Strom statt Sprit: Rechnet sich ein E-Auto wirklich?
Magdeburg - Die Elektrifizierung der Mobilität ist unter den Bürgern und in der Politik ein seit Jahren anhaltendes Streitthema. TAG24 hat ein Selbstexperiment gemacht und ohne Vorurteile geschaut, ob sich ein E-Auto im heutigen Alltag positiv oder negativ bemerkbar macht.
Über zwei Monate lang wurde dafür ein Volvo EX40 genutzt. Der kleine SUV des schwedischen Autobauers hat, wenn er voll aufgeladen ist, zumindest auf dem Papier eine Reichweite von etwas mehr als 500 Kilometern.
Vergleicht man diese Werte mit einem klassischen Verbrenner, sind sie weiterhin nicht konkurrenzfähig. Viele Dieselfahrzeuge kommen je nach Fahrweise sogar auf das Doppelte an Kilometern.
Während des Tests wurde allerdings klar, dass Reichweite nicht alles ist. Schnell spürt man den Komfort und Fahrspaß eines E-Autos.
Wer das erste Mal selbst hinter dem Steuer eines Stromers sitzt, wirkt vielleicht zunächst verwirrt. Es gibt auf den ersten Metern keine Geräusche und keine am Lenkrad spürbaren Vibrationen wie bei einem Verbrenner.
Die Umgewöhnung hat nur wenige Tage in Anspruch genommen, bis es zur Normalität wird. Mit jedem Einsteigen und Losfahren ein Stück weniger.
E-Autos im Alltag: Fahrspaß und Komfort
Ohne zu tief in technische Details zu gehen, sei gesagt, dass E-Autos aufgrund ihrer Technologie und Bauweise ordentlich Kraft haben. Tritt man das "Gaspedal" durch, wird diese im Vergleich zu einem Verbrenner sofort auf die Räder übertragen.
Der von uns gefahrene Volvo EX40 kam mit seinem Gewicht von gut zwei Tonnen innerhalb von vier Sekunden aus dem Stand auf 100 Kilometer pro Stunde.
Vor allem beim Überholen von Lastwagen auf Landstraßen kann diese Power zugutekommen. Wer jedoch dauerhaft einen Bleifuß besitzt, muss mit seinem Wagen selbstverständlich schneller an die Steckdose.
Gleichzeitig sorgt die E-Mobilität für den Einzug vieler nützlicher Funktionen in den modernen Autos. So können die Wagen optional über eine Smartphone-App angesteuert werden, damit diese unter anderem den Innenraum vorheizen oder auch die Batterie auf eine bevorstehende Fahrt vorbereiten.
Laut Angaben verschiedener Hersteller sollte generell eine E-Auto-Batterie "vorkonditioniert" werden, bevor es auf die Straße geht. Dies schone den Akku und sorge für eine längere Betriebsdauer.
Selbstexperiment mit E-Auto: Stromtarife und Infrastruktur
Auch wenn die Reichweiten von E-Autos heutzutage noch nicht ganz mit denen von Verbrennern mithalten können, ist dies noch lange kein Ausschlusskriterium.
In Städten und selbst beim Pendeln kann ein E-Auto durchaus Sinn machen. In unserem Test kamen wir mit einem voll aufgeladenen Wagen und bei winterlichen Temperaturen zwischen 300 und 400 Kilometer weit. Völlig ausreichend, um beispielsweise auch einmal aus Magdeburg heraus in die Altmark zu fahren.
Bei einer Autobahnfahrt von Magdeburg nach Berlin (180 Kilometer) musste der Akku in der Bundeshauptstadt wieder Kraft tanken, damit es ohne Zwischenstopp zurückgehen konnte.
Besitzer eines E-Autos können ihren Stromer auf unterschiedliche Weise laden. Wer lieber zu Hause den Akku aufladen möchte, macht dies über das klassische Stromnetz mit einer sogenannten Wallbox und einem Stromkabel.
Allerdings sollte man nicht überrascht sein, wenn die Jahresabrechnung des Stromanbieters höher ausfällt als gewohnt. Alternativ bieten Energiekonzerne eigene Auflade-Tarife an. Gegen eine monatliche Grundgebühr fallen je nach ausgewähltem Tarif unterschiedliche Preise je Kilowattstunde an.
Zum Aufladen geht es dann an die konzerneigenen Ladestationen in der Stadt oder zu einem Partner des Anbieters, bei dem es jedoch zu höheren Gebühren kommt.
In den vergangenen Jahren ist das Netz an Schnellladestationen kontinuierlich ausgebaut worden, sodass es in unserem Test keine Probleme gab, einen Ort zum Aufladen zu finden. Mittlerweile bieten sogar die größten Lebensmitteldiscounter auf ihren Parkplätzen eigene Ladesäulen an.
Fazit
So sehr das Fahren eines E-Autos auch viel Spaß bereitet, sollten dennoch einige Punkte beachtet werden, ob sich ein Umstieg überhaupt lohnt. Das Argument mit günstigeren Strompreisen und teureren Spritpreisen zieht nur bedingt.
Aufgrund der noch geringeren Reichweite von E-Autos müssen diese häufiger nachgeladen werden. Ein Verbrenner kommt mit einer Tankfüllung weiter.
In unserem Test hat sich gezeigt, dass E-Autos eher noch etwas für Fahrer von Kurzstrecken sind. Auf Langstreckenfahrer kommen nicht nur ähnliche Verbrauchskosten wie bei einem Verbrenner zu, sie müssen auch häufiger Pausen zum Stromladen einplanen.
Wer sich daran nicht stört und seine Ladevorgänge clever plant (zum Beispiel während des Einkaufens oder beim Sport), sollte vielleicht auch aufgrund der aktuell geltenden E-Auto-Prämie und der langjährigen Steuerbefreiung einen Kauf in Betracht ziehen.
Titelfoto: Montage: Robert Lilge/TAG24

