Umschaltfehler führte zu Stromausfall: Deshalb blieben die Ampeln aus
Stuttgart - In Stuttgart ging am Donnerstag das Licht aus: Stromausfall. Grund: Ein Schaltfehler eines Mitarbeiters. TAG24 hat bei Netzbetreiber Stuttgart Netze nachgefragt, wie es dazu kommen konnte.
Das passiert nicht alle Tage:
Stuttgart 10.03 Uhr: keine Internetverbindung. Kein Telefon. Stadtbahnen stehen still. Ampeln sind aus. In Büros sitzen Mitarbeiter vor schwarzen Bildschirmen. Maschinen in Firmen stehen still. Brandmelder lösen aus. Polizeirevier dunkel. Feuerwehr läuft mit Notstromaggregat.
Kurze Zeit später läuft der Strom wieder. Doch die Auswirkungen werden die Stuttgarter noch den ganzen Tag spüren.
Viele Ampeln sind lahmgelegt, Polizisten regeln den Verkehr. Bis auf eine Ampel in der Löffelstraße in Stuttgart-Degerloch laufen alle wieder, sagte ein Pressesprecher der Polizei.
Daher blieben die Ampeln aus
"Unser Hochspannungsnetz ist nach dem Prinzip n-1 aufgebaut. Das heißt, wenn ein Betriebsmittel ausfällt, übernimmt ein zweites dessen Aufgabe. Darüber hinaus verfügt das Stromnetz über verschieden technische Schutzeinrichtungen, die die Ausbreitung eines Fehlers verhindern und Versorgungsunterbrechungen so kurz wie möglich halten", erklärt Stuttgart Netze auf Anfrage von TAG24.
Nachdem am Donnerstag ein Mitarbeiter einen Fehler bei der Umschaltung gemacht hatte, griff diese technische Schutzeinrichtung.
Die Umschaltung sei eine höchst komplexe Abfolge einzelner Schritte. Das Umspannwerk werde derzeit erneuert.
Als der Mitarbeiter seinen Fehler bemerkte, machte er die Schaltung sofort rückgängig. Die Schutzmechanismen griffen und begrenzten den Abfall auf Millisekunden.
"Unser Mitarbeiter, dem dieser Schaltfehler unterlaufen ist, ist ein sehr erfahrener und verantwortungsbewusster Kollege. Entsprechend niedergeschlagen war er gestern nach dem Ereignis", teilt ein Pressesprecher von Stuttgart Netze mit. Das Unternehmen steht in dieser Ausnahmesituation hinter ihm und unterstützt ihn. Konsequenzen habe er nicht zu befürchten.
Warum fielen die Ampeln aus?
Menschen, die in normalen Haushalten mit Niederspannungsanschluss leben, könnten "nichts oder höchstens ein kurzes Flackern bemerkt" haben, teilt Netzbetreiber Stuttgart Netze mit.
Ampeln sind mit einer Unterspannungssicherung ausgestattet.
"Für diese Schutzeinrichtungen reichte der Spannungsabfall von wenigen Millisekunden aus, um auszulösen. Solche Schutzeinrichtungen sind beispielsweise bei den Stuttgarter Ampelanlagen, Industrieanlagen oder bei größeren Verwaltungsgebäuden verbaut", erklärt Stuttgart Netze.
Damit solle verhindert werden, dass diese in einen falschen Betriebszustand gehen und beispielsweise Dauergrün anzeigen.
Die Ampeln müssen also nach einem Stromausfall manuell wieder zugeschaltet werden. Daher hat dieser nur sehr kurze Stromausfall von weniger als einer Sekunde heftige Auswirkung. Noch am Donnerstagnachmittag waren über ein Dutzend Ampeln noch nicht funktionsfähig.
In Stuttgart fällt der Strom rund 8 Minuten im Jahr aus, im Bundesdurchschnitt 13 Minuten. Damit es nicht wieder zu einer solchen Situation kommt, will der Netzbetreiber die Situation und den Fehler "akribisch aufarbeiten, um Verbesserungsmöglichkeiten zu erkennen."
Titelfoto: Andreas Rosar/ Fotoagentur Stuttgart

