Von den Deutschen zerbombt: Polen baut Augusts prächtige Residenz wieder auf

Dresden/Warschau - Sie standen für Sachsens Glanz und Gloria: die Regierungs-Residenzen von August dem Starken in Dresden - und in Warschau. Während das kriegszerstörte Stadtschloss in Dresden nach 35 Jahren Sanierung wieder fast vollendet ist, wird Augusts Residenz, die er sich als König von Polen (ab 1694) in Warschau errichten ließ, jetzt auf seinen Überresten neu erstehen.

So wird das Sächsische Palais einmal aussehen.
So wird das Sächsische Palais einmal aussehen.  © Visualisierung: saski360, sky concept Warschau

Kein Geringerer als Polens aktueller Präsident Andrzej Duda (50) treibt das Riesenprojekt voran.

Augusts Warschauer Schloss stand seiner Dresdner Residenz in nichts nach. Kein Wunder - schließlich hatte "Augustus Rex" sein Riesenreich aus sächsischen Kurlanden und dem polnischen Königtum über lange Jahre mehr von Warschau als von Dresden aus regiert.

In Warschau hauchte er 1733 auch sein Leben aus. Heute ist von seiner Residenz kaum noch etwas zu sehen. Ausgerechnet die deutsche Wehrmacht hatte Augusts Schloss beim Warschauer Aufstand 1944 dem Erdboden gleichgemacht.

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Doch es gibt noch Zeugnisse: Bei Ausgrabungen am Standort wurden 40.000 Artefakte gesichert, darunter Fragmente von Meissener Porzellan, Alltagsgegenstände wie ein Kamm oder Besteck, aber auch ein mit vier Diamanten verzierter Ring aus Silber und Gold.

Die freigelegten Keller des Sächsischen Palais.
Die freigelegten Keller des Sächsischen Palais.  © Pałac Saski/M.Sawiński
Bei den Ausgrabungen wurde unter anderem Schmuck und Meissener Porzellan gefunden
Bei den Ausgrabungen wurde unter anderem Schmuck und Meissener Porzellan gefunden  © Pałac Saski/T. Tołłoczko

Kultur-Institutionen und das Außenministerium ziehen in Augusts Palast

August der Starke (1670-1733) wäre sicher begeistert vom Wiederaufbau seines Schlosses.
August der Starke (1670-1733) wäre sicher begeistert vom Wiederaufbau seines Schlosses.  © wikipedia

Inzwischen laufen die Bauvorbereitungen auf dem Schlossareal auf Hochtouren. Die Keller des Sächsischen Palais sind bereits freigelegt. Nächster Schritt: Die Ausschreibung eines Architekturwettbewerbs für die Rekonstruktion.

Wiederaufgebaut werden soll im gleichen Zug übrigens auch das Palais, das sich Augusts Premierminister Heinrich Graf von Brühl (177 - 1763) in unmittelbarer Nachbarschaft als eine Art Nebenschloss einrichten ließ. Die Ausgrabungen dort beginnen diesen März.

Zusammen mit dem Sächsischen Park und dem Opernhaus bildete Augusts "Regierungsviertel" einst eine Art Leistungsschau der (sächsischen) Künste in Warschau.

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Schon 2030 sollen die Sachsen-Schlösser wieder stehen. Die Kosten, getragen vom polnischen Staat, werden derzeit auf 2,4 Milliarden Złoty (etwa 527 Millionen Euro) geschätzt.

In Augusts Palast sollen Kultur-Institutionen und das Außenministerium einziehen, das Brühlsche Palais wird Sitz des Senats - also alles wieder fast wie zu Augusts Zeiten ...

Titelfoto: Fotomontage: Pałac Saski/M.Sawiński, saski360, sky concept Warschau

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