Hilfe statt Handschellen: LKA besucht junge Rechtsextreme direkt zu Hause

Stuttgart - Mit einer direkten und ungewöhnlichen Strategie ging das Landeskriminalamt (LKA) gegen die lokale rechtsextremistische Szene vor. Polizeikräfte suchten am 19. März gezielt junge Anhänger der Gruppierungen "Unitas Germanica" und "Front Line Black Forest" an ihren Privatadressen auf.

Bei den Besuchen des LKA ging es nicht um Verhaftungen, sondern um ein Angebot zum Ausstieg.  © Bernd Weißbrod/dpa

Die beiden betroffenen Gruppierungen fallen den Sicherheitsbehörden schon länger auf. Vor allem über soziale Medien verbreiten sie ihre ideologischen Inhalte und mobilisieren junge Menschen für Demonstrationen, unter anderem gegen Christopher-Street-Day-Veranstaltungen (CSD).

Die Szene gilt laut LKA als dynamisch und dezentral organisiert, was eine klassische Überwachung oft erschwert. Deshalb setzt die Behörde nun auf den direkten Kontakt an der Haustür.

An der gemeinsamen Aktion waren Beamtinnen und Beamte der Polizeipräsidien Aalen, Pforzheim und Reutlingen sowie Experten des Kompetenzzentrums gegen Extremismus (konex) beteiligt. Das Ziel der Besuche war es, den oft noch sehr jungen Mitgliedern eine Brücke zurück in die Gesellschaft zu bauen.

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Den Angesprochenen wurde eine professionelle und kompetente Begleitung angeboten, um sich von der extremistischen Szene zu distanzieren.

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Angebot ist freiwillig und kostenlos

Das LKA Baden-Württemberg will mit seiner Aktion junge Menschen zum Umdenken bewegen. Dabei setzt es auf eine unkomplizierte Kontaktaufnahme, etwa über WhatsApp.  © LKA BW

Andreas Taube, Leiter des Staatsschutz- und Anti-Terrorismuszentrums im LKA, betont dabei den rehabilitativen Charakter der Maßnahme. Man reiche den Betroffenen "im wahrsten Sinne des Wortes die Hand", um sie zurück auf den Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung zu führen.

Das Angebot ist für die Betroffenen vollkommen kostenfrei und basiert ausschließlich auf Freiwilligkeit.

Laut Polizeidirektorin Bettina Rommelfanger, Leiterin von konex, findet Radikalisierung heute oft entgrenzt im digitalen Raum statt. Ziel der Offensivansprachen sei es demnach, gezielt Vertrauen in staatliche Institutionen aufzubauen und individuelle Lebensperspektiven außerhalb der Szene zu entwickeln. Im Anschluss an Hausbesuche im Jahr 2025 und Anfang 2026 nahmen laut LKA bereits mehrfach Personen die Kontaktangebote wahr und begannen ihren Ausstieg.

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Für Ausstiegswillige oder Angehörige bietet das Kompetenzzentrum konex verschiedene Kontaktwege an. Neben einer telefonischen Hotline unter der Rufnummer 0711 279-4555 ist die Beratungsstelle auch unkompliziert per WhatsApp (0162 2530543) erreichbar.

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