dem rechten Vollspann abschließt ...  © Stefan Bröhl
... an BAK-Keeper Finn Schüler (17, v.-r.) vorbei, der zwar noch mit den Fingerspitzen dran ist ...
... an BAK-Keeper Finn Schüler (17, v.-r.) vorbei, der zwar noch mit den Fingerspitzen dran ist ...  © Stefan Bröhl
... das Spielgerät aber passieren lassen muss ...
... das Spielgerät aber passieren lassen muss ...  © Stefan Bröhl
... sodass es zum 1:0 für die U19 von Hertha BSC im Athleten-Kasten einschlägt ...
... sodass es zum 1:0 für die U19 von Hertha BSC im Athleten-Kasten einschlägt ...  © Stefan Bröhl
... und Bence Dardai (16, 2.v.r.) zum Jubeln abdrehen kann.
... und Bence Dardai (16, 2.v.r.) zum Jubeln abdrehen kann.  © Stefan Bröhl

Bence Dardai aufseiten von Hertha BSC gegen den Berliner AK trotz verschossenem Elfmeter bester Mann

Top-Torjäger Leander Popp (17, l.) wurde von der BAK-Verteidigung immer wieder grenzwertig gestoppt, haderte deshalb sowie wegen vieler Abseitsentscheidungen mit dem Schiedsrichtergespann und wirkte nicht so fokussiert wie gewohnt.
Top-Torjäger Leander Popp (17, l.) wurde von der BAK-Verteidigung immer wieder grenzwertig gestoppt, haderte deshalb sowie wegen vieler Abseitsentscheidungen mit dem Schiedsrichtergespann und wirkte nicht so fokussiert wie gewohnt.  © Stefan Bröhl

Hertha haderte hingegen, ganz besonders der sonst überragende deutsche U17-Nationalangreifer Leander Popp (17) diskutierte auf "seiner" rechten Außenbahn regelmäßig mit dem Linienrichter, teilweise auch mit dem Unparteiischen selbst.

Er wurde zwar oft hart angegangen, lief aber tatsächlich immer wieder ins Abseits und wirkte durch die Diskussionen nicht fokussiert genug. Dabei ist er sonst ein absoluter Unterschiedsspieler, was sechs Treffer und eine Vorlage in zuvor drei Einsätzen belegen.

Gegen den BAK tat sich deshalb vor allem ein anderer namhafter Spieler hervor: Bence Dardai (16). Der jüngste Sohn von Hertha-Legende Pal (46) ist im offensiven Mittelfeld gesetzt, zieht dort mit seiner Spielintelligenz, Übersicht, Technik, engen Ballführung und Klasse die Fäden und trug sich zudem auch in die Torschützenliste ein. Das 1:0 erzielte der deutsche U16-Nationalkicker auf unwiderstehliche Art und Weise (21. Minute).

Darüber hinaus bereitete er später mit einer Ecke auch das 3:2 von Abwehrkante Peter Matiebel (17) vor (85.). Es gab allerdings auch einen Schönheitsfleck, denn Dardai verschoss einen Elfmeter. Auch deshalb schlugen die Athleten jedes Mal zurück. Kurz vor der Pause spielten Kapitän Ali Baran Akdag (18) und Biyan Kizildemir (18) einen Konter hervorragend aus, letzterer behielt die Ruhe sowie Übersicht und schoss zum 1:1 ein (44.).

Nach dem 2:1 für Hertha durch einen platzierten Distanzschuss vom türkischen U18-Nationalspieler Teoman Gündüz (18) glichen die Gastgeber durch Julius Kliti (18) per Elfmeter zum 2:2 aus. Er ließ Herthas Keeper Tim Goller (17), der den Strafstoß beim Herauskommen verschuldet hatte, mit seinem wuchtigen sowie platzierten Schuss keine Chance.

Bence Dardai verschoss diesen Elfmeter für die U19 von Hertha BSC gegen den Berliner AK 07

Leander Popp (17, l.) steht frei ...
Leander Popp (17, l.) steht frei ...  © Stefan Bröhl
... nimmt den Ball artistisch in der Luft volley ...
... nimmt den Ball artistisch in der Luft volley ...  © Stefan Bröhl
... und bezwingt BAK-Torwart Finn Schüler (17, r.) ...
... und bezwingt BAK-Torwart Finn Schüler (17, r.) ...  © Stefan Bröhl
... der sich allerdings nur kurzzeitig ärgern musste ...
... der sich allerdings nur kurzzeitig ärgern musste ...  © Stefan Bröhl
... denn das Tor zählte wegen Abseits nicht, was den deutschen U17-Nationalangreifer (v.) hier sichtlich ärgert.
... denn das Tor zählte wegen Abseits nicht, was den deutschen U17-Nationalangreifer (v.) hier sichtlich ärgert.  © Stefan Bröhl
Bence Dardai (2.v.r.) behält in dieser Szene die Übersicht und legt klasse in die Mitte quer ...
Bence Dardai (2.v.r.) behält in dieser Szene die Übersicht und legt klasse in die Mitte quer ...  © Stefan Bröhl
... wo Sturmtank Oliver Rölke (l.) einläuft und nur noch einschieben muss ...
... wo Sturmtank Oliver Rölke (l.) einläuft und nur noch einschieben muss ...  © Stefan Bröhl
... die Kugel aber knapp verpasst ...
... die Kugel aber knapp verpasst ...  © Stefan Bröhl
... was den deutschen U17-Nationalstürmer selbst am meisten ärgert.
... was den deutschen U17-Nationalstürmer selbst am meisten ärgert.  © Stefan Bröhl

