Chaos beim TSV 1860 München: Investor Ismaik will gegen Kündigung vorgehen
Von Christian Kunz
München - Die Fassungslosigkeit über den Absturz des TSV 1860 München ist weiter groß. Die Kündigung des Kooperationsvertrages nimmt Investor Hasan Ismaik (48) nicht einfach hin.
"Wenn der Verein der Ansicht ist, dass die Kündigung des Kooperationsvertrages der richtige Weg für seine Zukunft ist, dann ist das seine Entscheidung", teilte er der "Süddeutschen Zeitung" mit.
"Wir unsererseits werden diesen Schritt sorgfältig und unter rechtlichen Gesichtspunkten prüfen und dabei alle unsere vertraglichen Rechte wahren."
Am Donnerstagabend hatte der Stammverein des in die Regionalliga abgestiegenen TSV 1860 München den vor 15 Jahren geschlossenen Kooperationsvertrag mit dem Investor gekündigt. Das Spielrecht liegt beim Stammverein, der Weg für einen Neuanfang in der Regionalliga Bayern soll geebnet sein.
"Was mich wirklich traurig stimmt, ist nicht die Kündigung einer Vereinbarung an sich, sondern die Tatsache, dass eine fünfzehnjährige Reise zu Ende gegangen ist, ohne dass es uns allen gelungen ist, das Maß an Vertrauen und Zusammenarbeit aufzubauen, das der Verein gebraucht hätte, um voranzukommen", ergänzte Ismaik.
Das krachende Ende der Zweckehe zwischen dem Traditionsclub und dem Investor, der angekündigt hatte, kein weiteres Geld in den Club zu investieren und damit den Verein auch nicht ohne Bedingungen vor einer möglichen Insolvenz retten zu wollen, wirft spannende Fragen nach dem Neustart auf.
Löwen fehlt weiter viel Geld
Viele Spielerverträge dürften nach dem Abstieg hinfällig werden oder neu verhandelt werden müssen. Der Hauptsponsor ist erst einmal weg, das Image ramponiert, die Fans sind frustriert.
Selbst die Finanzierung der Regionalliga ist unklar. Unterdessen geben die 1860-Anhänger dem Vernehmen nach ihre gekauften Drittliga-Dauerkarten zurück.
Durch den Rückzug des Hauptsponsors, der nach dem Zwangsabstieg aus der 3. Liga von einem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machte, fehlen 1860 aber wohl rund 2,7 Millionen Euro. Das entspricht in etwa der Summe, die auch zur Lizenzerteilung in der 3. Liga benötigt worden war. Eine Insolvenz droht weiterhin.
Anders als nach dem Absturz 2017 herrscht bei den Löwen aber keine Aufbruchstimmung. Diese könnte vielleicht entstehen, wenn die eskalierende Situation einen Verkauf von Ismaiks Anteilen und den Einstieg eines neuen Investors zur Folge hat.
Für dieses Szenario gab es zunächst aber keine konkreten Anzeichen.
Titelfoto: Felix Hörhager/dpa

