Zug-Katastrophe in Spanien: Suche nach Opfern geht weiter, wütende Proteste in Madrid
Toledo/Madrid - Nach dem schweren Bahnunfall in der spanischen Provinz Toledo am Mittwochvormittag, bei dem mindestens 68 Menschen gestorben und etliche weitere verletzt worden sind, ist die Suche nach weiteren möglichen Opfern in der Nacht auf Donnerstag weitergelaufen. In Madrid kam es zu Protesten.
Unter anderem wurden zwei besonders schwer beschädigte Waggons unter Flutlicht mithilfe von drei Kränen angehoben, wie der TV-Sender RTVE in einer Live-Sendung vom Unglücksort mitteilte. Demnach schlossen die Einsatzkräfte nicht aus, dass sich unter den Trümmern weitere Opfer befinden könnten.
Viele Menschen hätten sich zudem gemeldet und von vermissten Familienangehörigen berichtet, erklärte die Sprecherin der Polizeibehörde in der spanischen Hauptstadt Madrid, Mercedes Martin, gegenüber dem Sender. In diesem Zusammenhang seien DNA-Proben in Madrid, Toledo, Córdoba und Sevilla entnommen worden.
Der staatliche Sender RNE berichtete zudem, dass die Polizei das Areal um die Unglücksstelle weiträumig abgesperrt habe. Aktuell ginge es noch darum, mögliche weitere Opfer zu suchen und Betroffene und Angehörige zu versorgen, ehe es in einer zweiten Phase darum gehe, die Toten zu identifizieren.
Ministerpräsident Pedro Sánchez (54) rief derweil eine dreitägige Staatstrauer aus. Zudem versprach er: "Wir werden der Sache bis zum Ende nachgehen. Sollte es Fahrlässigkeit gegeben haben, wird das ans Licht kommen."
Mit Blick auf das Zugunglück von Adamuz (Andalusien), bei dem im Januar dieses Jahres 46 Menschen ihr Leben ließen, sagte der Ministerpräsident außerdem: "Für ein Land wie Spanien ist es nicht hinnehmbar, innerhalb eines Jahres zwei schwere Unglücke mit Hochgeschwindigkeitszügen zu erleben."
Proteste in Madrid - Polizei setzt Tränengas ein
Verkehrsminister Óscar Puente (57) deutete zudem ein mögliches menschliches Versagen an. Demnach sei der Unfall wohl auf eine "falsche Entscheidung" der Bahnleitstelle zurückzuführen, die dem Schnellzug trotz eines Ausfalls des Zugsicherungssystems die Weiterfahrt gestattete. Ob tatsächlich ein solches Fehlverhalten vorlag, müssten nun weitere Untersuchungen zeigen, so Puente.
In der Hauptstadt kam es zudem noch am Mittwochabend zu Ausschreitungen vor dem Transportministerium. Rechtsextreme Gruppen hatten dort zu einer Protestkundgebung aufgerufen.
Die Lage zwischen Teilen der rund 1500 Demonstranten und der Polizei sei angespannt gewesen, berichtet RTVE. Unter anderem soll auch Tränengas eingesetzt worden sein.
Sánchez und sein Verkehrsminister Puente stehen auch deshalb unter Druck, weil sie einen Monat vor der vorgezogenen Parlamentswahl von der konservativen und rechtspopulistischen Kräften für das Unglück verantwortlich gemacht werden. "Korruption tötet", die linke Regierung sei kriminell, sagte etwa der Chef der aufstrebenden rechtspopulistischen Partei Vox, Santiago Abascal (50).
Titelfoto: Bildmontage: Manu Fernandez/AP/dpa, Alejandro Martínez Vélez/EUROPA PRESS/dpa, Ananda Manjón/EUROPA PRESS/dpa

