Owen Ansah nach Fabellauf "megahappy", doch über seinem EM-Gold schwebt ein dunkler Schatten

Birmingham (England) - Owen Ansah (25) war nach seinem Gold-Lauf von Birmingham über 200 Meter in einer Fabelzeit von 19,95 Sekunden "megahappy". Bronze über 100 Meter, drei Tage später der erste EM-Titel eines deutschen Sprinters seit 44 Jahren, der 25-Jährige ist aus deutscher Sicht bisher der Mann der Titelkämpfe. Doch über den grandiosen Erfolgen liegt ein dunkler Schatten, vor dem auch der schnellste Mann Deutschlands nicht davonlaufen kann.

Owen Ansah (25) sprintete in Birmingham zu EM-Gold über 200 Meter.  © Sven Hoppe/dpa

Denn gegen Ansah läuft ein Verfahren der Nationalen Anti-Doping Agentur (NADA), es geht um einen verweigerten Test.

Am 9. Juli war der Sprinter gerade auf dem Weg zu einem Diamond-League-Meeting gewesen, als ein Kontrolleur außerhalb seines angegebenen Zeitfensters bei ihm zu Hause einen Dopingtest durchführen wollte. Ansah war bereits spät dran, hatte nach eigenen Angaben eine leere Blase und bot an, dass der Kontrolleur ihn stattdessen an den Flughafen begleiten könne, um die Probe dort zu nehmen. Über mögliche Konsequenzen sei er nicht aufgeklärt worden.

Die NADA sieht das anders und will den 25-Jährigen vier Jahre lang sperren. Da die Sperre dann ab dem Zeitpunkt des verweigerten Tests gelten würde, würden Ansah seine EM-Medaillen ebenso wie seine Deutschen Meistertitel über 100 und 200 Meter von Ende Juli wieder aberkannt werden, er bestreitet alle seine Wettkämpfe aktuell unter Vorbehalt.

HSV - Hamburger SV HSV-Blog: Emotionale Abschiedsworte! Rothosen-Eigengewächs wechselt nach Straßburg

Bis eine endgültige Entscheidung getroffen ist, können im Zweifel Jahre vergehen. Doch Ansah gelingt es, den Doping-Wirbel um seine Person auszublenden, und will nicht über den Fall sprechen. "Das ist ein laufendes Verfahren", sagte Ansah nach dem 200-Meter-Finale in der Mixed Zone: "Ich bitte, dies auch jetzt wieder zu respektieren."

Stattdessen wolle er sich auf das konzentrieren, was er beeinflussen kann.

Anzeige

Leichtathletik-EM: Owen Ansah darf nicht an den Staffeln teilnehmen

Seine Fabelzeit von 19,95 Sekunden zählt nur nicht als deutscher Rekord, weil der Rückenwind zu stark war.  © Sven Hoppe/dpa

Doch die drohende Sperre beeinflusst die Karriere des HSV-Athleten schon jetzt. Eigentlich wäre Deutschlands schnellster Mann selbstverständlich für die 4x100-Meter-Staffel der Männer und möglicherweise im Mixed gesetzt gewesen, doch angesichts der möglichen Annullierung aller Ergebnisse Ansahs will der DLV für die Teamwettbewerbe kein Risiko eingehen.

"Ich bin supertraurig, dass ich mit den Jungs morgen nicht noch eine Medaille gewinnen kann, das war mein großes Ziel", sagte der deutsche Rekordhalter über 100 Meter in der ARD.

Er habe drei Medaillen in Birmingham holen wollen, nun müsse er eben vorzeitig mit zweimal Edelmetall abreisen.

RB Leipzig Topspiel gegen Bayern vor Pflichtspielstart: Kann das richtig schlimm für RB Leipzig werden?

Zu Hause wartet dann aber jemand auf ihn, der ihn allen Stress vergessen lässt: sein dreijähriger Sohn. "Der will immer mit mir rennen. Natürlich lasse ich ihn da auch gewinnen. Nur einer darf schneller als ich sein - und das ist mein kleiner Sohn", schmunzelte Ansah.

Danach geht es dann weiter zu den nächsten Wettkämpfen - bei denen der Europameister wieder den mentalen Kraftakt vollbringen muss, Höchstleistungen angesichts der drohenden Verurteilung zu liefern.

Mehr zum Thema Leichtathletik: