Paukenschlag im Betrugs-Drama! Schachweltmeister Carlsen gibt Partie nach nur einem Zug auf

USA/Norwegen - Die Schachwelt hat ihren nächsten Eklat, auch wenn die Protagonisten dieselben wie schon vor gut einer Woche sind. Das Drama um Weltmeister Magnus Carlsen (31) und dem jungen Großmeister Hans Niemann (19) ging am Montagabend in die nächste Runde.

Schach-Champion Magnus Carlsen (31) verlor beim Sinquefield Cup gegen Hans Niemann und brach das Turnier ab. Beim Julius Baer Generationen Cup machte er einen einzigen Zug und gab die Partie auf.
Schach-Champion Magnus Carlsen (31) verlor beim Sinquefield Cup gegen Hans Niemann und brach das Turnier ab. Beim Julius Baer Generationen Cup machte er einen einzigen Zug und gab die Partie auf.  © Arun SANKAR / AFP

Beide Schachsportler trafen in der 6. Runde des Julius Baer Generation Cups, einem Online-Turnier mit absoluter Top-Besetzung, aufeinander. Die Partie zwischen den beiden Schach-Genies dauerte jedoch nicht lange.

Niemann führte die weißen Steine und eröffnete mit dem Doppelschritt des Damenbauern (1.d4).

Auf Carlsens Antwort 1... Sf6 folgte 2. c4 und danach ein absoluter Paukenschlag.

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In dieser völlig normalen Stellung, die indische Pfade einschlagen oder auch ins Damengambit übergehen kann, gab Carlsen überraschend die Partie auf.

Da es sich nicht um eine Partie over the board, also am Schachbrett, sondern um ein Online-Match handelte, musste der beste Schachspieler der Welt weder die Uhr anhalten, den König umlegen, noch die Hand geben. Ein einfacher Mausklick genügte.

Zeitgleich schaltete der Champion die Webcam aus und ließ sowohl Schach-Fans als auch zahlreiche Kommentatoren in den Live-Übertragungen auf YouTube und Twitch sprachlos zurück. Niemann nahm die Ereignisse äußerlich gelassen zur Kenntnis und tat es mit dem Abschalten seiner Webcam Carlsen gleich.

Live-Übertragung: Carlsen gibt früh gegen Niemann auf, Großmeister Peter Leko "sprachlos"

Treffen Hans Niemann und Magnus Carlsen beim Julius Baer Generations Cup noch einmal aufeinander?

Magnus Carlsen (31) möchte öffentlich nicht über das Thema Hans Niemann sprechen.
Magnus Carlsen (31) möchte öffentlich nicht über das Thema Hans Niemann sprechen.  © Jon Gambrell/AP/dpa

Doch was steckt hinter dieser frühen Aufgabe in ausgeglichener Stellung? Allem Anschein nach möchte Magnus Carlsen damit die Betrugsvorwürfe gegen Hans Niemann erneuern.

Nachdem der Norweger Anfang September beim Sinquefield Cup gegen den 19-jährigen US-Amerikaner verloren hatte, war er zur Überraschung aller vom Turnier zurückgetreten.

Auf eine Stellungnahme hatte der 31-Jährige verzichtet. Der Schachsportler twitterte stattdessen vielsagend ein Video des Fußball-Trainers José Mourinho (59), in dem dieser folgende Formulierung wählt: "Ich ziehe es vor, nicht zu sprechen. Wenn ich spreche, habe ich große Probleme."

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Nichts sagen und vor allem nicht Schach spielen heißt in dem Fall, dass Carlsen glaubt, dass es bei Niemanns Zügen nicht mit rechten Dingen vor sich geht.

Beweise für einen möglichen Computer-Betrug konnte der Schach-Weltmeister bisher jedoch noch nicht vorlegen. Bekannt ist nur, dass Niemann im jungen Alter auf chess.com bei Online-Partien wegen Cheatings aufflog. Er beteuerte jedoch, noch nie bei "echten" Schachpartien am Brett betrogen zu haben. Zudem wurden im Laufe des Sinquefield Cups keine Anzeichen für einen Betrug während der Partien entdeckt.

Am Montagabend spielten beide - als wäre nichts gewesen - die weiteren Runden im Generationen-Duell und liegen dort aussichtsreich im Rennen. Gut möglich, dass beide dort im zweiten Teil des Turniers, der im K.-o.-Modus stattfinden wird, erneut aufeinander treffen.

Dass dann eine echte, ausgekämpfte Schachpartie stattfindet, scheint nach dem Vorfall vom Montagabend unrealistisch.

Titelfoto: Jon Gambrell/AP/dpa

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