Ex-Dynamo Robert Andrich im Exklusivinterview über Wechsel nach Dresden: "Riesig über das Interesse gefreut"

Leverkusen - Der Lohn harter Arbeit! Robert Andrich (27) läuft mittlerweile für Bayer 04 Leverkusen auf und ist bei dem deutschen Top-Klub mit internationalen Ambitionen gesetzt. Nicht vergessen hat er jedoch seine Wurzeln, wo seine Karriere begonnen und Fahrt aufgenommen hat.

Riesenjubel: Robert Andrich (27) führte Bayer 04 Leverkusen am 25. November 2021 mit seinem Doppelpack gegen Celtic Glasgow zum 3:2-Heimsieg und sicherte der Werkself so den Einzug in die nächste Europa-League-Runde.
Riesenjubel: Robert Andrich (27) führte Bayer 04 Leverkusen am 25. November 2021 mit seinem Doppelpack gegen Celtic Glasgow zum 3:2-Heimsieg und sicherte der Werkself so den Einzug in die nächste Europa-League-Runde.  © dpa/Marius Becker

Erst mit dem Kopf, dann mit der linken Klebe: Per Doppelpack verhalf Andrich seinem aktuellen Arbeitgeber im November zu einem 3:2-Erfolg gegen Celtic Glasgow. Es war der vorzeitige Einzug in die K.o-Runde der Europa League - der wohl größte Erfolg seiner bisherigen Laufbahn.

Angefangen hat aber alles in Potsdam. Am 22. September 1994 wurde der zentrale Mittelfeldmann in der Filmstadt geboren. Dort kickte er auch in seinem ersten Verein, bevor es im Alter von acht Jahren in die Jugendabteilung von Hertha BSC ging.

Weil der Sprung in die erste Mannschaft nicht klappen sollte, wechselte er zur SG Dynamo Dresden - seiner ersten Profistation. Bei den Schwarz-Gelben reifte er vor allem als Person und lernte unter anderem, mit Rückschlägen umzugehen.

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Über die Stationen SV Wehen Wiesbaden und 1. FC Heidenheim landete Andrich in der Bundesliga, wo er mit dem 1. FC Union Berlin in der Saison 2019/20 den vorzeitigen Klassenerhalt eintütete und in der darauffolgenden Saison die Qualifikation für die Conference League schaffte.

Seit vergangenem Sommer ist der ehemalige deutsche Junioren-Nationalspieler ein wichtiges Bindeglied in Leverkusen. Mit der Werkself hat er in den nächsten Jahren noch Großes vor und hofft unter anderem auf eine Nominierung ins DFB-Team. Mit TAG24 sprach Andrich im Exklusivinterview ausführlich über seinen bisherigen Karriereweg.

Robert Andrich über Dynamo Dresden: "Absoluter Traditionsklub"

Robert Andrich (27) spielte von Sommer 2003 bis Anfang Februar 2015 in der Jugend von Hertha BSC.
Robert Andrich (27) spielte von Sommer 2003 bis Anfang Februar 2015 in der Jugend von Hertha BSC.  © Stefan Bröhl

TAG24: Sie sind 2015 zu Dynamo Dresden in die 3. Liga gewechselt. Das war Ihre erste Station fernab Ihrer Heimat Potsdam/Berlin. Was war damals der Beweggrund, diesen Schritt zu gehen?

Andrich: "Ich habe vorher in der U23 von Hertha BSC gespielt, hatte dort einen Profivertrag und durfte auch ab und zu bei der ersten Mannschaft mittrainieren. Ich merkte aber, dass für eine Weiterentwicklung einen neuen Impuls brauchte. Dann kam das Angebot von Dynamo.

Ich habe mich riesig über das Interesse gefreut, denn ich habe Familienangehörige, die aus der Region kommen. Außerdem ist Dynamo ein absoluter Traditionsklub und hatte damals als Drittligaverein große Ambitionen, in die 2. Bundesliga aufzusteigen.

