Von Johannes Kohlstedt, Nicolas Sowa
Berlin - Am Samstag fällt die Entscheidung: München, Berlin oder Köln-Rhein-Ruhr - wer darf sich für Olympia und die Paralympischen Spiele bewerben? Aus dem Dreikampf ist allerdings ein Zweikampf geworden: Berlin will seine Kandidatur zurückziehen - drei Tage vor der Entscheidung.
Das ergab eine Krisensitzung am Mittwochnachmittag, wie der RBB zuerst vom Olympia-Knall berichtete. Die Hauptstadt will ihre Bewerbung für die Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 noch vor der Entscheidung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) zurückziehen.
Zuvor hatten sich der noch amtierende Regierende Bürgermeister Kai Wegner (53, CDU), Sportsenatorin Iris Spranger (65, SPD) und Olympia-Beauftragter Kaweh Niroomand (73) beraten.
Damit sind bei der DOSB-Entscheidung am Samstag in Baden-Baden voraussichtlich nur noch München und KölnRheinRuhr im Rennen.
Dabei wollte die Hauptstadt mit ihrem Konzept "Berlin+" eigentlich groß auftrumpfen. Doch zuletzt kam immer mehr Gegenwind.
Die DOSB-Evaluierungskommission bewertete die Berliner Bewerbung mit 74,64 von 100 Punkten deutlich schlechter als die Konzepte aus München (87,03) und KölnRheinRuhr (85,02).
Füchse-Boss Bob Hanning sauer auf Elif Eralp
Zusätzlich veränderte der Wahlsieg der Linken bei der Abgeordnetenhauswahl die politische Ausgangslage. Das klare Nein von Elif Eralp (45, Linke) hat die Situation nicht gerade verbessert. Berlin galt nur noch als krasser Außenseiter und zieht nun folgerichtig den Stecker.
Eralps Nein aber sorgte vor allem bei Bob Hanning (58) für Zündstoff. "Die ist noch gar nicht Regierende. Und dann ein solches Statement zu machen, ist unterirdisch. Das ist rotzfrech", sagte der Geschäftsführer des Handball-Bundesligisten.
Schon im Wahlkampf hatte die 45-Jährige Berlins Olympia-Bewerbung kritisiert. Nach der Wahl, bei der ihre Partei stärkste Kraft wurde, sagte sie auf eine Frage nach der Bewerbung, "dass sich die Entscheidung erledigt hat". Ihrer Meinung nach hätten die Berliner bei der Wahl auch gegen Olympia gestimmt. "Insofern werden diejenigen, die das an Berlin herantragen, sich auch überlegen, ob das Sinn macht, dann so einer Bewerbung den Zuschlag zu geben", sagte sie weiter.
Auf ein Gesprächsangebot und einen offenen Brief des Kuratoriums für die Bewerbung um den Olympia-Beauftragten Kaweh Niroomand ging sie nach dessen Angaben nicht ein. "Wenn du sagst, du willst eine Gesellschaft vereinen und ein Kuratorium aus Berlins Mitte dich um ein Gespräch bittet und du dann so einen Schlag ins Gesicht entgegen spielst, dann ist das undemokratisch, unseriös und durch nichts zu rechtfertigen", wütete deswegen Hanning.