Stuttgart - Nach Berichten über mögliche weitere Verzögerungen bei der Inbetriebnahme von Stuttgart 21 verliert Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper (65, CDU) endgültig die Geduld. Er fordert von der Deutschen Bahn schonungslose Offenheit, eine Beschleunigung des Projekts sowie sofortige Entlastungen für die Bürgerinnen und Bürger.
Sollten sich die aktuellen Spekulationen bewahrheiten, sei dies laut Nopper eine "Hiobsbotschaft für Stuttgart und für das Projekt Stuttgart 21". Der Oberbürgermeister sparte dabei nicht mit deutlicher Kritik an den Verantwortlichen: "Die Idee von Stuttgart 21 bleibt großartig – die Ausführung entwickelt sich offenbar zu einem Fiasko."
Der Rathauschef erklärte, er habe bereits bei einer der vergangenen Sitzungen des S21-Lenkungskreises angekündigt, im Falle weiterer Verzögerungen nicht nur ungeduldig, sondern auch "ungemütlich" zu werden. Diesen Worten ließ er nun Taten folgen.
"Frau Palla muss Tabula rasa machen. Sie muss mit schonungsloser Offenheit darstellen", machte Nopper klar.
Zudem müsse geklärt werden, wann eine Inbetriebnahme tatsächlich möglich ist und wo noch Beschleunigungspotenziale liegen.
OB Nopper sorgt sich um Ruf der Stadt
Da mittlerweile viele Menschen an der Deutschen Bahn und der Umsetzung von deutschen Großprojekten zweifeln würden, müsse der Konzern nun mit ganzer Kraft den Gegenbeweis antreten.
Die Bahn stehe in der Pflicht zu verhindern, dass der Name der Landeshauptstadt dauerhaft mit einem "nicht enden wollenden Jahrhundertprojekt" in Verbindung gebracht wird.
Neben dem Zeitplan fordert Nopper auch spürbare Verbesserungen im Alltag der Menschen vor Ort. Das betreffe ganz konkret auch die Wegeführung am Stuttgarter Hauptbahnhof, die schnellstmöglich optimiert werden müsse.
Trotz der Kritik äußerte sich der OB vorsichtig optimistisch bezüglich der personellen Spitze. "Ich habe den Eindruck, dass die neue Bahn-Chefin Evelyn Palla mit der notwendigen Transparenz und Entschlossenheit ans Werk geht", so Nopper.
Inbetriebnahme könnte sich bis 2031 hinziehen
Das Herzstück des Projekts ist der Umbau des Stuttgarter Hauptbahnhofs von einem oberirdischen Kopfbahnhof in einen unterirdischen Durchgangsbahnhof. Es soll der erste voll digitalisierte Bahnknoten Deutschlands entstehen. Nach dem offiziellen Baustart im Jahr 2010 war die Inbetriebnahme des neuen Tiefbahnhofs ursprünglich für das Jahr 2019 geplant.
Technische Herausforderungen, geologische Probleme beim Tunnelbau und stark steigende Kosten verschoben den Eröffnungstermin über die Jahre immer weiter nach hinten. Lange Zeit galt der Dezember 2025 als das feste Zieldatum für den großen Start.
Im Jahr 2024 musste die Deutsche Bahn einräumen, dass auch der Termin Ende 2025 utopisch ist. Daraufhin visierte die DB den Dezember 2026 als Startdatum an. Wie aktuelle Medienberichten jedoch vermuten lassen, könnte sich die vollständige Inbetriebnahme des neuen Tiefbahnhofs bis Ende 2031 verzögern.