Hertha BSC bekommt vom Berliner Athletik Klub 07 zur richtigen Zeit einen Schuss vor den Bug

Biyan Kizildemir (18, 2.v.r.) glich für den BAK nach einem stark ausgespielten Konter zum 1:1 aus, hier behauptet er den Ball gegen Herthas Rechtsverteidiger Sebastian Weiland (17, 2.v.l.), während unter anderem Bence Dardai (16, r.) die Szene beobachtet.
Biyan Kizildemir (18, 2.v.r.) glich für den BAK nach einem stark ausgespielten Konter zum 1:1 aus, hier behauptet er den Ball gegen Herthas Rechtsverteidiger Sebastian Weiland (17, 2.v.l.), während unter anderem Bence Dardai (16, r.) die Szene beobachtet.  © Stefan Bröhl

Als Matiebel dann kurz vor Schluss zur erneuten Hertha-Führung traf, schien die Partie entschieden zu sein. Doch wieder durfte man sich beeindruckt vom BAK zeigen, der nun alles nach vorne warf, die Gäste-Konter überstand und in der Nachspielzeit durch den kurz zuvor eingewechselten Dominic Kanyi (18) zum 3:3-Endstand traf (90.+1), was bei vielen der 264 Fans Begeisterungsstürme auf der Tribüne auslöste.

Für die "Alte Dame" war es möglicherweise ein Rückschlag zum richtigen Zeitpunkt, durch den die junge Truppe vor Augen geführt bekommt, dass es trotz der herausragenden Qualität nicht (immer) reicht, nur auf Sparflamme zu spielen.

Gerade vor dem nächsten Stadtderby in der 1. Runde des DFB-Pokals der A-Junioren (Sonntag, 11 Uhr) beim FC Hertha 03 Zehlendorf eine wichtige Lektion für den nächsten goldenen BSC-Jahrgang, der sich in dieser Staffel eigentlich nur selbst schlagen kann.

Durch den Punktverlust ist man übrigens nicht mehr Spitzenreiter, weil Dynamo Dresdens U19 mit 8:1 Toren und zwölf Punkten aus vier Begegnungen überragt.

Foulelfmeter für den Berliner AK: Julius Kliti (18, l.) tritt an ...
Foulelfmeter für den Berliner AK: Julius Kliti (18, l.) tritt an ...  © Stefan Bröhl
... schießt halbhoch in die von ihm aus gesehen linke Ecke, in die auch Herthas Keeper Tim Goller (17, r.) springt ...
... schießt halbhoch in die von ihm aus gesehen linke Ecke, in die auch Herthas Keeper Tim Goller (17, r.) springt ...  © Stefan Bröhl
... doch der deutsche U17-Nationalkeeper, der den Elfer zuvor verschuldet hatte, kann den Einschlag nicht verhindern, 2:2!
... doch der deutsche U17-Nationalkeeper, der den Elfer zuvor verschuldet hatte, kann den Einschlag nicht verhindern, 2:2!  © Stefan Bröhl
Kurz vor Schluss, Eckball für Hertha BSC ...
Kurz vor Schluss, Eckball für Hertha BSC ...  © Stefan Bröhl
... Abwehrkante Peter Matiebel (17, 2.v.l.) schraubt sich hoch ...
... Abwehrkante Peter Matiebel (17, 2.v.l.) schraubt sich hoch ...  © Stefan Bröhl
... und köpft wuchtig zum 3:2 für Hertha ein ...
... und köpft wuchtig zum 3:2 für Hertha ein ...  © Stefan Bröhl
... der Jubel ist ausgelassen, währte aber nur kurz.
... der Jubel ist ausgelassen, währte aber nur kurz.  © Stefan Bröhl

Für den BAK wäre der Klassenerhalt hingegen schon fast eine Sensation, weil man auch in dieser Saison noch die Corona-Nachwirkungen spürt. So steigen am Ende gleich fünf von 17 Vereinen ab, damit die Staffel wieder auf 14 Klubs reduziert werden kann. Es wäre erstaunlich, wenn alle fünf Hauptstadtvereine um die beiden Herthas, die Athleten, den 1. FC Union Berlin und FC Viktoria 1889 Berlin die Klasse halten könnten.

Titelfoto: Picture Point/Gabor Krieg/Sven Sonntag

Mehr zum Thema Dynamo Dresden: