Ausländer werden abkassiert: So viel will die Schweiz für die Durchfahrt haben
Von Christiane Oelrich
Zürich (Schweiz) - Die Schweiz will Ernst machen! Wer beispielsweise auf dem Weg in die Ferien das Land durchquert, soll künftig zur Kasse gebeten werden.
Die Durchfahrer ließen kein Geld im Land, verstopften nur die Straßen und verpesteten die Luft, hieß es in einer Parlamentsdebatte, nachdem die Transitgebühr im März beschlossen wurde.
Anwohner ärgern sich über Blechkolonnen an Feiertagswochenenden und bei Ferienbeginn und -ende an den zwei wichtigsten Nord-Süd-Achsen: von Basel nach Chiasso durch den 16,9 Kilometer langen Gotthard-Straßentunnel oder von St. Margarethen nach Bellinzona durch den 6,6 Kilometer langen San-Bernardino-Tunnel.
Im Gespräch ist eine Gebühr in Höhe von durchschnittlich 21 Franken (rund 23 Euro). Die Durchfahrt soll zu Spitzenzeiten besonders teuer werden, in der Hoffnung, dass genügend Urlauber auf andere Reisezeiten ausweichen. Das Ganze soll einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag in die Schweizer Kassen spülen.
Bislang ist für die Autobahnnutzung nur eine Jahresvignette für 40 Franken (knapp 44 Euro) nötig. "Die Schweizer Maut ist im europäischen Vergleich extrem niedrig", sagt Kevin Riehl, Dozent am Institut für Transportsysteme und Verkehrsplanung der Universität ETH in Zürich. Ob eine höhere Transitgebühr nötig sei, um den Verkehr besser zu verteilen, müsse getestet werden.
Womöglich noch Volksabstimmung nötig
Die Regierung ist nicht begeistert von der Parlamentsentscheidung. Ihren Angaben zufolge könnte noch eine Volksabstimmung nötig werden. Das würde den Start der Gebühr weiter verzögern.
Hinsichtlich der Umsetzung erklärt Experte Riehl, dass die Erfassung mithilfe von Kameras und automatischer Nummernschilderkennung an Grenzübergängen mit Autobahnen oder Hauptstraßen im Prinzip kein Problem sei.
Das Schweizer Pendant zum ADAC, der TCS, warnt hingegen vor erheblichem Aufwand für die systematische Erfassung und Überwachung von Fahrzeugen. "Der TCS bezweifelt daher, dass die Wirkung der Durchfahrtsabgabe den erheblichen Ressourcenaufwand rechtfertigen würde", sagt Sprecherin Vanessa Flack.
Kritik kommt auch vom CDU-Europaabgeordneten Andreas Schwab (53). "Einseitige Maßnahmen dieser Art sind kein Schritt nach vorn", sagt er der Deutschen Presse-Agentur. "Unsere Grenzgebiete leben von Verlässlichkeit, der Vereinfachung von Regeln sowie einem offenen und reibungslosen Zusammenleben mit den Nachbarländern auf Augenhöhe und ohne jegliche Diskriminierung."
Titelfoto: Urs Flueeler/KEYSTONE/dpa

