Ceuta - Nach dem Migrantenansturm auf die spanische Exklave Ceuta haben Krankenpfleger die Ausrufung eines Gesundheits-Notstands gefordert.
Der spanische Krankenpflegerrat (CGE) sprach laut einem Bericht der spanischen Nachrichtenagentur "EFE" angesichts einer extremen Belastung für Pfleger sowie steigender Fälle von gefährlichen Krankheiten, wie Krätze oder Gastroenteritis, von einem "beispiellosen Gesundheitskollaps" in der 80.000-Einwohner Stadt am Nordzipfel des afrikanischen Kontinents.
Demnach sei die Situation in den Krankenhäusern vor Ort katastrophal: Täglich müssten zwischen 200 und 1400 Patienten behandelt werden, Pfleger und Krankenschwestern würden allein in einer einzigen Schicht zwischen 14 und 16 Menschen behandeln und dafür teils vier Stunden länger arbeiten, als in ihrem Dienstplan eigentlich vorgesehen.
Seit Ankunft der über 60.000 Migranten Ende Juli sei die Zahl der Patienten inzwischen zwar zurückgegangen, dennoch sei das Personal laut CGE völlig "erschöpft, ohne Ressourcen und an der Belastungsgrenze".
Aus dem spanischen Gesundheitsministerium hieß es, dass in den letzten zwei Wochen insgesamt 5800 illegal über Marokko eingereiste Migranten ärztlich hätten behandelt werden müssen. Laut dem Krankenpflegerrat seien in diesem Zeitraum bereits mehrere gefährliche Krankheiten ausgebrochen.
Migrantenansturm auf Ceuta: Spanische Gesundheitsministerin bestreitet Gesundheits-Kollaps
Insgesamt habe es im Zuge des Migrantenansturms rund 200 neue Fälle der Magen-Darm-Entzündung Gastroenteritis sowie 20 neue Fälle der ansteckenden Hautkrankheit Krätze gegeben. Hinzu kämen Fälle von Impetigo (Grindflechte) und Tuberkulose.
Eine angemessene Behandlung der Patienten sei unter diesen Umständen jedoch nicht möglich. Die Präsidentin des Krankenpflegekollegiums von Ceuta, Rosa Fuentes, sprach mit Blick in die örtlichen Krankenhäuser von Pflegebedingungen, die "nicht denen eines entwickelten Landes entsprechen".
CGE-Präsident Florentino Pérez Raya forderte die spanische Regierung unterdessen auf, in Ceuta ein Notfall-Kommando zu errichten, das die gesundheitliche Lage unter Kontrolle bringt.
Unklar dagegen, ob dieser Wunsch erhört wird. Die spanische Gesundheitsministerin Mónica García (52) hatte am vergangenen Wochenende noch bestritten, dass das Gesundheitssystem in Ceuta vor dem Kollaps stehe.
Sie verwies auf den Rückgang der Patientenzahlen seit dem Tag des Migrantenansturms und sprach lediglich von einer "nicht normalen" Situation, wie EFE berichtete.