Stuttgart - In Stuttgart sorgt ein Metzger für Kontroversen, weil er für seine "Fleisch-Boutique" am Bubenbad mit einem Banner wirbt, auf dem eine Frau im Fleischkleid zu sehen ist. Nun wurde das Plakat geklaut.
"Zwischen 19 Uhr am Samstag und 2 Uhr in der Nacht zum Sonntag verschwand das Plakat vor der Fleisch-Boutique", berichtet Metzger Max Häfele (46).
Wer das Plakat geklaut hat, ist noch unklar. "Vielleicht jemand, der es voll klasse fand, oder halt auch nicht", mutmaßt Häfele, der kurz vor der Eröffnung seines neuen Ladens in Stuttgart-Ost steht.
Eine Frau sagte zu Häfele in Bezug auf die Werbung: "Ich weiß nicht, ob ich meine Kinder zu Ihnen schicken kann." Bei anderen erhielt der Inhaber viel positiven Zuspruch für das Banner.
Häfele steht zu seiner Idee. "Ich find's einfach mal anders." Dabei ist die Idee auch aus der Not entstanden, denn schon das Plakat vorher, das Häfele als "eher langweilig" beschreibt, wurde laut ihm ebenfalls geklaut.
In einem Gespräch mit seinem Berater entstand der Fleischkleid-Einfall, beiden setzten ihn schnell um. "Die Idee ist durch die Decke gegangen", sagt der 46-Jährige.
Der Fleischkleid-Banner war nicht nur ein Hingucker in Stuttgart, sondern auch das Fleischer-Museum in Böblingen wollte es nach der Eröffnung ausstellen.
Kritik zu Herzen genommen
Das Banner wird als sexistisch kritisiert. Es stelle zudem die Frau als Fleisch, als Ware, dar.
"Nur weil eine Frau Baumwolle trägt, wird sie doch auch nicht als Pflanze wahrgenommen", kontert er.
Dennoch hat er sich die Kritik zu Herzen genommen: "Ich wollte Frauen nicht als Fleisch bezeichnen."
Die Idee der Fleisch-Boutique und das Thema Fleisch mit Kleidung zu verbinden, wollte er sich nicht nehmen lassen.
Häfele hat bereits ein neues Banner bestellt - diesmal sind darauf nur Kleidungsstücke aus Fleisch zu sehen - für Männer und Frauen.
Fleisch-Boutique soll einfach anders sein
Gemeinsam mit einem Berater hatte Max Häfele die Idee, eine besondere Metzgerei zu eröffnen. Sichtbeton-Boden, Designermöbel und ein Schrank mit Dry-Aged-Fleisch.
Ein Olivenbaum und chillige Sitzmöbel vor dem Laden sollen den besonderen Charakter unterstreichen und erinnern weniger an eine Metzgerei als an eine Bar. Eine Siebträgermaschine lädt im Anschluss an das Essen zum Kaffee ein.
Die Fleischgerichte sollen ebenfalls herausstechen. Ein Koch wird täglich ein vegetarisches und ein Fleischgericht kochen. Da kommen beispielsweise Gemüseauflauf oder Linsen mit Spätzle auf den Tisch.
"Fleischkäse like a Burger" ist seine neueste Erfindung. "Ciabatta, geiler Fleischkäse, Gurke, Tomate, da geht mir selber einer ab", sagt Häfele lachend. Den Burger gibt es auch mit einem Schnitzel.
Die Familie aus Winnenden betreibt 21 Filialen im Ländle. Max Häfele ist bekannt dafür, neue Konzepte zu testen. So führte er in einer Esslinger Filiale beispielsweise täglich ein vegetarisches Gericht ein, was laut ihm bei den Kunden gut ankommt.
Die Eröffnung wird am kommenden Mittwoch (13. Mai) stattfinden. Er hofft, dass bis dahin alles fertig ist und keine Zwischenfälle seine Pläne mehr durchkreuzen.