Schüsse an Uni in Prag: 15 Tote, Dutzende Verletzte, Täter stirbt ebenfalls

Prag (Tschechien) - Großeinsatz in der Prager Innenstadt: Kurz vor Weihnachten fallen Schüsse an der renommierten Karls-Universität. Fünfzehn Menschen sterben im Kugelhagel, mehr als 20 werden verletzt. Auch der Schütze ist tot. Es soll sich bei ihm um den Studenten David Kozak handeln, von dem ein Foto in den sozialen Medien geteilt wird.

Nach der tödlichen Schießerei kursiert ein Foto in den sozialen Medien, das den Täter namens David Kozak (†) zeigen soll.
Nach der tödlichen Schießerei kursiert ein Foto in den sozialen Medien, das den Täter namens David Kozak (†) zeigen soll.  © Bildmontage: Petr David Josek/AP/dpa, X/Screenshot/@MilitaerNews

Man gehe davon aus, dass es sich um einen Studenten der Hochschule handele, der kurz zuvor seinen Vater ermordet habe und deswegen gesucht worden sei, teilte Polizeipräsident Martin Vondrasek am Donnerstag mit.

Die formelle Identifikation stehe aber noch aus. Der mutmaßliche Täter habe sich wahrscheinlich von Amokläufen im Ausland inspirieren lassen. Es dürfte der schlimmste Schusswaffenangriff in der Geschichte der seit 1993 unabhängigen Tschechischen Republik sein.

Nach ersten Informationen wurden 24 Menschen verletzt, davon mindestens 9 schwer bis lebensgefährlich. Der tschechische Innenminister Vit Rakusan (45) sagte im öffentlich-rechtlichen Fernsehen CT, es gebe keine Hinweise auf einen zweiten Schützen oder auf einen terroristischen Hintergrund.

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Rakusan rief die Bevölkerung dennoch auf, den Anweisungen der Polizei zu folgen.

Foto auf X soll Täter zeigen

Polizeichef Martin Vondrasek (l.) spricht zu den Medien.
Polizeichef Martin Vondrasek (l.) spricht zu den Medien.  © Šulová Kateøina/CTK/dpa

Zu den Schüssen kam es an der Philosophischen Fakultät der Karls-Universität am Jan-Palach-Platz. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort, darunter waren Spezialkräfte. Der Jan-Palach-Platz ist nur wenige Hundert Meter von der bekannten Karlsbrücke entfernt, dem Wahrzeichen der Stadt an der Moldau.

Die Polizei rief die Menschen auf, die Gegend weiträumig zu meiden und sperrte den Platz ab. Anwohner sollten nicht aus dem Haus gehen. Auf Fotos war zu sehen, wie Studenten das Universitätsgebäude mit erhobenen Armen verließen.

Nach einem Bericht des Fernsehsenders Nova soll sich der Schütze zuletzt auf dem Dach des Fakultätsgebäudes aufgehalten haben. Auch eine Explosion sei demnach zu hören gewesen.

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Studenten und Mitarbeiter der Universität teilten in den sozialen Medien mit, dass sie sich in Hörsälen und Büros verbarrikadiert hätten. Andere kletterten aus dem Fenster und stellten sich auf den Dachsims, um sich vor dem Schützen zu verbergen.

Regierung kommt am späten Abend zu Krisensitzung zusammen

Teile Prags sind abgeriegelt: Ein Polizist geht über die Moldau auf einer Brücke.
Teile Prags sind abgeriegelt: Ein Polizist geht über die Moldau auf einer Brücke.  © Petr David Josek/AP/dpa

Die Studenten und Hochschulmitarbeiter wurden bis zum frühen Abend aus dem Gebäude gebracht. Der Rettungsdienst schickte mehrere Rettungswagen, Notärzte und einen Großraumrettungswagen zum Einsatzort.

Die Karls-Universität wurde 1348 gegründet und zählt damit zu den ältesten europäischen Universitäten. Sie hat rund 49.500 Studentinnen und Studenten. Davon studieren rund 8000 an der Philosophischen Fakultät Fächer wie Germanistik, Slawistik, Geschichtswissenschaft.

Der tschechische Präsident Petr Pavel (62) sprach den Angehörigen der Getöteten sein Beileid aus. Er dankte den Bürgern beim Kurznachrichtendienst X am Donnerstag dafür, dass sie den Anweisungen der Sicherheitskräfte gefolgt seien. Wie das Büro des Staatsoberhaupts mitteilte, brach Pavel seinen derzeitigen Frankreich-Besuch ab, um vorzeitig nach Tschechien zurückzukehren.

Der tschechische Ministerpräsident Petr Fiala (59) brach einen Arbeitsbesuch in Mähren ab. "Aufgrund der tragischen Ereignisse habe ich mein Arbeitsprogramm in Olomouc abgesagt und werde nach Prag zurückkehren", teilte der liberalkonservative Politiker mit. "Ich stehe in Kontakt mit dem Innenminister und der tschechischen Polizei und bitte alle Bürgerinnen und Bürger, die Empfehlungen der Rettungsdienste zu beachten."

Am späten Abend sollte die Regierung zu einer Krisensitzung zusammenkommen.

Erstmeldung von 16.08 Uhr, zuletzt aktualisiert um 20.07 Uhr

Titelfoto: Bildmontage: Petr David Josek/AP/dpa, X/Screenshot/@MilitaerNews

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