Benzin-Zoff: ADAC fordert Spritpreisbremse und Abschaffung der 12-Uhr-Regel
München - Wer einen Verbrenner fährt, muss derzeit extrem tief in die Tasche greifen, nachdem er an der Zapfsäule gestanden hat. Seit Tagen pendeln die Literpreise in Rekordhöhen. Nun schaltet sich auch der ADAC ein.
Beim "ADAC-Gespräch zur Mobilität" am Mittwoch wurden die Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Mineralölwirtschaft an einen Tisch gebracht, um die bisherigen Lösungsansätze der Regierung zu bewerten.
Dabei stand vor allem im Fokus, ob die bisherigen Maßnahmen die Verbraucher auch wirklich entlasten - und vielleicht sogar die Mineralölkonzerne zur Preisdisziplin zwingen.
Letzteres konnte man in vergangenen Situationen eher nicht beobachten. Für die aktuelle Lage hatte man nun auch die Kurzstudie des Düsseldorf Institute for Competition Economics (DICE) vorliegen.
"Der ADAC bewertet die von der Bundesregierung beschlossene befristete Senkung der Energiesteuer als richtigen Schritt", heißt es in einer Mitteilung.
"Angesichts der aktuell hohen Belastungen und weil eine zielgenaue Alternative kurzfristig nicht zur Verfügung steht, ist die allgemeine Entlastung aus Sicht des ADAC derzeit die realistisch umsetzbare Möglichkeit, Autofahrer schnell zu entlasten."
Schnell wieder abschaffen? 12-Uhr-Regel hat Preise nicht senken können
Ein weiterer Schritt wäre laut den Experten, die vorhandenen Alternativen zu fossilen Kraftstoffen stärker zu fördern. Zudem gibt es eine deutliche Meinung zur 12-Uhr-Regel bei Tankpreiserhöhungen.
Diese sollte zeitnah beendet werden, den sie habe die Preise in der Gesamtbilanz nicht gesenkt. Wer mittags nach 12 Uhr tanken muss, habe erhebliche Zusatzkosten.
Prof. Justus Haucap ist Direktor des DICE und für die genannte Studie verantwortlich. Er sitzt im "Wissenschaftlichen Beraterkreis Wirtschaftspolitik" des Bundeswirtschaftsministeriums. Haucap und seine Kollegen veröffentlichten laut TAG24-Recherchen 2017 eine Arbeit zur Markttransparenz für Kraftstoffe.
Die zugrunde liegende Studie war möglicherweise vom damaligen Mineralölwirtschaftsverband (MWV) beauftragt beziehungsweise finanziell unterstützt worden.
Dass bei seiner Kurzstudie daher ein möglicher Interessenskonflikt besteht, ist zwar nicht gänzlich ausgeschlossen, aber auch kein Beweis für wissenschaftliche Befangenheit.
Zumal er auch Jahre später (2022) eine Untersuchung zum damaligen Tankrabatt veröffentlichte, die zeigte, dass die Steuersenkung nur teilweise weitergegeben wurde, während Raffineriemargenanteile signifikant gestiegen seien.
Titelfoto: Christophe Gateau/dpa

