Kein natürlicher Tod: Moskau soll Nawalny mit Nervengift ermordet haben

Von Jörg Blank

München - Der vor zwei Jahren in russischer Haft gestorbene Alexej Nawalny (†47) ist Analysen zufolge mit einem starken Nervengift getötet worden.

Kremlkritiker Nawalny (†47) starb vor zwei Jahren in einer Strafkolonie. (Archivbild)
Kremlkritiker Nawalny (†47) starb vor zwei Jahren in einer Strafkolonie. (Archivbild)  © Pavel Golovkin/AP/dpa

Außenminister Johann Wadephul (63, CDU) und seine Kollegen aus Großbritannien, Schweden und den Niederlanden beschuldigten Russland, den Kremlkritiker umgebracht zu haben.

Die anwesende Witwe Julia Nawalnaja (49) sagte am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz, nun habe man den Beweis, dass Kremlchef Wladimir Putin (73) ein Mörder sei. Schon vor zwei Jahren zum Kampf gegen den russischen Machtapparat von Putin aufgerufen.

Wadephul sagte nun, zwei Jahre später wisse man: "Alexej Nawalny wurde in russischer Gefangenschaft vergiftet." Seine sterblichen Überreste hätten ein besonders starkes Nervengift, Epibaditin, enthalten.

Fünf Jugendliche gehen in russische Sauna: Jetzt sind alle tot
Russland Fünf Jugendliche gehen in russische Sauna: Jetzt sind alle tot

Die Wirkung des im Hautdrüsensekret von Baumsteigerfröschen in Ecuador, sogenannten Pfeilgiftfröschen, vorkommenden Giftes sei 200 Mal so stark wie Morphium. "Es lähmt die Atemmuskulatur, die Opfer ersticken qualvoll", sagte Wadephul. Zunächst blieb offen, wann, wo und wie konkret die Analysen durchgeführt worden waren.

"Niemand außer Putins Schergen wird uns sagen können, wie dieser 16. Februar 2024 in der russischen Strafkolonie im Einzelnen abgelaufen ist", sagte Wadephul. "Klar ist: Die russischen Behörden hatten die Möglichkeit, das Motiv und die Mittel, Nawalny das Gift zu verabreichen."

Nawalny wurde in russischer Gefangenschaft mit dem Nervengift Epibaditin vergiftet, so Wadephul (63, r.).
Nawalny wurde in russischer Gefangenschaft mit dem Nervengift Epibaditin vergiftet, so Wadephul (63, r.).  © Kay Nietfeld/dpa

Nawalnaja hofft, dass Putin irgendwann auf Anklagebank landet

Julia Nawalnaja (49), russische Menschenrechtsaktivistin und Ehefrau des russischen Oppositionsführers und Dissidenten Alexej Nawalny.
Julia Nawalnaja (49), russische Menschenrechtsaktivistin und Ehefrau des russischen Oppositionsführers und Dissidenten Alexej Nawalny.  © Kay Nietfeld/dpa

Nawalny sei nicht nur das mutige Gesicht der russischen Opposition gewesen, sondern schon einmal das Opfer eines hinterhältigen Giftanschlags. Anschließend wurde er in der Berliner Charité behandelt und kehrte trotz allem danach nach Russland zurück.

Nawalnaja dankte den an den Analysen beteiligten Labors in Deutschland, Großbritannien, Schweden und den Niederlanden. Es sei der schwerste Tag ihres Lebens gewesen, als sie vor zwei Jahren vom Tod ihres Mannes erfahren habe.

Nawalny galt als der prominenteste Gegner von Putin in Russland, auch weil er immer wieder Korruptionsfälle innerhalb der Elite um den Kremlchef aufdeckte.

Für Moskau spioniert? Mutmaßliche Agentin festgenommen
Russland Für Moskau spioniert? Mutmaßliche Agentin festgenommen

Die russischen Behörden nahmen den Politiker im Januar 2021 bei seiner Rückkehr am Flughafen fest und verurteilten ihn zu langen Haftstrafen - unter anderem wegen Extremismus. Im Gefängnis war er stark von der Außenwelt isoliert.

Am 16. Februar 2024 starb er in einer Strafkolonie nördlich des Polarkreises. Die russischen Behörden sprachen von einer natürlichen Todesursache, doch schon damals war seine Frau überzeugt, dass er ermordet wurde.

Titelfoto: Bildmontage: Kay Nietfeld/dpa, Pavel Golovkin/AP/dpa,

Mehr zum Thema Russland: