Marode Plätze und schlechte Infrastruktur: Wird der Sport von der Politik vergessen?

Hamburg - Viele Sportstätten in Deutschland sind marode. Überall hapert es an sportlicher Infrastruktur. Wie es in den nächsten Jahren besser gemacht werden soll und was Hamburgs Olympia-Bewerbung damit zu tun hat.

Otto Fricke (60, l.), Vorstandsvorsitzender des DOSB und Hamburgs Sportsenator Andy Grote (57) sind sich einig: Hamburgs Olympia-Bewerbung sei ein Weg in die sportlich richtige Richtung.
Otto Fricke (60, l.), Vorstandsvorsitzender des DOSB und Hamburgs Sportsenator Andy Grote (57) sind sich einig: Hamburgs Olympia-Bewerbung sei ein Weg in die sportlich richtige Richtung.  © Marcus Brandt/dpa

Eine Milliarde Sondervermögen aus dem Topf "Infrastruktur und Klimaneutralität" für die Sanierung von Sportstätten, Schwimmbädern und Turnhallen wurde vonseiten des Bundestages zumindest beschlossen.

"Wir leben in einer Zeit der Sondervermögen, wo wir ganz viele zusätzliche Investitionsmittel ins Land bringen. Es ist wichtig, dass der Sport auch stark berücksichtigt wird", erklärte Sportsenator der Hansestadt Hamburg, Andy Grote (57, SPD), bei der SPOBIS Conference 2026.

Das sei allerdings nur ein Anfang. Man müsse in den nächsten Jahren dringend noch mehr machen, um die Infrastruktur dann auch ordentlich aufrechtzuerhalten, ergänzte DFB-Präsident Bernd Neuendorf (64).

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Und mit der Hamburger Bewerbung für die Olympischen sowie Paralympischen Spiele setze man eben ein klares Zeichen dafür, dem Sport über die Bundeslandgrenze hinaus einen Schub zu geben und die Aufmerksamkeit zu schenken, die er in den Augen der drei Experten verdient habe.

Andy Grote: Politik verstehe nicht, wie wichtig Sport für Gesellschaft ist

Viele Sportstätten in Deutschland sind marode (Archivbild).
Viele Sportstätten in Deutschland sind marode (Archivbild).  © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Dass der Sport in Deutschland in den vergangenen Jahren einfach nicht genug Aufmerksamkeit - besonders vonseiten der Politik - erhalten habe, dem stimmte auch Otto Fricke (60), der Vorstandsvorsitzende des DOSB, zu. Dabei entstehe durch Sport so viel gesellschaftlicher Mehrwert.

Denn: Wo lernt man im Zweifel zum ersten Mal demokratische Werte kennen? Laut Fricke ganz klar in Vereinen, in denen man frühzeitig mit Abstimmungen in Berührung kommt.

Um diese Wichtigkeit zu betonen, habe man der Politik mit der Olympia-Bewerbung einen nationalen Aktionsplan zur Förderung von Kinder- und Jugendsport vorgeschlagen, erklärte Grote.

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"Wir müssen schauen, dass unsere Kinder mit Sport aufwachsen. Sport in Ganztagsschulen integrieren [...]. Diese Angebote können Kinder dann in Vereine bringen und das müssen wir deutschlandweit hinbekommen. Und das sind eben Initiativen, die von Hamburg aus ausgehen."

Dennoch kritisierte der Senator: Noch immer gebe es nicht genug Raum für sportpolitische Reformen. "Wir brauchen mehr Power und mehr Verständnis, dass es eine ernsthafte Sportpolitik auf Bundesebene braucht", richtete sich der SPD-Politiker in Richtung Berlin.

"Was Sport am Ende für unsere Zukunft als Gesellschaft und Land bedeutet, welche Kraft darinsteckt, das ist noch nicht bei allen angekommen!"

Titelfoto: Marcus Brandt/dpa

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