Dirigent entdeckt musikalische Fragmente in KZ Auschwitz, nun werden sie aufgeführt

London (Großbritannien) - Musikalische Fragmente einer Partitur, die im deutschen Konzentrationslager Auschwitz entdeckt wurden, werden in London zum ersten Mal aufgeführt.

Stacheldraht umzäunt das Gelände des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau in Oswiecim, Polen. Viele ankommende Gefangene wurden in Auschwitz nicht registriert, sondern gleich vergast und verbrannt.
Stacheldraht umzäunt das Gelände des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau in Oswiecim, Polen. Viele ankommende Gefangene wurden in Auschwitz nicht registriert, sondern gleich vergast und verbrannt.  © JANEK SKARZYNSKI / AFP

Das Kammerorchester Constella und die Solisten Philippa Mo, Ilona Suomalainen und Sacha Rattle sollen die Stücke am Montag spielen, heißt es auf der Internetseite des Theaters Sadler's Wells.

Entdeckt wurde die Musik von dem britischen Komponisten und Dirigenten Leo Geyer während eines Besuchs in Auschwitz vor einigen Jahren. Der heute 31-Jährige war beauftragt worden, ein Stück zu Ehren des britischen Historikers Martin Gilbert (1936 bis 2015) zu komponieren.

Bei seiner Recherche in Auschwitz berichtete ihm ein Archivar, dass im Museum Reste von Partituren vorlägen, die von Orchestern im KZ arrangiert und gespielt worden seien.

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"Ich bin fast umgekippt, als er es mir zum ersten Mal erzählte", erzählte Geyer jüngst dem US-Sender CNN. "Ich konnte nicht glauben, dass so etwas fast 80 Jahre lang fast unbemerkt geblieben war."

Es handele sich insgesamt um 210 Musikstücke unterschiedlicher Vollendung. "Die Musik wurde größtenteils zerstört, sodass was übrig blieb fast wie ein zerbrochenes Puzzle ist", sagte Geyer. Es gebe mehrere Teile, die miteinander vermischt seien.

Holocaust überlebt, weil sie im Orchester spielte

In Auschwitz gab es bis zu sechs Orchester, wie Geyer sagte. Ein prominentes Orchestermitglied war die Cellistin Anita Lasker-Wallfisch, die in Großbritannien lebt. Dass sie den Holocaust überlebte, habe auch daran gelegen, dass sie im Orchester spielte, das auch auf Geheiß einzelner SS-Mitglieder musizieren musste, erzählte sie einmal der Stiftung Holocaust Memorial Day Trust.

Lasker-Wallfischs Enkel, der Bariton Simon Wallfisch, wird ebenfalls bei dem Konzert am Montag auftreten: Er singt Geyers Werk "Blackbird" in Gedenken an Gilbert.

Forscher gehen davon aus, dass mindestens 1,3 Millionen Menschen nach Auschwitz deportiert wurden. 1,1 Millionen von ihnen starben. In den Lagern von Auschwitz wurden bis 1945 etwa eine Million Juden ermordet.

Titelfoto: JANEK SKARZYNSKI / AFP

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