Weltmeister betrügt, um gegen beste Frau der Welt zu gewinnen

Linares (Spanien) - In Ihrer Kindheit hat Judit Polgar davon geträumt, gegen den besten Schachspieler der Welt anzutreten. Schon im Alter von 17 Jahren wird der Traum Wirklichkeit, sitzt Judit Polgar (*1976) Weltmeister Garri Kasparow (*1963) in einem Großmeister-Turnier in Spanien gegenüber. Doch was sie bei ihrer Partie gegen den Champion erlebt, kann die junge Ungarin kaum glauben.

Judit Polgar (17) war die jüngste Großmeisterin aller Zeiten und forderte schon mit 17 Schach-Champion Garri Kasparow heraus. Dieser gewann, allerdings auf unwürdige Art und Weise.  © 2026 Netflix, Inc.

Polgar eröffnet aggressiv mit e4 und hält gut mit, bis Ihr im 27. Zug ein Fehler unterläuft. Kasparow übernimmt die Oberhand, greift dann gut 10 Züge später zu seinem Springer, der auf dem Feld d7 steht. Der Russe stellt sein Pferd auf dem Feld c5 ab, nimmt jedoch wenige Augenblicke später die Figur und setzt sie zurück nach d7. Schließlich wird der Springer nach f8 gezogen.

"Ich war schockiert", schildert Judit Polgar in der Netflix-Doku "Königin des Schachs", da es sich um einen eindeutigen Regelverstoß handelt.

Denn beim Schachspiel gilt der Grundsatz: Berührt, geführt!

Sport Marode Plätze und schlechte Infrastruktur: Wird der Sport von der Politik vergessen?

Das bedeutet, dass eine berührte Figur gezogen werden muss und ein einmal ausgeführter Zug somit nicht mehr rückgängig gemacht werden kann.

Anzeige
Garri Kasparow will in der Netflix-Doku "Königin des Schachs" nicht so richtig zugeben, dass er eigentlich nur durch Schummelei seine Partie gegen die 17-jährige Judit Polgar gewann.  © 2026 Netflix, Inc.
Judit Polgar (rechts) stammt aus einer Schach-Familie. Gemeinsam mit ihren Schwestern Zsófia Polgár (links) und Zsuzsa Polgár (Mitte) trainiert sie schon in Kindheitstagen viele Stellungen des königlichen Spiels. Bei der Olympiade 1990 holen die Polgar-Schwestern Gold bei den Damen.  © 2026 Netflix, Inc.

"Königin des Schachs": Kamera überführt Garri Kasparow beim Regelverstoß gegen Judit Polgar

Im Laufe ihrer Karriere haben Garri Kasparow und Judit Polgar mehrfach gegeneinander gespielt. Später wurde die Ungarin vom Russen sogar zu einem Freundschaftsbesuch eingeladen.  © 2026 Netflix, Inc.

"Ich glaube, ich hab gar nicht gemerkt, dass meine Hand die Figur losließ", gibt sich Garri Kasparow, der in der Dokumentation ebenfalls zu Wort kommt, auch Jahre später nicht einsichtig. Und dass, obwohl eine Kamera das Kasparowsche Vergehen aufgezeichnet hat.

"Es hätte dadurch auch nur bestenfalls ein Remis gegeben, aber nicht zu gewinnen, wäre unschön gewesen", macht das Enfant Terrible des Schachs seine Mogel-Motivation klar.

Hätte er den Springer nach c5 gezogen oder ziehen müssen, wäre er in einen verhängnisvollen Doppelangriff des Läufers gelaufen. So verbleibt Kasparow schließlich im Vorteil und gewinnt.

Sport Skandal um Missbrauch von Turnerinnen: Verband sieht keinen Grund für Rücktritte

"Niemand hat erwartet, dass ein Weltmeister so einen Regelverstoß begeht, weil es für ihn peinlicher wäre zu verlieren. Ich habe meinem Gegner vertraut, das war ein Fehler", erzählt Judit Polgar rückblickend und mit einem Lachen.

Die Videoaufnahmen aus der Partie zeigen, dass sie erschrocken ist, als sie die Schummelei des russischen Genies bemerkt. Weil sie aber nicht sofort reklamiert und nach dem Aufeinandertreffen auch das Partieformular unterzeichnet hat, ohne Protest einzulegen, bleibt ihre Niederlage bestehen.

Ob es ihr im Laufe ihrer Karriere doch noch einmal gelungen ist, Kasparow zu bezwingen, erfahrt Ihr in der Netflix-Dokumentation "Königin des Schachs", die sich dem unnachahmlichen Aufstieg von Judit Polgar in der von Männern dominierten Schach-Welt widmet.

Mehr zum Thema Sport: