Ansage im Bob! Oberbärenburger Illmann schlägt Dominator Francesco Friedrich
Winterberg - Ihm droht das Karriere-Ende, doch dass er mit Druck umgehen kann, hat Bobpilot Maximilian Illmann (28) an diesem Wochenende eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Der Oberbärenburger gewann am Samstag die Deutsche Meisterschaft im Viererbob in Winterberg. Dabei ließ er den erfolgreichsten Piloten der Welt, Francesco Friedrich (36), hinter sich.
Mit seiner Crew um die Anschieber Lukas Koller (30), Erec Bruckert (29) und Bruno Götzel (25) holte er sich nach einem dritten Platz im ersten Lauf im entscheidenden zweiten Durchgang den Titel. Auch, weil Friedrich die Bahn nicht ohne Fehler hinunterkam.
"Wir haben sehr, sehr lange daraufhin gearbeitet, dass wir hier endlich mal zwei gute Läufe hinkriegen. Die waren zwar nicht perfekt, aber mit dem Ergebnis können wir sehr, sehr zufrieden sein. Jetzt haben wir ein paar gute Punkte", sagte der Titelträger nach den Rennen.
Zweiter wurde Friedrich mit seinen Anschiebern Simon Wulff (25), Matthias Sommer (34) und Georg Fleischhauer (38). Auf Rang drei landete Hans-Peter Hannighofer (29, BRC Thüringen) mit Erik Leypold (23), Alexander Schüller (29) und Nick Kocevar (26).
Bundestrainer René Spies (53) kam am Samstag aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. "Wir haben heute für eine nacholympische Saison sehr, sehr starke Leistungen gesehen. Sowohl bei den Frauen, insbesondere aber im Viererbob bei den Männern, da sind vier Teams unter 5,10 gestartet im absoluten Weltklasse-Bereich. Francesco Friedrich mit neuem Startrekord und auch fahrerisch war es ein absolutes Weltklasse-Niveau. Nicht nur von einem Team, sondern allen vier Teams, das war schon außergewöhnlich gut", adelte er seine Mannschaft.
Die Meisterschaft ist gleichzeitig die erste Selektion für die Teilnahme am Weltcup. Die zweite Selektion steigt am kommenden Wochenende auf seiner Heimbahn in Altenberg. "Jetzt fahren wir mit einem guten Gefühl nach Altenberg, haben 50 Prozent abgehakt. Jetzt geht es von Neuem los. Jetzt müssen wir die letzten 50 Prozent irgendwie noch mal gut absolvieren", blickte der 28-Jährige voraus.
Francesco Friedrich wird erstmals in seiner Karriere Deutscher Meister und holt den Titel im Zweier
Für ihn geht es in diesem Winter um alles, denn beim Verpassen des Weltcups droht ihm das Aus seiner Laufbahn. Noch nie war er fester Bestandteil des Teams, bei erneutem Scheitern würden Kaderstatus und Förderung wackeln.
Bereits am Freitag hatte er mit dem dritten Platz im Zweierbob ein super Ergebnis erreicht. Zweiter wurden Adam Ammour (25, Eintracht Frankfurt) mit Anschieber Joashua Tasche (31).
Erstmalig in seiner so langen und erfolgreichen Karriere feierte am Freitag Francesco Friedrich mit seinem neuen Anschieber Georg Fleischhauer den Deutschen Meistertitel. "Es war sehr gut. Ich musste 20 Jahre Bob fahren, um in der 21. Saison das erste Mal Deutscher Meister zu werden", sagte der Sieger lachend.
Dabei sicherte sich das Duo im entscheidenden zweiten Lauf den Titel, nach dem ersten Durchgang lag Ammour in Front. "Im ersten Lauf waren wir ein bisschen hinten dran, im zweiten Lauf haben wir aber noch mal Gas gegeben und konnten den kleinen Rückstand in einen kleinen Vorsprung umwandeln und wir sind super zufrieden", so Friedrich.
Für Francesco Friedrich ist das Fahren einer Selektion ein fast neues Gefühl
"Ich habe mich drauf gefreut, es braucht alles ein bisschen Zeit, bis es sich einspielt. Aber dafür ist es gut, dass wir hier mitmachen", sagte Doppel-Olympiasieger Fleischhauer, der nach dem Karriereende von Johannes Lochner (36) zu Friedrich gewechselt war.
Für Friedrich sind die Selektion und das Fahren bei der DM ein fast ganz neues Gefühl, bislang war der Dominator der vergangenen Jahre meist gesetzt. "Es ist ein bisschen anstrengender als sonst. Sonst fahren wir hoch, wir fahren runter und wieder von vorn, testen Material, schrauben um, müssen uns nicht darum kümmern, dass auch die athletische Form stimmt. Und das ist halt ganz anders. So muss man wie in einem normalen Rennen gucken, wie viel fährst du, was testest du, machst du noch etwas Verrücktes, oder nicht? Man muss alles timen wie bei einem richtigen Rennen", beschrieb er das neue Feeling.
Nicht ganz so gut lief die erste Selektion für den dritten Oberbärenburger im Bunde, Alexander Czudaj (24). Er kam im Zweierbob auf dem fünften Rang ein, im Vierer nur auf dem achten Platz.
Titelfoto: Bildmontage: IMAGO / CHROMORANG, IMAGO / Eibner, Lutz Hentschel