Experten arbeiten Aufstiegs-Randale auf: So kam es zu den Krawallen bei Dynamo

Dresden - Der 16. Mai 2021 war einer der schönsten und gleichzeitig schwärzesten Tage in der jüngeren Vereinsgeschichte von Dynamo Dresden. Knapp fünf Monate später ist die Aufarbeitung der schweren Krawalle noch immer in vollem Gang. In einer Expertenanhörung wurden am Montag Vertreter von Polizei, Verein, Fans und Medien gehört.

Die Aufnahmen des Polizei-Hubschraubers zeigen, dass die Angriffe von den "Fans" ausgingen.
Die Aufnahmen des Polizei-Hubschraubers zeigen, dass die Angriffe von den "Fans" ausgingen.  © Holm Helis

Dabei ist klar geworden: Obwohl Dynamo in den vergangenen Jahren vieles richtig gemacht hat und oft als positives Beispiel für die Fanarbeit diente, reichten Fehler in der Kommunikation und wenige Krawallmacher aus, damit die Lage eskalierte.

So wurde erst zwei Tage vor dem Spiel deutlich gesagt, dass es keine Chance geben wird, gemeinsam zu feiern und die Mannschaft zu sehen.

Das sei viel zu spät gewesen, kritisiert Ronald Bec vom Fanprojekt Dresden.

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So sei laut Sportreporter René Kindermann (46) die Hoffnung der Fans genährt worden.

Doch die Corona-Verordnung des Freistaates erlaubte anders als die anderer Bundesländer keine Ausnahmen für irgendeine Form von Aufstiegsfeier.

Ideen wie eine Fahrt der Mannschaft auf einem Schiff der Weißen Flotte oder per Stadtrundfahrtsbus durch die Stadt, an denen Dynamo nach Angaben von Geschäftsführer Jürgen Wehlend seit Januar gearbeitet hatte, waren damit vom Tisch.

Polizei-Einsatzleiter Hendrik Schlicke.
Polizei-Einsatzleiter Hendrik Schlicke.  © Holm Helis

Ansammlung der Dynamo-Fans im Großen Garten verselbstständigte sich

Die Anhörung fand in der Dresdner Messe statt.
Die Anhörung fand in der Dresdner Messe statt.  © Holm Helis

Die Fans haben sich die Feier dann im Großen Garten selbst organisiert.

Wie Videoaufnahmen aus dem Polizei-Helikopter zeigen, bildete sich von dort irgendwann ein Zug, der mit Pyrotechnik zum Stadion zog und die Polizei angriff. Der Rest ist Geschichte.

"Das Konzept hat bis zur 63. Minute getragen und hätte es auch bis zum Schluss, wenn nicht Gewalt von dieser Gruppe ausgegangen wäre", sagt der damalige Einsatzleiter Hendrik Schlicke.

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An den bestehenden Konzepten seien deshalb nach Ansicht aller Beteiligten nur "Feinjustierungen" nötig.

Das könnten neue Dialogformate zwischen Verein, Fans und Sicherheitsbehörden sein.

"Wir sind außerhalb des Stadions nicht zuständig, aber fühlen uns trotzdem verantwortlich", sagt SGD-Geschäftsführer Jürgen Wehlend.
"Wir sind außerhalb des Stadions nicht zuständig, aber fühlen uns trotzdem verantwortlich", sagt SGD-Geschäftsführer Jürgen Wehlend.  © Holm Helis
Auch Ordnungsbürgermeister Detlef Sittel (54, CDU) kam zu Wort.
Auch Ordnungsbürgermeister Detlef Sittel (54, CDU) kam zu Wort.  © Holm Helis

Dynamo schlägt zurück Stadionverbot für Krawallos

Von den Randalierern, gegen die ein Stadionverbot verhängt wurde, sind nur elf Vereinsmitglieder und 13 registrierte Ticketkäufer.
Von den Randalierern, gegen die ein Stadionverbot verhängt wurde, sind nur elf Vereinsmitglieder und 13 registrierte Ticketkäufer.  © Franz Maler

185 verletzte Polizisten, von denen elf im Krankenhaus behandelt werden mussten, mehrere verletzte Dynamo-Fans, 30 beschädigte Polizeifahrzeuge und ein Sachschaden von mehreren 10 000 Euro: Das ist die erschreckende Bilanz der Ausschreitungen von 500 gewaltbereiten Dynamo-Anhängern am 16. Mai.

Mit einem Hinweisportal, öffentlichen Fahndungen mit den Fotos von 80 Tatverdächtigen und einer großen Razzia im Juli konnten bislang 222 Personen ermittelt werden.

Von denen sind nach Polizeiangaben fünf im Rahmen der Ermittlungen festgenommen worden. Gegen drei mutmaßliche Randalierer hat die Staatsanwaltschaft Dresden bislang Anklage erhoben.

Ein weiterer wurde im Juli in einem beschleunigten Verfahren zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung verurteilt. Gegen das Urteil hat die Staatsanwaltschaft jedoch Berufung eingelegt.

Dynamo Dresden hat unterdessen Dutzende Stadionverbote verhängt.

Bis Anfang September gab es dafür 102 Anträge. Bei 80 Prozent der bearbeiteten Anträge wurde ein solches Verbot erlassen.

Titelfoto: Holm Helis

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