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Beim Wechsel ging dann alles sehr schnell. Innerhalb von ein, zwei Tagen gingen die Verhandlungen über die Bühne. Ich habe meinen Vertrag in Berlin aufgelöst und musste noch am selben Tag in Dresden zur Unterschrift sein. Das war alles ziemlich knapp."

Zeit bei Dynamo Dresden für Robert Andrich "nicht so einfach"

Robert Andrichs (27, 2.v.l.) erste Profistation war Dynamo Dresden. Dort konnte er sich allerdings noch nicht entscheidend durchsetzen, lernte aber viel für seine Karriere.
Robert Andrichs (27, 2.v.l.) erste Profistation war Dynamo Dresden. Dort konnte er sich allerdings noch nicht entscheidend durchsetzen, lernte aber viel für seine Karriere.  © Lutz Hentschel

TAG24: Besonders in der zweiten Saison bei Dynamo kamen Sie nur noch wenig zum Einsatz. Warum haben Sie sich im Team von Cheftrainer Uwe Neuhaus damals nicht durchsetzen können?

Andrich: "Insgesamt gesehen war das eine nicht so einfache Zeit für mich. Ich war noch relativ jung und in manchen Dingen vom Kopf her auch noch nicht so bereit. Ich muss aber auch sagen, dass wir als Mannschaft zu dieser Zeit sehr erfolgreich waren. Da gab es elf Spieler, die so gut wie nie verletzt oder gesperrt waren, es hat eigentlich immer dieselbe Elf gespielt.

Für den Trainer gab es keinen Grund, groß etwas zu verändern. Für mich war es allerdings nicht einfach. Im Training habe ich immer versucht, Gas zu geben, bin aber meist nur zwischen Tribüne und Bank hin und her gependelt.

Ich glaube aber, für meine Entwicklung war das gar nicht so schlecht. Zum Glück ging es ab da nur noch bergauf."

Robert Andrich reifte beim 1. FC Heidenheim und SV Wehen Wiesbaden

Robert Andrich (27, r.) zeigte beim 1. FC Heidenheim starke Leistungen.
Robert Andrich (27, r.) zeigte beim 1. FC Heidenheim starke Leistungen.  © picture point/Sven Sonntag

TAG24: Über die Umwege SV Wehen Wiesbaden und 1. FC Heidenheim sind Sie in Ihre Heimat zurückgekehrt, Sie sind beim 1. FC Union Berlin gelandet und dort zum Bundesliga-Profi gereift. In welchen Bereichen haben Sie sich bis dahin entwickelt? Und wie sehr haben Sie daran geglaubt, eines Tages dort zu landen, wo Sie jetzt sind?

Andrich: "Ich habe immer daran geglaubt - auch in meiner nicht einfachen Zeit in Dresden. Klar hätte ich bei Dynamo bleiben und mit in die 2. Bundesliga aufsteigen können, aber ich wollte unbedingt auf dem Platz stehen, was in meinem Alter damals enorm wichtig war.

In den zwei Jahren in Wiesbaden habe ich mich dann auch persönlich noch mal sehr weiterentwickelt. Wenn man viele Spiele bestreitet, dann reift man nicht nur als Person, sondern gewinnt auch an Erfahrung dazu. Das war gut für meine Entwicklung. Jeder Wechsel hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin."

Robert Andrich über erstes Spiel mit dem 1. FC Union Berlin gegen Hertha BSC: "Kein alltägliches Match"!

Robert Andrich (27, v.-l.) entwickelte sich beim 1. FC Union Berlin zu einem überdurchschnittlichen Bundesliga-Spieler.
Robert Andrich (27, v.-l.) entwickelte sich beim 1. FC Union Berlin zu einem überdurchschnittlichen Bundesliga-Spieler.  © Picture Point/Roger Petzsche

TAG24: Wie ist das für einen bei der Hertha ausgebildeten Spieler, wenn er fünf Jahre später beim Rivalen Union Berlin aufläuft?

Andrich: "Bei meinem ersten Berliner Derby als Unioner haben wir zu Hause mit 1:0 gewonnen. Damals noch mit Zuschauern, mit einem vollen Haus an der Alten Försterei. In dem Spiel war ich schon sehr motiviert. Ich habe elf Jahre lang zu diesem Verein gehört, mir war es sehr wichtig den Leuten zu zeigen: 'Ich kann Bundesliga spielen! Ich habe es durch Umwege geschafft.' Trainer der Hertha war Ante Covic, der einst mein U23-Trainer war. Das war für mich kein alltägliches Match mit Union."

TAG24: Sie zählten bei der Hertha zu Ihrer Zeit mit zu den Top-Talenten im Nachwuchs. Warum ist der Durchbruch dort nicht gelungen?

Andrich: "Viel wurde damals nicht gesprochen. Es gab nur eine klare Aussage, die lautete: 'Wenn es einen Verein gibt, zu dem Sie wechseln können, dann legen wir Ihnen keine Steine in den Weg.' Ich bin aber nicht nachtragend. Wie gesagt: Jeder meiner Wechsel war wichtig für meine Entwicklung."

Ohne Druck: Robert Andrich hofft auf Nominierung für das DFB-Team

Robert Andrich (27) absolvierte für Deutschland insgesamt 18 Junioren-Länderspiele.
Robert Andrich (27) absolvierte für Deutschland insgesamt 18 Junioren-Länderspiele.  © Imago Images/Christian Schroedter

TAG24: Allgemein ist zu erkennen, dass viele Talente im Hertha-Nachwuchs groß geworden sind. Warum schaffen es letztendlich nur wenige den Durchbruch?

Andrich: "Man spricht immer davon, dass die Nachwuchsarbeit bei der Berliner Hertha eine der besten Deutschlands ist. Aber so richtig oben ankommen tun nur wenige Spieler. Woran das liegt, kann ich nicht so genau bewerten. Ich kann da nur aus meiner persönlichen Erfahrung sprechen.

Es ist aber schon so, wenn die sportliche Führung darauf setzt, junge Spieler oben ankommen zu sehen, dann wird es für die 17- oder 18-Jährigen leichter. Ist das nicht der Fall, gehen viele Talente weg. Weil sie woanders eine bessere Perspektive aufgezeigt bekommen."

TAG24: Sie waren U-Nationalspieler, standen 2012 unter anderem beim 3:1-Erfolg gegen Englands U19 über 90 Minuten auf dem Platz. Machten Sie sich damals Hoffnungen, auch selbst für die A-Nationalmannschaft nominiert zu werden? Und wie denken Sie heute darüber?

Andrich: "Wer diese Hoffnungen nicht hat, sollte mit dem Profifußball aufhören. Man sollte immer nach dem Höchsten streben. Wenn irgendwann mal eine Nominierung dabei herauskommen sollte, dann freue ich mich natürlich darüber, aber ich mache mir da überhaupt keinen Druck."

Robert Andrich: "Image ist mir gar nicht so wichtig"

Robert Andrich (27, o.) stellt seinen Torinstinkt bei Bayer 04 Leverkusen regelmäßig unter Beweis.
Robert Andrich (27, o.) stellt seinen Torinstinkt bei Bayer 04 Leverkusen regelmäßig unter Beweis.  © dpa/Marius Becker

TAG24: Zu Ihrer jetzigen Station in Leverkusen: Sie sind zu einem Klub gewechselt, der Champions-League-Ambitionen hegt. Sie haben einen Fünfjahresvertrag unterschrieben. Was sind Ihre Ziele mit der Werkself?

Andrich: "Das ist gerade einmal meine erste Saison hier in diesem Verein. Ich habe mich sehr gut hier eingelebt - auch neben dem Platz. Wir sind eine sehr junge Mannschaft mit viel Potenzial. Was aber noch fehlt, ist die Konstanz im Spiel. Das ist auch eine Sache, auf die ich als älterer Spieler einwirken soll. Meine Aufgabe ist es, das Gebilde zusammenzuhalten. Das klappt mal besser und mal nicht so gut."

TAG24: Sie gelten als Mentalitätsspieler und werden als harter Hund auf dem Platz wahrgenommen, der gern mal die Brechstange rausholt. Was halten Sie von ihrem Image? Sehen Sie sich selbst auch so?

Andrich: "Image ist mir gar nicht so wichtig. Mir kommt es mehr darauf an: Wie sehen mich meine Mitspieler? Wie sehr kann ich ihnen mit meiner Art und Weise weiterhelfen? Und wie sehen mich meine Freunde? Bis jetzt hat sich von denen noch keiner von mir abgewendet. Höchstens wurde mal gesagt, ich soll in manchen Aktionen noch ein wenig cleverer sein. Im Grunde genommen bin ich mit mir recht zufrieden."

Robert Andrich und Bayer 04 Leverkusen wollen Serie von vier sieglosen Spielen in Folge beenden

Robert Andrich (27, r.) will mit Bayer 04 Leverkusen die Kurve kriegen und wieder in die Erfolgsspur finden.
Robert Andrich (27, r.) will mit Bayer 04 Leverkusen die Kurve kriegen und wieder in die Erfolgsspur finden.  © Picture Point / Roger Petzsche

TAG24: Sie sind zentraler Mittelfeldspieler. In 20 Pflichtpartien für Bayer 04 haben Sie bereits fünf Tore erzielt, darunter ein Doppelpack in der Europa League gegen Celtic Glasgow. Ist diese Torgefahr darauf zurückzuführen, dass Sie früher mal als Stürmer eingesetzt wurden - so wie 2014 bei Hertha II?

Andrich: "Ja, und es half auf jeden Fall auch, dass ich bis zum Großfeldwechsel als Stürmer gespielt habe. Von daher hat man so ein paar Laufwege und Instinkte drin, in gewissen Situationen mit nach vorn zu gehen. Je nachdem, welche Aufgabe ich im Spiel habe, versuche ich da auch mit einzuwirken. Natürlich liegt das Augenmerk darauf, den Laden hinten dicht zu halten, aber offensiv kann man von meiner Position aus auch erfolgreich sein."

TAG24: Aktuell hat Ihr Team seit vier Liga-Partien nicht mehr gewonnen. Woran hapert’s derzeit?

Andrich: "Zurzeit kriegen wir zu viele Gegentore. Es ist zu einfach, gegen uns ein Tor zu schießen. Wenn das ständig der Fall ist, dann wird es schwer, Spiele zu gewinnen. Wir können uns nicht immer darauf verlassen, dass wir drei Tore pro Begegnung erzielen. Dass wir gegen Hoffenheim eine 2:0-Führung noch hergegeben haben und gegen Freiburg das 1:1 nicht über die Ziellinie retten konnten - das sind alles Erfahrungen, aus denen wir lernen müssen. Wir wissen aber auch, dass wir Ergebnisse liefern müssen und auch wollen."

TAG24: Nun geht es zum kleinen Rheinderby zu Borussia Mönchengladbach. Das Hinspiel konnte Ihr Team mit 4:0 gewinnen. Eigentlich stecken die Fohlen in einer Krise, aber dank des 2:1-Sieges gegen den FC Bayern München strotzen sie vor neuem Selbstvertrauen. Was erwarten Sie von der Begegnung?

Andrich: "Ich glaube, dass das ein sehr interessantes Duell wird. Ich denke aber auch, dass es nicht so ein Spiel wird wie in der Hinrunde. Die Gladbacher haben viel Potenzial und auch Qualität, was sie in dieser Saison noch nicht so oft haben zeigen können. Ich glaube schon, dass in der Rückrunde mehr kommen kann und auch wird. Aber erst nach Samstag. Das ist unser Ziel."

Titelfoto: Lutz Hentschel

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