Wut-Rede des Jahres nach Pleite in Dresden! Darmstadt-Torhüter platzt der Schiri-Kragen
Dresden/Darmstadt - Am Freitagabend riss die Serie von 13 ungeschlagenen Spielen beim SV Darmstadt 98 in der 2. Bundesliga, nach dem Abpfiff platzte Kapitän und Torhüter Marcel Schuhen (33) der Kragen. In einem Interview bei Sky ging er nach der 1:3-Niederlage bei Dynamo Dresden in ungewohnt deutlicher Manier auf Schiedsrichter Lars Erbst (31) und auch den DFB los.
"Für uns als Darmstadt 98, die niemals Ausreden suchen, ist so eine Ansetzung von so einem Schiedsrichter bei so einem emotionalen Spiel eine absolute Vollkatastrophe. Ich glaube, wir brauchen gerade in so einer Situation, wo wir uns im Aufstiegskampf befinden, Schiedsrichter, die so eine Stimmung auch gewohnt sind, die wissen, was passiert, die wissen, was hier abgehen kann. Für Fußballer gibt es absolut nichts Geileres, als in diesem Stadion zu spielen, aber leider hat es der Schiri heute entschieden", sprudelte es aus einem sichtlich emotional angeschlagenen Keeper heraus.
Zwei Szenen waren in diesem Duell im hitzigen Hexenkessel Rudolf-Harbig-Stadion entscheidend: Gleich in der 7. Minute hatte Dresdens Innenverteidiger Thomas Keller (26) den Top-Torjäger der Lilien, Isac Lidberg (27), auf dem Weg zum Tor am Trikot gezogen und zu Fall gebracht. Der Unparteiische aus Gerlingen zeigte Gelb, Darmstadt forderte Rot, weil der Angreifer durch war, Keller der letzte Mann, auch wenn der Weg zum gegnerischen Kasten noch weit gewesen wäre.
Im Anschluss schubste Keller Lidberg noch zweimal von hinten, beide Szenen blieben ebenfalls ohne Konsequenzen. In der 42. Minute foulte Patric Pfeiffer (26) an der Strafraumgrenze dann Ben Bobzien (22). Der Innenverteidiger der Lilien war nicht letzter Mann. Erbst fasste sich erst an die Brusttasche für die Gelbe Karte, zog dann aber plötzlich den Roten Karton aus der Hose.
Wut des Darmstadt-Torhüters Marcel Schuhen auf Schiedsrichter Lars Erbst und den DFB
Auf die Frage, ob Schuhen als Kapitän versucht habe, mit dem Schiri zu sprechen, sagte er: "Ich hab's probiert, mit Vorsicht, sonst bin ich ja der Nächste, der in dem Moment ne Gelbe Karte bekommt. Da wurde nur gesagt, hier wird gar nichts gecheckt. Es ist alles so, wie es ist, es ist alles korrekt. Für mich ein absoluter Wahnsinn und ich glaube, es ist halt an der Zeit, etwas zu sagen. Wir sind immer das kleine Darmstadt, wir sagen nichts, hin und her, es ist eine Frechheit und ich bitte darum, dass wenn wir solche Spiele spielen, die extrem wichtig sind, wir Schiedsrichter haben, die Erfahrung haben, weil jetzt kommt zehn Spiele lang Crunchtime und dann gibt es andere Spiele, wo man ein bisschen was ausprobieren kann, aber nicht in solchen Spielen."
Schon zuvor wurde er noch deutlicher: "Der hat in diesem Spiel nichts zu suchen. Es tut mir leid. Ich weiß nicht, wie viele Spiele es sind, er hat hier nichts zu suchen vor dieser Kulisse.
Für Dresden geht es um alles unten im Abstiegskampf, für uns geht es um jeden Punkt im Aufstiegskampf, und dann kann man keinen Schiedsrichter ansetzen, der 25 Spiele gemacht hat, das tut mir leid. Weil es sind zwei krasse Fehlentscheidungen aufgrund der Atmosphäre, die dieser geile Kessel hier mit sich bringt."
Video-Schiedsrichter Guido Winkmann schaltete sich zweimal nicht ein
Heftige Worte, die für Erbst als Mensch mehr als schwierig sind und eher auch auf den DFB abzielen, der für die Ansetzungen der Unparteiischen zuständig ist. Fehler unterlaufen jedem, der erfahrene Guido Winkmann (52) als Videoschiedsrichter im Kölner Keller schaltete sich zudem zweimal nicht ein, was er im Falle einer klaren Fehlentscheidung hätte tun können.
Schuhen zollte Coach Florian Kohfeldt (43) noch Respekt, der extrem ruhig geblieben sei, auch Gegner-Coach Thomas Stamm (43) zeigte Verständnis für die Wut der Darmstädter. Auch ihm fehlte die "klare Linie" des Schiedsrichters, doch die würde ihm oft fehlen.
Erbst selbst wollte sich nach dem Spiel erst einmal nicht äußern. Bleibt abzuwarten, wie der DFB auf die Vorkommnisse in Dresden reagieren wird.
Titelfoto: IMAGO / HMB-Media