Einwanderer (†42) stirbt bei Kontrolle: Protest eskaliert völlig - Polizei meldet 64 Verletzte!

❤️
😂
😱
🔥
😥
👏

Von Christoph Sator

Bologna (Italien) - In Italien ist es nach dem Tod eines Einwanderers bei einem Polizeieinsatz zu teils gewalttätigen Protesten gekommen.

Nach dem tödlichen Polizeieinsatz in Bologna eskalierte die Lage.
Nach dem tödlichen Polizeieinsatz in Bologna eskalierte die Lage.  © Guido Calamosca/LaPresse via ZUMA Press/dpa

In den meisten Städten verliefen Kundgebungen friedlich. In Bologna jedoch, wo der 42-jährige Marokkaner starb, wurden bei Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten mindestens elf Menschen verletzt, wie die Rettungskräfte in der Nacht mitteilten. Die Polizei sprach am Morgen danach von 64 verletzten Ordnungskräften.

In Rom versicherte Ministerpräsidentin Giorgia Meloni (49) nach zweitägigem Schweigen Transparenz zu den Umständen des Todes.

"Es ist eine Pflicht, etwaige Verantwortlichkeiten mit äußerster Strenge aufzuklären", erklärte die rechte Regierungschefin. "Die Wahrheit muss bis zum Grund erforscht werden. Aber nichts kann Gewalt gegen Ordnungskräfte rechtfertigen."

Fataler Fehler: 17-Jährige sollte am Knöchel operiert werden, als sie aufwacht, fehlt plötzlich etwas ganz anderes
Frankreich Fataler Fehler: 17-Jährige sollte am Knöchel operiert werden, als sie aufwacht, fehlt plötzlich etwas ganz anderes

Meloni sprach davon, dass versucht worden sei, Bologna mit seinen annähernd 400.000 Einwohnern "in Schutt und Asche zu legen".

Aktivisten und Sicherheitskräfte standen sich am Montag gegenüber.
Aktivisten und Sicherheitskräfte standen sich am Montag gegenüber.  © Guido Calamosca/LaPresse via ZUMA Press/dpa

Vergleiche mit Tod von George Floyd 2020 in den USA

Ein Demonstrant hält das Foto des Verstorbenen Abderradim Fakir (†42) in die Luft.
Ein Demonstrant hält das Foto des Verstorbenen Abderradim Fakir (†42) in die Luft.  © Leonardo Garavaglia/JNA via ZUMA Press Wire/dpa

Der Tod von Abderradim Fakir, der seit mehr als 30 Jahren in Italien lebte, beherrscht seit Sonntag in Italien die Schlagzeilen. Auf den Demonstrationen gab es immer wieder Rufe wie "Wahrheit und Gerechtigkeit".

Dort war von exzessiver Polizeigewalt die Rede, bis hin zu Vorwürfen eines staatlichen Mordes. Viele ziehen Vergleiche mit dem Fall des Schwarzen George Floyd, der im Mai 2020 in den USA bei einem Polizeieinsatz starb. Fakirs Familie verlangte Aufklärung.

Der Marokkaner war am Sonntag auf einer Straße in Bologna ums Leben gekommen, nachdem Anwohner die Polizei gerufen hatten. Auf einem Video ist zu sehen, wie er von zwei Polizisten mit dem Gesicht nach unten auf den Boden gedrückt wird. Seine Hände sind mit Handschellen gefesselt. Mehrfach ruft er: "Hilfe! Genug, genug!"

Tragödie im Urlaub: Familienvater wird beim Joggen brutal aus dem Leben gerissen
Mallorca Tragödie im Urlaub: Familienvater wird beim Joggen brutal aus dem Leben gerissen

Die Beamten lassen jedoch erst nach mehreren Minuten von ihm ab, als er sich nicht mehr bewegt. Ein Notarzt stellte dann seinen Tod fest.

Vorermittlungen gegen beteiligte Polizisten und Sanitäter

Der Mann starb nach Berichten von Augenzeugen, nachdem sich zwei Polizisten längere Zeit auf ihn gesetzt hatten.
Der Mann starb nach Berichten von Augenzeugen, nachdem sich zwei Polizisten längere Zeit auf ihn gesetzt hatten.  © Guido Calamosca/LaPresse via ZUMA Press/dpa

Aufschluss erhoffen sich die Ermittler von der Obduktion. Zudem wurde die Körperkamera (Bodycam) eines der beiden beteiligten Beamten der Staatsanwaltschaft übergeben. Auch das Video, mit dem ein Nachbar die Szene dokumentierte, ist in deren Besitz.

Die Polizei war am Sonntag in der Mittagszeit gerufen worden, weil der Mann aggressiv aufgetreten sein soll. Eine Polizeigewerkschaft berichtete, dass er wegen verschiedener Delikte polizeibekannt gewesen sei. 

Gegen die zwei Polizisten laufen inzwischen Vorermittlungen wegen fahrlässiger Tötung – ebenso wie gegen vier Sanitäter, die die Szene dem Video zufolge zunächst nur beobachtet hatten. Für die Beamten greift eine Regelung aus Italiens neuem Sicherheitsgesetz: Anders als gewöhnliche Verdächtige wurden sie nicht direkt in ein Ermittlungsregister eingetragen, sondern in ein gesondertes Vorregister.

Ihr Anwalt nannte die beiden Polizisten "sehr junge und sensible Männer, die natürlich erschüttert sind".

Molotowcocktails und Tränengas

Die Polizei setzte auch Tränengas ein.
Die Polizei setzte auch Tränengas ein.  © Guido Calamosca/LaPresse via ZUMA Press/dpa

Dieses Vorregister wurde vor allem für Fälle geschaffen, in denen Polizisten oder andere Amtsträger im Dienst Gewalt anwenden und auf den ersten Blick ein Rechtfertigungsgrund dafür vorzuliegen scheint.

Erst wenn sich zeigt, dass es keinen solchen Grund gibt, wird ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Die Entscheidung liegt bei der Staatsanwaltschaft.

Kritiker sehen darin eine Begünstigung für Polizisten, die übertrieben Gewalt anwenden. In Bologna versammelten sich am Montagabend mehrere Tausend Menschen zu einem friedlichen Protest. Anschließend kam es jedoch bis in die Nacht hinein zu Krawallen zwischen einer kleineren Gruppe und der Polizei.

Einige Demonstranten warfen Flaschen und Molotow-Cocktails auf die Polizei. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein. Mindestens zwei Autos und mehrere Fahrräder gingen in Flammen auf.

Demonstranten bewarfen in Bologna die Polizei.
Demonstranten bewarfen in Bologna die Polizei.  © Leonardo Garavaglia/JNA via ZUMA Press Wire/dpa

Nach Angaben der Rettungsdienste aus der Nacht wurden sechs Polizisten und fünf Demonstranten verletzt. Zwei davon mussten ins Krankenhaus. Am Vormittag berichteten die Behörden von 64 verletzten Ordnungskräften. Neue Angaben zur Zahl der verletzten Demonstranten gab es nicht.

Titelfoto: Bildmontage: Guido Calamosca/LaPresse via ZUMA Press/dpa//Leonardo Garavaglia/JNA via ZUMA Press Wire/dpa

Mehr zum Thema Italien: