Leipzig - Im vergangenen Jahr machte Jonathan Hilbert (31), Olympia-Zweiter im Gehen von Tokio 2021, in einem emotionalen Interview die Depression öffentlich, in die er nach seinem größten Erfolg gefallen war und die sogar Suizidgedanken bei ihm ausgelöst hatte. Damals blickte er positiv in die sportliche und persönliche Zukunft, doch jetzt zieht er vorerst die Reißleine in Sachen Leistungssport - die Depressionen sind zurückgekehrt.
Auf Instagram teilte der 31-Jährige ein mutiges Statement und erklärte seinen Fans, weshalb er mindestens in diesem Jahr keine Wettkämpfe bestreiten wird.
"Die Depression ist zurück und ich muss vorerst aus dem Leistungssport-Karussell aussteigen", schrieb der Leipziger. Seit Januar habe er wieder vermehrt Symptome wahrgenommen und gedacht, er könne in der Therapie Gelerntes auch alleine weiter umsetzen.
"Leider war dem nicht so", erklärte Hilbert: "Aktuell befinde ich mich wieder in Therapie, nehme Medikamente und kämpfe mit einer diagnostizierten 'Schweren depressiven Episode'."
Zunächst habe er sich das nicht eingestehen wollen, "wollte mich in meiner leistungssportlich konditionierten Denkweise durchbeißen und ja keine Schwäche zulassen und zeigen", fuhr der Leichtathlet fort, schließlich haben Ziel und Plan gestanden, Trainingslager seien gebucht gewesen und das Training sei trotz der Symptome sehr gut gewesen.
Doch zum Wohle seiner langfristigen Gesundheit sowohl allgemein als auch im sportlichen Sinn sei die Entscheidung, in diesem Jahr keinen Wettkampf mehr zu bestreiten, unumgänglich gewesen, "zumal es in der Verfassung nicht möglich ist", schrieb Hilbert.
Jonathan Hilbert will nun "einfach Mensch sein"
Nach seinem Olympia-Erfolg 2021 waren die 50 Kilometer, die Paradestrecke des Deutschen, gestrichen worden, mit den neuen 35 Kilometern war er nicht so gut zurechtgekommen und hatte sich schließlich sowohl als Sportler als auch als Mensch so minderwertig gefühlt, dass er "nah dran gewesen [sei], den Planeten zu verlassen", wie er im Herbst 2025 verriet.
Doch er kämpfte sich zurück, feierte sein Comeback bei der WM 2025 und auch private Meilensteine wie die Hochzeit mit Ehefrau Anna im vergangenen Oktober.
Jetzt liegt der Fokus für den 31-Jährigen zum ersten Mal vollständig auf der Genesung anstatt parallel dazu noch auf dem Saisonbetrieb, auch wenn das für sein "leistungskonditioniertes Sportgehirn" schwer zu akzeptieren sei.
"Es gilt nun einfach Mensch zu sein, wie Mensch zu denken und den Menschen in mir zu heilen. Ganz ohne der Sportler zu sein, der ich seit 2004 bin", schrieb Hilbert: "Bis bald, ihr alle, bleibt gesund und gebt Acht auf euch und eure Mitmenschen."
Solltet Ihr selbst von Suizidgedanken betroffen sein, findet Ihr bei der Telefonseelsorge rund um die Uhr Ansprechpartner, natürlich auch anonym. Telefonseelsorge: 08001110111 oder 08001110222 oder 08001110116123.