Abschiebe-Prozess: Urteil vertagt, Neonazi Liebich bleibt im Tschechen-Knast

Pilsen/Chemnitz - In Handschellen und Maske wurde die Rechtsextremistin Marla-Svenja Liebich (55) am Montagmittag dem Landgericht in Pilsen (Tschechien) vorgeführt. Es ging um eine mögliche Auslieferung nach Deutschland. Nach zwei Stunden wurde das Urteil vertagt. Liebich bleibt vorerst in tschechischer Haft.

Von mehreren Beamten wurde Marla-Svenja Liebich (55) am Montag in den Gerichtssaal geführt. Daneben Anwalt Martin Kohlmann (48, "Freie Sachsen").  © Hendrik Schmidt/dpa

Nach mehr als einem Monat im tschechischen Horror-Knast in Pilsen wurde die 55-Jährige am Montagmittag von mehreren tschechischen Beamten in den Gerichtssaal geführt - daneben der rechtsextreme Anwalt Martin Kohlmann (48, "Freie Sachsen").

Liebich wirkte abgemagert, trug ihr typisches Leoparden-Shirt, Lippenstift und lackierte Fingernägel.

Dann begann der Prozess. Laut dpa fürchtet sich die 55-Jährige, in einen deutschen Männerknast zu kommen. Dort würde ihr Mobbing drohen, sie könnte durch andere Insassen in den Selbstmord getrieben werden, sagte sie. Aus diesem Grund lehnt die Rechtsextremistin die Auslieferung nach Deutschland ab.

Tatsächlich würde Liebich bei einer Auslieferung vorerst in der Chemnitzer Frauen-JVA landen. Wie es dann weitergeht, unklar. Das Amtsgericht Halle will noch entscheiden, ob die Geschlechtsänderung rückgängig gemacht werden kann. Dann könnte Liebich tatsächlich im Männerknast landen.

Nach zwei Stunden wurde der Prozess ohne Angaben von Gründen beendet. Laut dpa wurde ein neuer Termin für den 1. Juni angesetzt. Bis dahin bleibt Liebich weiter im Tschechen-Knast.

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Blick auf das Landgericht (Krajsky Soud) in Pilsen. Hier soll entschieden werden, wie es mit Liebich weitergeht.  © Hendrik Schmidt/dpa
In Handschellen, begleitet von mehreren Beamten, wurde Liebich in das Gerichtsgebäude geführt.  © Hendrik Schmidt/dpa
Die Rechtsextremistin präsentierte im Gerichtssaal ihre lackierten Fingernägel.  © Hendrik Schmidt/dpa
2022 stand Liebich - damals noch unter dem Vornamen Sven - vor dem Landgericht Chemnitz.  © Horst Hürsch

Neonazi Liebich sollte Haftstrafe in Chemnitzer Frauenknast antreten, stattdessen tauchte sie unter

Die Chemnitzer Frauen-JVA: Hier sollte Liebich ihre Haftstrafe antreten. Stattdessen tauchte sie unter.  © Kristin Schmidt

Im Juli 2023 wurde Liebich wegen Volksverhetzung, übler Nachrede und Beleidigung zu anderthalb Jahren Haft verurteilt.

Anschließend folgte ein Geschlechtswechsel, seitdem trat Liebich in Frauenkleidern auf. Kritiker sahen darin eine Provokation. Die Rechtsextremistin wolle das neue Selbstbestimmungsgesetz der Ampel-Regierung ausnutzen, warfen sie ihr vor. Das Gesetz machte eine Geschlechtsänderung ohne großen Aufwand möglich.

Durch ihren "Geschlechter-Tausch" sollte Liebich die Haft in der Chemnitzer Frauen-JVA antreten. Doch tauchte die 55-Jährige nicht auf. Stattdessen tauchte sie unter.

Bis im April 2026 die Handschellen klickten! Liebich wurde in Tschechien gefasst. Seitdem sitzt sie im tschechischen Gefängnis - soll eigentlich nach Deutschland ausgeliefert werden. Doch genau das will sie nicht. Nun muss das Gericht entscheiden.

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Erstmeldung: 18. Mai, 14.31 Uhr, zuletzt aktualisiert: 15.49 Uhr

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