Andrang von Migranten: Spaniens Afrika-Exklave schlägt Alarm
Von Emilio Rappold
Madrid/Ceuta (Spanien) - Die Ankunft von mehr als 1500 Migranten innerhalb weniger Tage in der spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta hat die dortigen Behörden in Alarmbereitschaft versetzt.
Unter den Ankömmlingen seien viele Minderjährige und Kinder, berichtete der staatliche TV-Sender RTVE. Die Regionalregierung forderte von der Zentralregierung die Ausrufung des nationalen Notstands und den Einsatz des spanischen Militärs an der Grenze zu Marokko.
Ministerpräsident Pedro Sánchez (54) teilte mit, man setze "alle Hebel in Bewegung, um umgehend auf die Lage in Ceuta zu reagieren" - wurde auf der Onlineplattform X aber nicht konkreter.
Oppositionsführer Alberto Nuñez Feijóo von der konservativen Volkspartei PP sprach von einer "verzweifelten Situation". Auf X kritisierte er den sozialistischen Politiker Sánchez mit scharfen Worten: Die Regierung dürfe "nicht wegsehen, denn wir befinden uns in einer Krise der nationalen Sicherheit".
Laut RTVE schließt das Innenministerium die Ausrufung des Notstands aus. Nach den geltenden Zivilschutzvorschriften zählen Migrationsbewegungen demnach nicht zu den Risiken, für die das nationale Zivilschutzsystem vorgesehen sei.
Spanien und Marokko hätten vereinbart, ihre Zusammenarbeit zur Bewältigung der Migrationsbewegungen zu verstärken. Zudem sollten möglichst rasch alle Menschen zurückgeführt werden, die illegal nach Ceuta eingereist seien, hieß es unter Berufung auf das Ministerium.
Migranten laufen jubelnd über die Straßen
Die Migranten sind nach Behörden-Angaben in den vergangenen Tagen und auch am Donnerstag überwiegend schwimmend nach Ceuta gelangt.
Allein in den vergangenen Stunden erreichten erneut Hunderte Menschen das Gebiet, das nur knapp 85.000 Einwohner hat, wie RTVE und andere unter Berufung auf die Regionalbehörden berichteten.
Bereits am Mittwoch hatte Ceutas Regionalpräsident Juan Jesús Vivas erklärt, die Aufnahmeeinrichtungen seien völlig überlastet. Hunderte Migranten müssten auf den Straßen übernachten.
Videos und Fotos zeigten überwiegend junge Männer, aber auch Familien mit Frauen und Kindern, die über die Felsblöcke gelangen, die zu dem künstlichen Damm gehören, der die Grenze zwischen Ceuta und Marokko markiert und sichern soll.
Man sieht auch, wie die Menschen jubelnd über die Straßen laufen und unter anderem "Viva España!" rufen. "An den Stränden liegen viele Gegenstände zurück, die die Migranten bei der Überquerung genutzt haben, darunter Schwimmringe und -flossen sowie Neoprenanzüge", berichtete RTVE.
Titelfoto: Bildmontage: Antonio Sempere/AP/dpa

