Mercedes, Porsche und Co: So geht der große Stellenabbau weiter

Von Julian Weber und Oliver Schmale

Stuttgart - Ob nun bei Mercedes-Benz, Porsche, Bosch, Mahle oder ZF - eine ganze Reihe von großen Unternehmen in Baden-Württemberg baut Stellen ab. Wie die Sparprogramme vorankommen und wie viele Jobs betroffen sind.

Autohersteller Mercedes-Benz

Mercedes-Benz soll durch Einsparungen "wetterfester" gemacht werden. (Symbolfoto)
Mercedes-Benz soll durch Einsparungen "wetterfester" gemacht werden. (Symbolfoto)  © Marijan Murat/dpa

Schwache Geschäfte in China und den USA sorgen bereits seit einiger Zeit für ein Absatzminus bei Mercedes-Benz. Die US-Zölle belasteten das Geschäft zusätzlich. "In den kommenden Jahren wird das Unternehmen über alle Kostenarten hinweg mehrere Milliarden Euro jährlich einsparen", teilte eine Sprecherin mit.

Auch beim Personal wird gespart. Mit dem Gesamtbetriebsrat vereinbarte der Autobauer daher ein Paket mit einem Abfindungsprogramm für Beschäftigte in den indirekten Bereichen wie der Verwaltung. Wie viele Menschen in Deutschland das Unternehmen bereits verlassen haben, wurde bislang nicht mitgeteilt.

Anhaltspunkte finden sich in den Geschäftszahlen: Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) des Autobauers betrug von Juli bis September rund 2 Milliarden Euro - nach 2,5 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum.

Sportwagenbauer Porsche

Bei Porsche laufen Gespräche über eine weitere Sparrunde. (Symbolfoto)
Bei Porsche laufen Gespräche über eine weitere Sparrunde. (Symbolfoto)  © Marijan Murat/dpa

Hinter dem Sportwagenbauer Porsche liegt ein turbulentes Jahr. Neben dem sinkenden Absatz belastet das Unternehmen der Strategieschwenk, wieder mehr Verbrenner zu entwickeln und zu produzieren. Der kostet Milliarden - und hat den Gewinn des Konzerns bislang fast komplett aufgezehrt.

Bis 2029 sollen in der Region Stuttgart demnach 1900 Jobs wegfallen - wegen der Beschäftigungssicherung sozialverträglich. Außerdem laufen die Verträge von rund 2000 befristet Angestellten aus.

Jeder vierte Arbeitsplatz in der Porsche AG stehe laut Gesamtbetriebsratschef Ibrahim Aslan auf dem Spiel. Im Stammwerk in Stuttgart-Zuffenhausen, im Entwicklungszentrum in Weissach sowie an mehreren kleineren Standorten beschäftigt das Unternehmen etwa 23.000 Menschen.

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Rechnerisch könnten also bis zu über 5500 Jobs längerfristig zur Disposition stehen.

Zulieferer Nr. 1: Bosch

In vielen Bereichen ist Bosch nach eigenen Angaben nur noch eingeschränkt wettbewerbsfähig. Im Zulieferbereich gebe es eine Kostenlücke von weltweit rund 2,5 Milliarden Euro pro Jahr.

Erst im September hatte der Konzern aus Gerlingen bei Stuttgart angekündigt, rund 13.000 weitere Stellen abzubauen.

Der Abbau soll sozialverträglich geschehen. Denn für die Beschäftigten der Sparte gilt bis Ende 2027 eine Jobsicherung, in manchen Teilbereichen auch länger. Betriebsbedingte Kündigungen sind bis dahin ausgeschlossen.

In der Autoindustrie läuft es gerade alles andere als rund. Auch bei Bosch kommt es zu Einsparungen. (Symbolfoto)
In der Autoindustrie läuft es gerade alles andere als rund. Auch bei Bosch kommt es zu Einsparungen. (Symbolfoto)  © Marijan Murat

Zulieferer Nr. 2: ZF Friedrichshafen

Beim zweitgrößten deutschen Autozulieferer ZF Friedrichshafen sollen bis Ende 2028 in Deutschland bis zu 14.000 Stellen gestrichen werden. 2025 sind nach Angaben eines Unternehmenssprechers weltweit bis Ende September 5387 Jobs weggefallen - davon 1964 in Deutschland.

In den genannten Zahlen seien zusätzliche Reduktionseffekte aus einer Arbeitszeitabsenkung noch nicht enthalten. Und es liefen derzeit Freiwilligenprogramme, über die man weitere Stellen reduzieren wolle.

ZF leidet wegen der gedämpften Fahrzeugproduktion unter ausbleibenden Aufträgen der Hersteller und dem schleppenden Wandel zur E-Mobilität. Das Unternehmen machte zuletzt Millionenverluste.

Hinzu kommt der riesige Schuldenberg des Unternehmens. Ende September stand ZF mit gut 10,6 Milliarden Euro in der Kreide.

Zulieferer Nr. 3: Mahle

Mahle will - ebenfalls wegen der Branchenkrise - weltweit rund 1000 Stellen in der Verwaltung streichen. Konzernchef Arnd Franz hatte betont: "Wir haben unsere Planungen angepasst und müssen jetzt einen Schritt gehen, den wir nicht vorhatten, der aber notwendig ist."

Von 2026 an sollen demnach 150 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich eingespart werden. Die Gespräche mit Arbeitnehmervertretern in Deutschland seien angelaufen, teilte eine Sprecherin mit.

Mahle hat bereits in der Vergangenheit Stellen abgebaut. Ende 2024 beschäftigte der Zulieferer 67.700 Menschen. Ende November 2025 waren es noch knapp 65.000.

Titelfoto: Bildmontage: Marijan Murat/dpa

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