Taliban zwingen Nachrichten-Sprecherinnen zur Verschleierung!

Kabul - Nächster gesellschaftlicher Rückschritt in Afghanistan: Nachdem Frauen in dem Krisen-geplagten Land seit einer Weile wieder Burka tragen müssen, zwang die Taliban nun sogar Nachrichtensprecherinnen zur Verschleierung. Seit vergangener Woche dürfen die Frauen nur noch mit bedecktem Gesicht in den News zu sehen sein.

Nachrichtensprecherin Sonia Niazi kritisierte die Verschleierungspflicht scharf.
Nachrichtensprecherin Sonia Niazi kritisierte die Verschleierungspflicht scharf.  © AFP/Wakil Kohsar

Die Pflicht zur Verschleierung wurde bereits vergangenen Donnerstag eingeführt, doch viele Nachrichtensprecherinnen hielten sich zunächst nicht daran. Doch die militanten Islamisten der Taliban drohten mit harten Konsequenzen.

Wenige Tage später - am Sonntag - war dann kaum noch eine Frau ohne Verschleierung in den Nachrichten zu sehen, wie unter anderem Sky News mitteilte.

Die Dailymail berichtete, dass die Nachrichtensprecherinnen schon zuvor gezwungen waren, einen Hidschāb (also ein Kopftuch) zu tragen. Nun müssen sie auch fast den kompletten Rest ihr Gesicht bedecken, lediglich die Augen dürfen zu sehen sein.

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Wie verschiedene Medien berichteten, waren am Wochenende auch mehrere männliche Nachrichtensprecher mit dunkler Mundbedeckung zu sehen. Offenbar handelte es sich dabei um eine Art stiller Solidarisierung mit ihren weiblichen Kollegen.

Fast ein Jahr nachdem die Taliban große Teile Afghanistans eroberten und unter ihr terroristisches Regime stellten, sind die Auswirkungen auf die Bevölkerung - vor allem auf die vorher wesentlich freier lebenden Frauen - weiterhin immens.

Ultra-konservative Revolution der Taliban hält weiter an

Auch viele Männer bedeckten bei "Tolo News" ihren Mund mit einer Maske.
Auch viele Männer bedeckten bei "Tolo News" ihren Mund mit einer Maske.  © AFP/Wakil Kohsar

"Dieses Dekret ist für alle weiblichen Moderatoren unverständlich, weil der Islam es uns nicht befohlen hat [unsere Gesichter zu bedecken] und jeder islamische Gelehrte und jede politische Persönlichkeit sich gegen dieses Dekret ausgesprochen hat", sagte Sonia Niazi, Nachrichtensprecherin bei "Tolo News" während ihrer Sendung.

"Ein Moderator muss sich während der Präsentation absolut ruhig und entspannt fühlen, um den Menschen die Wahrheit zu vermitteln. Ich habe heute zum ersten Mal einen Moment erlebt, in dem ich mein Programm mit einer Maske präsentieren musste und habe mich dabei überhaupt nicht gut gefühlt."

Die Journalistin prangerte an, dass Frauen bei der derzeitigen Entwicklung bald überhaupt keine Rechte mehr haben und keine gesellschaftliche Rolle mehr spielen würden.

Ihre Kollegin Farida Sial forderte die internationale Gemeinschaft auf, Druck auf die Taliban auszuüben. "Sie wollen Frauen aus dem gesellschaftlichen und politischen Leben auslöschen", sagte sie dem britischen Sender BBC.

"Es ist in Ordnung, dass wir Muslime sind, wir tragen Hidschāb und verstecken unsere Haare. Aber es ist sehr schwierig für eine Moderatorin, ihr Gesicht zwei oder drei Stunden hintereinander zu bedecken und so zu sprechen."

Titelfoto: AFP/Wakil Kohsar

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