Der Preis für den Klimawandel: Können wir uns Parmesan bald nicht mehr leisten?
Montecavolo (Italien) - Rekordtemperaturen setzen Italiens berühmtester Käse-Spezialität massiv zu. Kühe geben weniger Milch, die Produktion wird teurer - und Experten warnen: Der Klimawandel könnte Parmesan langfristig deutlich verteuern.
Parmesan gehört für viele ganz selbstverständlich auf Pasta, Pizza oder in den Salat. Doch genau das könnte sich in Zukunft ändern.
In Norditalien kämpft die Heimat des echten Parmigiano Reggiano mit immer heftigeren Hitzewellen, und die Folgen treffen die Produktion des Traditionskäses mit voller Wucht.
"Extreme Hitze beeinträchtigt Qualität und Menge der Milch", erklärte Nicola Bertinelli, Präsident des Konsortiums Parmigiano Reggiano, gegenüber Reuters.
Bei Temperaturen von über 40 Grad geraten die Milchkühe unter Stress. Sie fressen weniger, ruhen mehr und produzieren bis zu zehn Prozent weniger Milch.
Doch damit nicht genug: Wegen der Trockenheit wächst auch weniger. Die Kühe dürfen jedoch ausschließlich mit Gras und Heu aus der Region gefüttert werden - fehlt das, wird die Produktion schwieriger.
Gleichzeitig steigen die Energiekosten enorm. Die Bauern müssen ihre Ställe mit Ventilatoren und Sprühanlagen kühlen. Auch die riesigen Lagerhallen, in denen die Käselaibe oft jahrelang reifen, verbrauchen deutlich mehr Strom.
Allein während der jüngsten Hitzewellen stieg der Energieverbrauch eines großen Parmesan-Lagers um rund 30 Prozent.
Wird Parmesan bald zum Luxusprodukt?
Parmigiano Reggiano ist ein Milliarden-Geschäft mit einem Jahresumsatz von rund 4,5 Milliarden Euro. Steigende Produktionskosten und sinkende Milchmengen könnten sich künftig vor allem an der Supermarktkasse bemerkbar machen.
Zwar sagt derzeit niemand voraus, dass Parmesan knapp wird, doch die Hersteller warnen, dass häufigere und längere Extremwetterereignisse die Kosten weiter in die Höhe treiben werden.
Die Sorge der Produzenten bringt ein Branchenvertreter auf den Punkt. "Parmigiano Reggiano existiert seit mehr als 800 Jahren. Wir wollen nicht die letzte Generation sein, die ihn isst", so Paolo Ganzerli, internationaler Vertriebsdirektor des Lebensmittelkonzerns GranTerre.
Eine Warnung, die viele Verbraucher wohl anders übersetzen würden: Können wir uns echten Parmesan in Zukunft überhaupt noch leisten?
Titelfoto: Montage: MIGUEL MEDINA / AFP , Oliver Berg/dpa

