Autoreifen wird in Waschanlage aufgeschlitzt, Betreiber reagiert frech

Oranienburg - Ein Mann fährt mit seinem Auto in eine Waschanlage und verlässt diese mit einem platten Reifen. Für den Kunden ist die Schuldfrage sofort klar, doch der Betreiber dreht den Spieß herum und macht dem Kunden Vorwürfe.

Die Reinigung seines Autos in einer Waschanlage zog für einen Rentner aus Brandenburg einen langen Rattenschwanz nach sich. (Symbolbild)
Die Reinigung seines Autos in einer Waschanlage zog für einen Rentner aus Brandenburg einen langen Rattenschwanz nach sich. (Symbolbild)  © 123RF/stirnlappenbasilisk

Donnerstag, 29. Juli 2021: Gerd Lüdemann fährt mit seinem Audi A6 Avant in die "Star Wash"-Anlage in Oranienburg (Brandenburg). Die Servicekraft an der Waschstraße weist ihn ein, der Rentner fährt in die Halle.

"Beim Auffahren auf das Waschband habe ich meiner Ansicht nach einen kleinen Widerstand gemerkt", erinnert er sich in der MDR-Verbrauchersendung "Voss & Team". Er dachte, auf eine der Führungsschienen aufgefahren zu sein.

Danach läuft das Waschband an. Nach zwei, drei Metern, als das Auto schon zur Hälfte eingeschäumt war, habe die Angestellte an sein Fenster geklopft und gesagt, es würde etwas am Fahrzeug zischen, wahrscheinlich der Reifen.

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Sie habe sich in der Situation nicht zu helfen gewusst und man verständigte sich darauf, das Band wieder anzustellen und den Waschvorgang zu beenden, erzählt der Fahrer.

Beim Verlassen der Waschanlage bemerkte der Ruheständler den Platten und beim Nachsehen auch Abschürfungen an der Felge.

Die "Star Wash"-Halle sei nach dem Vorfall geschlossen worden. Der laut Lüdemann "völlig unkooperative" und "auf Krawall gebürstete" Betreiber sei erschienen und habe ein Foto gemacht. "Eine Übergabe zum Schadensprotokoll musste ich einfordern, das wurde mir nicht einfach so, sondern knurrend ausgehändigt."

Voss & Team: "Keinerlei Anhaltspunkte", dass Schaden auf Waschanlage zurückzuführen ist

Der Vorfall ereignete sich in einer "Star Wash"-Halle. (Archivbild)
Der Vorfall ereignete sich in einer "Star Wash"-Halle. (Archivbild)  © IMAGO/Hanno Bode

Gerd Lüdemann sah sich die Waschstraße anschließend genauer an und entdeckte den hervorstehenden Federdraht einer sogenannten Schlepprolle, die die Fahrzeuge durch die Anlage transportiert.

Das augenscheinlich abgebrochene Metallteil ist ein Fußabweiser, der Verletzungen beim Betreten der Transportkette verhindern soll.

Weil die bislang aufgezogenen Folgen nicht mehr lieferbar waren, musste der Rentner einen Satz neuer bestellen. Der Kostenvoranschlag einer Werkstatt lag inklusive Reifen und Montage bei mehr als 860 Euro. Geld, das Lüdemann vom Waschanlagen-Betreiber bekommen muss, ist er sicher.

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Um die Kosten erstattet zu bekommen, schreibt Heidrun Lüdemann, Gerds Ehefrau und Halterin des Audi, an die JET Tankstellen Deutschland GmbH, den Betreiber von "Star Wash".

Antwort erhält sie direkt von einer Anwaltskanzlei, die Abstand von einem Schadenersatz ihres Mandanten nimmt. Begründung: Vor und nach dem Vorfall seien zahlreiche andere Fahrzeuge problemlos gereinigt worden. "Wäre tatsächlich die Mechanik der Waschanlage für die Beschädigung Ihres Reifens verantwortlich, hätten sich noch weitere Kunden bei uns gemeldet."

Es seien keinerlei Anhaltspunkte ersichtlich, dass der Schaden auf die Waschanlage zurückzuführen ist, wodurch keine Erstattung geleistet werden könne.

"Wir waren geschockt, dass der Spieß rumgedreht wurde. Diesen Wortlaut fand ich unerhört", so die Halterin. Die Lüdemanns wandten sich hilfesuchend an "Voss & Team".

Voss & Team: "Den Betreiber muss man mit in die Verantwortung nehmen!"

Moderator Sven Voss (45) konnte den Lüdemanns zumindest ein wenig helfen.
Moderator Sven Voss (45) konnte den Lüdemanns zumindest ein wenig helfen.  © MDR/Tom Schulze

Der MDR-Sendung antwortete JET: "Tatsächlich ist der Reifen bei der Einfahrt aus unbekannten Gründen geplatzt." Es handele sich um einen Zufall und es gäbe keinen Zusammenhang mit der Waschstraße.

JET ging sogar einen Schritt weiter. Das Auto sei mit dem bei der Einfahrt ohne Fremdeinwirkungen geplatzten Reifen durch die Anlage gezogen worden, wodurch die Transportkette Schaden nahm. Gerd Lüdemann trage also eine Mitschuld, da er angeblich der Anweisung der Angestellten widersprochen habe.

Laut des unabhängigen Sachverständigen Michael Walter, seit mehr als 20 Jahren mit Waschanlagen-Schäden betraut, hätte der Waschvorgang beim Bemerken des Zischens sofort gestoppt werden müssen.

"Den Betreiber muss man mit in die Verantwortung nehmen, weil er das Fahrzeug in einer nicht verkehrstüchtigen Ausführung transportiert hat", so Walter über den platten Reifen.

Letztlich willigte JET - allerdings nur aus Kulanz und "reinem Entgegenkommen" - ein, die Hälfte der Kosten, also rund 430 Euro, zu zahlen. Die Lüdemanns erwarteten die komplette Begleichung ihrer entstandenen Kosten. Doch für JET ist der Fall damit erledigt.

Titelfoto: 123RF/stirnlappenbasilisk

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