Nordkorea lässt Schulkinder hinrichten, weil sie "Squid Game" schauen
Pjöngjang (Nordkorea) - Während südkoreanische Unterhaltungsshows wie in vielen Ländern weltweit über den Bildschirm flackern, kostet das bloße Anschauen in Nordkorea Menschen ihr Leben! Selbst jüngere Schulkinder werden dafür öffentlich gedemütigt, in Arbeitslager geschickt oder sogar öffentlich hingerichtet, wie die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kürzlich mitteilte.
Nordkoreaner, die aus dem Land geflüchtet sind, hätten der Organisation von harten Strafen bis hin zu Todesurteilen berichtet. Das wäre bereits nach dem Ansehen südkoreanischer Serien wie "Crash Landing on You" (2019), "Descendants of the Sun" (2016) und "Squid Game" (2021) oder dem Hören südkoreanischer Popmusik der Fall gewesen.
Besonders hart würde es diejenigen treffen, die kaum Geld oder entsprechende Kontakte zur Verfügung hätten. Wohlhabende Familien wären teils Bestrafungen entgangen, indem sie Beamten bestochen hätten.
"Diese Zeugenaussagen zeigen, wie Nordkorea dystopische Gesetze durchsetzt, die bedeuten, dass das Ansehen einer südkoreanischen Fernsehsendung einem das Leben kosten kann – es sei denn, man kann es sich leisten zu zahlen", so die stellvertretende Regionaldirektorin von Amnesty International, Sarah Brooks.
Brooks verurteilte das "völlig willkürliche System, das auf Angst und Korruption beruht" und die Regierung Nordkoreas, die Menschen "in einen ideologischen Käfig sperrt und ihr den Zugang zu den Ansichten und Gedanken anderer Menschen verwehrt".
Jugendliche, die bei Hinrichtungen zusehen müssen
Ein Interviewpartner habe der Organisation von einem Geflüchteten mit familiären Verbindungen in die Provinz Yanggang berichtet, in der Menschen, darunter auch Schüler, wegen des Ansehens von "Squid Game" hingerichtet wurden.
Auch der US-Sender Radio Free Asia berichtete 2021 von einem Fall, bei dem ein Schüler nach dem Einschmuggeln einer Kopie der Serie in der Provinz Nord-Hamgyong hingerichtet worden sei.
Sogar Schulkinder habe man gezwungen, die Exekutionen zur "ideologischen Umerziehung" anzusehen. "Als wir 16, 17 waren und in der Mittelschule, nahmen sie uns mit zu Hinrichtungen und zeigten uns alles", so die 40-jährige Kim Eunju gegenüber der Organisation.
Trotz der Risiken seien Medien aus Südkorea oder dem Ausland in Nordkorea weit verbreitet und würden etwa auf USB-Sticks eingeschleust.
Titelfoto: Scott A Garfitt/Invision/AP/dpa

